Am 10.05. gastierte der 1. FC Heidenheim beim 1. FC Union Berlin. Trotz brisanter sportlicher Lage gab es keine organisierte Stimmung der Gästefans. Dies lag an polizeilichen Maßnahmen vor dem Spiel. Auch nach Abpfiff beruhigte sich die Situation nicht. Nun haben sowohl Fanprojekt als auch der Verein selbst, Stellungnahmen mit kritischen Worten zur Einsatztaktik veröffentlicht.
Etwa 2.000 Fans aus Heidenheim waren vergangenen Samstag in die Hauptstadt gereist. Die Szene hatte bereits auf dem Weg zum Stadion Probleme mit der Polizei aufgrund von Ordnungswidrigkeiten wie dem Verkleben von Stickern.
Es kam zu Festnahmen und massiver Polizeigewalt, wie das Fanprojekt Heidenheim sowie der Verein selbst nun in einer Stellungnahme vermelden. Auch nach dem Spiel folgten eine weitere Festnahme sowie ein Pfefferspray-Einsatz. Im Zuge dessen mussten 20 Fans medizinisch behandelt werden.
Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme des Heidenheimer Fanprojekts:
[grau]Stellungnahme des Fanprojekts Heidenheim
Zu den Vorkommnissen rund um das Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin am 10. Mai 2025
Das Fanprojekt Heidenheim zeigt sich tief besorgt über die Vorfälle im Zusammenhang mit dem Auswärtsspiel des 1. FC Heidenheim beim 1. FC Union Berlin am Samstag, den 10. Mai 2025. Auf Grundlage eigener Beobachtungen, Gesprächen mit betroffenen Fans sowie der Dokumentation vor Ort möchten wir zur öffentlichen Diskussion beitragen und die Geschehnisse aus unserer Perspektive darstellen.
Die gemeinsame Anreise der FCH-Fans mit der S-Bahn und der darauffolgende Fanmarsch verliefen friedlich. Die Stimmung war respektvoll, auch zwischen den Fanlagern. In der S-Bahn kam es zu einer mutmaßlichen Sachbeschädigung durch das Anbringen von Aufklebern – ein Vorfall, der später offenbar polizeiliche Maßnahmen auslöste.
Unmittelbar vor dem Stadion, im Bereich der Pyramidenbrücke, wurde eine Person aus der FCH-Fanszene aus der Menge gezogen und in Gewahrsam genommen. Dabei handelte es sich vermutlich um die Person, die zuvor vermeintlich beim Anbringen der Aufkleber beobachtet wurde. Diese Person trug die Materialtasche mit Fan-Utensilien bei sich, weshalb viele Fans an Ort und Stelle auf die Rückgabe warteten. Dieses Vorgehen sorgte kurzzeitig für Unruhe in der Menge.
Gemeinsam mit der Fanbetreuung des FCH, wartenden FCH-Fans und den szenekundigen Beamten versuchten wir, vermittelnd auf die Polizei einzuwirken. Ziel war es, zu verdeutlichen, dass die Fans den Bereich erst verlassen würden, wenn die Materialtasche zurückgegeben worden sei.
Nach einiger Zeit kam es durch die eingesetzte Berliner Polizeikräfte zu einem plötzlichen und aus unserer Sicht unverhältnismäßigen Gewalteinsatz gegen mehrere wartende Fans. Die Situation wirkte äußerst chaotisch und war für viele Beteiligte beängstigend.
In der Folge wurden weitere Personen aus der Menge herausgezogen und in Gewahrsam genommen. Die Materialtasche wurde kurze Zeit später zurückgegeben. Die Fans begaben sich dann Richtung Einlass. Auch am Stadioneinlass wurde eine weitere Person festgenommen.
Wir begleiteten zwei der festgenommenen Personen auf die Stadionwache und durften zunächst bei ihnen bleiben. Nachdem festgestellt wurde, dass wir dem Fanprojekt angehören, wurden wir unter fadenscheinigen Gründen gebeten, die Stadionwache zu verlassen.
Im Anschluss wurde noch geprüft, ob weitere Personalienfeststellungen erfolgen sollten.
