Nach dem verlorenen Saisonfinale gegen Auerbach, stehen die Thüringer kurz vor dem Abstieg in Liga 6. Auch das Relegations-Hinspiel wurde verloren. Diesmal jedoch ohne Unterstützung der aktiven Fans, wie die Wismut Szene ’51 in einer Stellungnahme verkünden und kritische Worte zur eigenen Mannschaft finden.(Faszination Fankurve, 05.06.2025)
Vergangenes Wochenende fand der letzte Spieltag der Oberliga Nordost statt. Für die BSG Wismut Gera war das Spiel im Kampf um den Klassenerhalt überlebenswichtig. Dabei startete der Aufsteiger gut in die Saison. Spätestens seit Jahresbeginn stecken die Thüringer allerdings im Abstiegskampf
Zum Heimspiel gegen den VfB Auerbach mobilisierte die Wismut Szene ’51 noch einmal kräftig. Man zeigte eine thematisch zur Situation passende optische Aktion und feuerte die eigene Truppe dauerhaft an. Am Ende siegten die Vogtländer jedoch mit 4:3. Somit schloss Wismut Gera die Saison auf den drittletzten Platz ab und wäre somit abgestiegen. Die Betonung liegt jedoch auf wäre…
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Denn diesmal kommt es zu zwei Relegationsspielen gegen den Drittletzten der Oberliga Nordost Nord, in der nochmal um den Klassenerhalt gekämpft wird. Dies hat einen komplizierten Hintergrund.
Weil der 1. FC Lok Leipzig trotz Regionalliga Nordost-Meisterschaft aufgrund der verlorengegangenen Aufstiegsspiele gegen Havelse weiterhin in Liga 4 bleibt, gibt es dieses Mal einen Absteiger mehr aus der Regionalliga Nordost. Dadurch entsteht auch ein Absteiger mehr aus den Oberligen der Staffel Nordost in Richtung Landesligen.
Somit treten die jeweils Drittletzten der Oberliga Nordost Nord und Süd gegeneinander an. Doch auch diese Spiele entscheiden nicht endgültig über den Ligaverbleib.
Wenn in der Thüringenliga der FC An der Fahner Höhe den ersten Tabellenplatz belegt, steigt niemand ab. Denn der FC An der Fahner Höhe möchte nicht in die Oberliga aufsteigen und verzichtet im Falle der Erstplatzierung darauf. Bereits in der Vorsaison hat sich der Club dazu entschieden. Aktuell steht man mit zwei Punkten Abstand zu Platz eins auf dem zweiten Tabellenplatz, allerdings mit einem Spiel weniger. Sollte Heiligenstadt die Tabellenspitze verteidigen, wird dieser Verein auch den Aufstieg akzeptieren.
Gestern fand das Hinspiel im Geraer Stadion am Steg statt. Vor 427 zahlenden Zuschauern verloren die Thüringer gegen den SC Staaken mit 1:2 die Partie. Diesmal wurde die Mannschaft allerdings nicht von ihrer Anhängerschaft unterstützt. Denn obwohl die Mannschaft mitten im Abstiegskampf steckte, buchte man eine Saisonabschluss-Reise nach Mallorca, die vergangenes Wochenende trotz Niederlage gegen Auerbach auch angetreten wurde.
Angesichts dieser Tatsache riss bei der aktiven Fanszene der Geduldsfaden. So verzichteten die Fans im Spiel gegen Staaken auf organisierten Support. Die Zaunfahnen wurden verkehrt herum aufgehangen, zudem hing ein kritisches Spruchband gegen die eigene Mannschaft sowie eins mit lobenden Worten für den Trainer.


Die Wismut Szene ’51 informierte vorab mit einer Stellungnahme zum Boykott. In dieser bewertet man die aktuelle Situation im Verein sowie das Handeln der Spieler.
Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahem der Wismut Szene ’51:
[grau]Glück Auf, Wismut-Gemeinde!
