Vergangenen Sonntag trafen im Sportforum Hohenschönhausen im Rahmen des 34. Spieltages der Regionalliga Nordost der BFC Dynamo und FSV Zwickau aufeinander. Vor Anpfiff der Partie kam es zu Tumulten am Einlass der Gästefans. So waren Ordnungsdienst und Polizei mit der Ankunft des Hauptmobs aus Westsachsen deutlich überfordert.

Es folgte eine chaotische Einlasssituation, die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Fans verursachten. Im Nachgang sprachen die zuständigen Behörden von einem versuchten Blocksturm vieler ticketloser Personen. Dies sieht die Fanhilfe Zwickau anders, wie man in einer Stellungnahme zu den Vorfällen kundtut.
Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Fanhilfe Zwickau:
[grau]Am vergangenen Sonntag, dem 18.05.2025, kam es vor dem Spiel zwischen dem BFC Dynamo und dem FSV Zwickau zu Ausschreitungen im Bereich der Vorkontrollen. Zahlreiche Betroffene Personen wandten sich daraufhin an die Fanhilfe Zwickau, die umgehend an Ort und Stelle gehandelt hat.
Die Auseinandersetzungen entstanden in erster Linie durch eine Vielzahl verschiedenster Fehler. Besonders kritisch sehen wir die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen, welche vom BFC Dynamo getroffen wurden. Schlicht und einfach: zu wenig Ordner, für etwa 300 Gästefans, die zugleich eintrafen. Das chaotische und schlecht durchdachte Kartenkontrollsystem führte zu Verwirrung. Dazu kamen unzureichende Absperrungen sowie eine mangelhafte Kommunikation zwischen Ordnungsdienst und Polizei. All das trug wesentlich zur Eskalation der Situation bei.
Das Vorgehen der zuständigen Behörden verurteilen wir zutiefst, insbesondere den unangemessenen Umgang mit den angereisten Gästefans des FSV Zwickau. Es ist nicht akzeptabel, dass Personen, die bereits im Besitz gültiger Eintrittskarten waren oder diese ordnungsgemäß bei den Fanbetreuern vor Ort erworben hatten, ohne erkennbaren Grund von Sicherheitskräften bedrängt oder eingeschüchtert wurden. Außerdem bedauern wir auch die entstandenen Gewaltexzesse und wünschen allen Beteiligten gute Besserung.
Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Form der Gewalt und setzen uns gleichzeitig für eine gerechte und respektvolle Behandlung aller Fans des FSV Zwickau ein. Nichtsdestotrotz war das Verhalten der Polizei in mehrfacher Hinsicht unangemessen und widerspiegelt die Überforderung, sowie unnötige Aggressivität der Einsatzkräfte. Die alleinige Verantwortung den Fans zuzuschreiben, halten wir jedoch für unzulässig und rufschädigend für den Verein. „Repressionen schüchtern uns nicht ein.“ Deshalb fordern wir eine konstruktive und umfassende Aufarbeitung der Vorfälle. Ziel muss es sein, dass alle Beteiligten mit Respekt behandelt werden, ohne dass dabei die allgemeine Sicherheit infrage gestellt wird. Wir fordern eine Überprüfung des aktuellen Sicherheitssystems im Gästesektor des Sportforum Hohenschönhausen. Dieser war völlig unzureichend besetzt und zugleich miserabel geplant. Im Mittelpunkt steht nach wie vor das grundsätzliche Ausmaß an Gewalt, welches kein legitimes Mittel sein sollte, weder von Seiten der Fans noch von Seiten der Sicherheitskräfte. Die Fanhilfe Zwickau wird sich aktiv an der Aufarbeitung beteiligen und sieht sich in der Verantwortung, dazu beizutragen, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen.
Auch der Verein meldete sich per Stellungnahme zu Wort.
Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme des FSV Zwickau:
[grau]Als FSV Zwickau möchten wir zuvorderst allen Personen, die am Rande des Auswärtsspiels beim BFC Dynamo verletzt wurden, insbesondere dem kurzzeitig bewusstlosen Polizisten, gute Besserung wünschen. Wir sind bereits dabei, persönlichen Kontakt aufzubauen, um das Gespräch zu suchen, uns nach dem Befinden zu erkunden und uns zu entschuldigen. Demnach konnte der Beamte bereits das Krankenhaus verlassen.
Die Geschehnisse machen uns betroffen! Gewalt als Mittel der Meinungsdurchsetzung können und werden wir nicht akzeptieren, egal von welcher Seite. Das wollen wir an der Stelle nochmals klar artikulieren und an unsere Fans richten. Diese sind in den vergangenen Jahren mit solchen Schlagzeilen kaum bis gar nicht aufgefallen, weshalb uns die Vorfälle umso mehr beschäftigen.
Widersprechen müssen wir unabhängig davon allerdings den getätigten Aussagen, dass ein Großteil an FSV-Anhängern versucht habe, ohne Eintrittskarten in das Stadion zu gelangen und es sich um eine geplante Aktion handelte. Dafür liegen uns keinerlei Hinweise vor! Alle anwesenden FSV-Anhänger waren bereits im Besitz einer gültigen Eintrittskarte (640 Karten) oder haben diese vor Ort im Vorfeld der Kontrollen bei unserer Fanbetreuung erworben (55 Karten). Weder gab es einen Engpass an Eintrittskarten, noch eine aggressive Stimmung auf der Anreise. Die Tumulte entstanden zudem nicht unmittelbar am Eingang zum Gästeblock, um damit möglicherweise direkt in selbigen gelangen zu können, sondern bei einer ersten Vorkontrolle im Umfeld des Stadions. Ein unmittelbares Betreten des Stadions nach Überwindung der Vorkontrolle wäre demnach gar nicht möglich gewesen. Vielmehr erscheinen uns die Vorkommnisse als unvermitteltes und plötzliches Resultat mehrerer Faktoren, die es nun dringlich zu analysieren gilt.
Was wir neben unserem Appell und den Genesungswünschen also tun können? Gemeinsam mit allen Beteiligten sollte die Einlasssituation an der Vorkontrolle ausgewertet und dabei schonungslos angesprochen werden, wo Fehler, Faktoren und Verhaltensweisen lagen, die zu dieser Situation geführt haben. Das betrifft natürlich auch das Verhalten der FSV-Fans. Eine alleinige Beschuldigung unserer Fans und deren pauschale öffentliche Verunglimpfung erachten wir dabei aber nicht als den richtigen Weg. Als FSV Zwickau beteiligen wir uns selbstverständlich an der Aufarbeitung der Vorfälle, sehen wir uns doch in der Verantwortung und wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass solche Vorfälle, wie auch in den letzten Jahren schon, gar nicht mehr vorkommen. Dazu gehören auch intensive Gespräche mit unseren Fans, wie auch die Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt Zwickau und der Fanhilfe Zwickau.
(Faszination Fankurve, 24.05.2025)
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