Ein geworfener Molotowcocktail am Treffpunkt, laufende Ermittlungen wegen Drogenhandel im Stadion und ein umstrittenes Banner in Neapel – die Ultra-Gruppe Quadraro steht derzeit im Fokus von Polizei, Medien und Fanszene.

In der Nacht auf Dienstag kam es in der Via Cartagine im römischen Stadtteil Quadraro zu einem Brandanschlag auf den ehemaligen ENAL-Club, dem Treffpunkt der Ultra-Gruppe „Gruppo Quadraro“. Der Club – früher Teil einer staatlichen Arbeiterorganisation (Ente Nazionale Assistenza Lavoratori) – dient heute als Versammlungsort für Roma-Fans aus dem Viertel. Unbekannte warfen gegen 23:40 Uhr eine brennende Flasche auf den Eingang des Gebäudes. Zwar konnte die Feuerwehr den Brand löschen, erklärte das Gebäude jedoch für unbenutzbar. Kameras oder Zeugen gibt es laut Polizei bislang nicht – die Ermittlungen laufen.
Der Angriff erfolgte nur wenige Tage nach einer großangelegten Polizeiaktion gegen die Gruppe. Am 22. April wurden drei Mitglieder von Quadraro festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, bei Heimspielen des AS Rom Kokain in den Toiletten der Curva Sud verkauft zu haben. Der Handel soll gezielt über die Sektoren 20 und 21 erfolgt sein – also genau dort, wo Quadraro seit Herbst 2023 steht.
Die Gruppe übernahm diesen Bereich nach der Auflösung der traditionsreichen Ultra-Gruppierung Fedayn. Am 4. Februar 2023 war deren Zaunfahne von Anhängern des serbischen Klubs Roter Stern Belgrad gestohlen worden – ein schwerer Schlag, der letztlich zur Auflösung der Fedayn führte. Seit dem Spiel gegen Empoli am 17. September 2023 (7:0) beansprucht Quadraro diesen Platz in der Kurve für sich.
Angeführt wird die Gruppe von Girolamo Finizio, der bereits wegen verschiedener Delikte vorbestraft ist und auch in den aktuellen Ermittlungen eine zentrale Rolle spielen soll. Obwohl Finizio nicht festgenommen wurde, gilt er den Behörden als mutmaßlicher Drahtzieher des Drogenhandels. Für Aufsehen sorgte er zuletzt im Juni 2024, als vor dem Stadion in Neapel ein Banner mit der Aufschrift „Unser Hass wird niemals enden“ auftauchte – unterschrieben mit „Gruppo Quadraro“. Beobachter werten die Aktion als Reaktion auf ein umstrittenes Foto, das Finizio in einem Trikot des SSC Neapel zeigt und in der Roma-Fanszene für Empörung sorgte.
Nicht nur in Rom, auch in Mailand stehen Ultra-Gruppierungen derzeit stark unter Beobachtung. Faszination Fankurve berichtete. Dort laufen Ermittlungen gegen mehrere führende Figuren aus der Curva Sud des AC Mailand und der Nordkurve von Inter wegen mutmaßlicher Verbindungen zu organisierter Kriminalität, Schutzgelderpressung und illegalem Ticketverkauf. Die Vorfälle werfen ein weiteres Schlaglicht auf die problematische Verflechtung von Fankultur und kriminellen Strukturen in Italiens Fußballstadien.
(Faszination Fankurve, 06.05.2025)
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