Alles oder nichts – das war die Devise am Samstag. Am Ende wurde es Nichts…oder doch nicht? Nach viel Hin und Her, diversen Gerüchten und Meinungen wurde dann gestern offiziell bekanntgegeben, dass es nun doch zur Relegation gegen Staaken kommt. Das gedankliche und emotionale Wirr-Warr der Wismut-Fangemeinde ist komplett. Eine Mischung aus Traurigkeit, Frust, Enttäuschung und auch Wut ist seit Samstag in den Köpfen. Mag man die ersten beiden Punkte noch verstehen, so bedürfen insbesondere die letzten beiden ein paar Ausführungen unsererseits.
Mit viel Euphorie startete man in die Oberliga-Saison – welche damals schon der ein oder andere kritisch sah, insbesondere mit Blick auf die strukturelle und finanzielle Entwicklung des Vereins. Aber es war – auch rückblickend – die attraktivere Liga. Schöne Plätze, besserer Fußball und neue Bekanntschaften. Auf dieser Welle schaffte man Zuversicht auf einen Ligaverbleib. Aber spätestens in der Winterpause begann alles zu bröckeln und spitzte sich bis zum vergangenen Samstag zu.
Der Verein zeigt sich sich mittlerweile wieder einmal als Schatten seiner selbst. Keine Vereinsführung, keine Organisation, keine Kommunikation (zum Glück läuft der Nachwuchs). Wir hielten uns bisher mit öffentlicher Kritik komplett zurück – zum Wohle des Vereins und der handelnden Personen. War das richtig? Wohl eher nicht…aber es war nunmal unsere Marschrichtung. Dachte man nun, dass die Verantwortlichen gelernt hätten und man jetzt kleinere Brötchen backen würde, täuschte man sich mal wieder. Sportlich abgestiegen, keine sportliche Vereinsführung, kein Trainerstab und stand jetzt auch keine Mannschaft für die kommende Saison. Die Vorzeichen stehen also nach dem sportlichen Abstieg, der zeigt, dass man eben nicht – trotz aller Hoffnungen – oberligatauglich ist – auf nochmaligen Anlauf in der Thüringenliga (manch einer fordert sogar mehr, auch hierfür gibt es gute Argumente). Also Entscheidung des Vereins? Klar, wir machen es auf Biegen und Brechen und spielen kurzfristig und ohne Vorbereitung Relegation, versuchen uns zu retten und dann geht das alles schon irgendwie gut.
Und wie sieht dieses Irgendwie aus? Die Mannschaft fällt nach unseren Informationen auseinander, nur wenige Stützen bleiben, Stand jetzt. Die Folge – wir fahren Vereinsidentifikation und Bodenständigkeit wieder zurück und nehmen eben die Spieler, die kommen wollen. Wie wir die bezahlen wollen 🫣 Immerhin stehen wohl jetzt schon Spielergehälter mehrmonatig aus. Gute Voraussetzungen also. Und der Trainer? An diesem Stuhl wird schon wieder gesägt, ob sportlich richtig, kann man drüber streiten. Aber in alter Wismut-Manier bahnt sich schon wieder Widerstand aus der Mannschaft an und auf dieses Pferd steigen nun wohl auch die Offiziellen auf. Was da in der Gerüchteküche brodelt, da greifste Dir nur an den Kopf. Ein Trainer mit Wismut-Mentalität und auch mit Wismut-Vergangenheit, sympathisch und fannah, bodenständig, als identifikationsstiftend – brauchen wir nicht. Unser Statement: Geise, Du bist Wismut!
Achja was macht die Wismut-Führungsriege? Die gibt es (noch) gar nicht und ob diese nachhaltig ins Amt gehoben wird, ist Stand jetzt unklar. Nicht mal alle Mitglieder wissen, wann gewählt wird. Und auch hier geben sich Gerüchte über geschehenes und kommendes die Hand. Es ist bekannt, dass wir Max-nah sind und hier ein gutes Verhältnis besteht, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht kritisch beobachten und alles beklatschen. Anschluss an oben – noch alles zum Wohle der Agierenden.