Wir sind der festen Überzeugung, dass eine bessere und frühzeitigere Kommunikation im Netzwerk zwischen Polizei, Fanprojekt, Fanbetreuung und szenekundigen Beamten wesentlich dazu beigetragen hätte, die Situation zu entschärfen. Solch drastische Maßnahmen, wie sie in diesem Fall ergriffen wurden, sollten immer nur als letztes Mittel in Betracht gezogen werden – und erst dann, wenn alle deeskalierenden und vermittelnden Ansätze gescheitert sind.
Sowohl während des Kurvengesprächs vor dem Spiel als auch in der Halbzeitbesprechung versicherte die verantwortliche Polizeiführerin auf Nachfrage, dass keine weiteren polizeilichen Maßnahmen in Bezug auf die Vorfälle vor dem Spiel zu erwarten seien. Diese Aussage steht jedoch in einem klaren Widerspruch zu den dokumentierten Maßnahmen nach der Partie.
Ein deutliches Zeichen setzte die aktive Fanszene, indem sie sich dazu entschloss, auf organisierten Support während des Spiels zu verzichten. Damit wurde ein bewusster Protest gegen das polizeiliche Vorgehen ausgedrückt – ruhig, solidarisch und geschlossen. Darüber hinaus sahen sich viele Fans nach den teils belastenden Vorkommnissen, Verletzungen und Festnahmen emotional oder körperlich nicht in der Lage, am gewohnten Support teilzunehmen.
Nach Spielende begaben sich die Fans geordnet zu den bereitstehenden Bussen. Die Situation wirkte zunächst ruhig. Die Fans standen an den Bussen und stiegen nach und nach ein, als es plötzlich erneut zu einer polizeilichen Maßnahme kam. Eine Person sollte festgenommen werden. Dabei kam es erneut zu körperlicher Gewalt, von der auch unbeteiligte Fans betroffen waren.
Die festgenommene Person wurde, obwohl sie am Boden lag und keinen Widerstand leistete, mehrfach geschlagen – sowohl in die Körperseite als auch auf den Kopf. Beim Abtransport setzten Polizeikräfte zusätzlich großflächig Pfefferspray ein, obwohl eine klare räumliche Trennung durch einen Zaun bestand
Sobald es die Situation schließlich zuließ, stiegen die Fans in die Busse und traten den Heimweg an.
Die Schilderungen der Polizei über massive Gewalt durch Fans und die daraus resultierenden Maßnahmen decken sich nicht mit den Beobachtungen unserer Mitarbeitenden und zahlreicher unbeteiligter Fans. Wir stellen nicht in Frage, dass es zu angespannten Momenten kam – jedoch war die Mehrzahl der Heidenheimer Fans kooperativ und friedlich unterwegs. Die pauschale Darstellung einer „gewaltbereiten Menge“ ist aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt.
Stand jetzt mussten rund 20 Fans am Spieltag sowie im Nachgang medizinisch behandelt werden – teils aufgrund physischer Verletzungen, teils wegen psychischer Belastung.
Das Fanprojekt Heidenheim fordert:
-Eine unabhängige und transparente Aufarbeitung der Geschehnisse durch eine neutrale Stelle,
-die Veröffentlichung von Einsatzdokumentationen und Videomaterial zur Überprüfung der Verhältnismäßigkeit,
-eine konsequente Überprüfung und Reflexion der Einsatzstrategie durch die beteiligten Polizeibehörden,
-sowie eine Rückkehr zu einer verlässlichen, dialogorientierten und deeskalierenden Polizeistrategie bei Fußballspielen.
Wir bedanken uns ausdrücklich beim Fanprojekt „Alte Försterei“ und bei den Mitarbeitenden des 1. FC Union Berlin für ihre Unterstützung und Hilfsbereitschaft am Spieltag.
Allen Fans, die durch die Geschehnisse seelisch oder körperlich verletzt wurden, wünschen wir eine vollständige und gute Besserung.
Fanprojekt Heidenheim
Heidenheim, den 13.05.2025
Dies führte dazu, dass die Fans aus Heidenheim sich kurzfristig dazu entschlossen auf organisierten Support sowie Zaunfahnen usw. zu verzichten.

Vor ausverkaufter Kulisse (22.012 Zuschauer) siegten die Gäste mit 3:0. Somit können die Heidenheimer nicht mehr auf einen festen Abstiegsplatz rutschen und sogar der Sprung vom Relegationsplatz auf Platz 15 ist theoretisch noch möglich.
(Faszination Fankurve, 15.05.2025)
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