Achja, dass der NOFV mal wieder NOFV-Dinge macht und eine ggf. völlig sinnfreie Relegation ansetzt, welche nicht nur Aufwand und Geld frisst, obwohl nicht mal alle Rahmenbedingungen bekannt sind, ist nur zum Kopfschütteln.
Ja unsere Haut ist dicker geworden, aber ein Punkt hat nun das Pendel zur anderen Seite ausschlagen lassen. Wir verlieren unglücklich, aber nicht unverdient das alles entscheidende Spiel. Wir halten zu Gute, dass wir verletzungsgeplagt sind und uns teilweise auf den letzten Zahnfleisch grauchend durch die Saisonendspurt geschleppt haben. Man kann dem Großteil der Mannschaft nicht mal den Wille absprechen, ihr Möglichstes gegeben zu haben – mit Ausnahmen bspw. in Halle oder einzelne Spieler auf dem Platz u.a. am Samstag. Und ja, das Geld ist ausgeblieben – was für uns Fußballromantiker eher wenig ins Gewicht fällt. All diese Argumente stehen und werden akzeptiert, tlw. versuchen wir auch nicht dagegen zu argumentieren. ABER: wir verlieren das entscheidende Spiel, rutschen auf den Abstiegssplatz ab, werden vielleicht durch eine Relegation gerettet (den oben genannten Aussagen zum Trotz) und anstatt hier nochmal anzupacken, fliegt ein Großteil der Mannschaft Sonntag-Nacht zum Feiern nach Mallorca?! Seit spätestens Januar steht eine mögliche Relegation im Raum und man bucht trotz des Wissens, dass man sportlich hier absolut im Kandidatenfeld für diese ist, wissentlich einen gemeinsamen Trip auf die Partyinsel und tritt dann sogar die Reise wirklich an? Eine gute Stunde nach Abpfiff des Spiels am Samstag torgeln die ersten Spieler munter am Steg im Malleoutfit herum, ziehen sich dann wieder zurück, als doch noch Fans zu sehen waren, gehen in der Elster baden und machen Party? Sorry Jungs und Mädels, das müssen wir nicht verstehen und werden es auch nicht. Die Personen auf dem Platz bekommen für das, was sie machen, Geld und stehen in vertraglichen Verpflichtungen und dann sowas? Da zählt dann das ausstehende Geldargument eben nicht mehr, da das Ganze lange geplant war – wohl wissend der potenziellen Relegation – wir wollen es nochmal betonen. Eine (!) Woche nach hinten geschoben, dann wäre der Drops gelutscht gewesen – nein. Dass jetzt aus eigenem Geld ein Flug eher genommen wird, ist da nur ein schwacher Trost. Denn was auf Malle wohl so alles passiert, was mit dem Fußballsport im engeren Sinne nichts zu tun hat, das wissen wir alle.
Lange Rede kurzer Sinn – es ist der altbekannte Tropfen, der das volle Fass zum Überlaufen bringt. Die Verantwortlichen der WismutSzene 51 haben sich aus diesen Gründen entschieden, in der Relegation auf organisierten Support zu verzichten. Es ist natürlich jedem im engen und weiteren Umfeld freigestellt, dieser Entscheidung zu folgen. Wir erwarten auch kein Verständnis, nur Akzeptanz. Dinge müssen entschieden werden und ob unsere Wahl die richtige war, wird sich zeigen – vielleicht irren wir uns auch. Aber vor den jetzigen Rahmenbedingungen erscheint und diese Entscheidung als folgerichtig. Wir stehen natürlich zur sachlichen Diskussion gerne bereit.
WismutSzene 51
Am Samstag (07.06.) kommt es in Berlin-Staaken zum Rückspiel. Auch in diesem Spiel wird die Wismut Szene ’51 auf aktive Unterstützung verzichten. Die Entscheidung über einen möglichen Aufsteiger aus der Thüringenliga entscheiden sich jedoch erst am 14.06., wenn dort der letzte Spieltag ausgetragen wurde.
(Faszination Fankurve, 05.06.2025)
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