Relegation zwischen Sampdoria und Salernitana: Ein Spiel Zwischen Hoffnung und Boykott

14.06.2025

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Foto: Faszination Fankurve

Am 15. und 20. Juni 2025 kämpfen Sampdoria Genua und die US Salernitana in der Relegation um den Verbleib in der Serie B. Während in Genua die Relegation als letzte Überlebenschance für den Verein begriffen wird, verweigern sich die Ultras aus Salerno den Spielen – aus Protest gegen die Ligaführung und die Umstände der sportlichen Entscheidung. (Faszination Fankurve, 14.06.2025)

Sampdoria steht sportlich am Abgrund, darf aber durch ein Urteil gegen Brescia Calcio weiter auf den Klassenerhalt hoffen. Aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten wurde Brescia acht Punkte abgezogen, wodurch nicht die Blucerchiati, sondern der Traditionsverein aus der Lombardei direkt in die Serie C absteigen muss. Für viele Sampdoria-Anhänger ist die Relegation damit der letzte Ankerpunkt, um das Abrutschen in die Drittklassigkeit und einen möglichen Kollaps des Vereins doch noch zu verhindern.

Die Ultras der „Gradinata Sud“ rufen zur Mobilmachung auf und wollen das Heimspiel im Stadio Luigi Ferraris zu einer Demonstration bedingungsloser Unterstützung machen. Trotz der sportlichen Krise steht die Kurve hinter dem Team – getragen vom Bewusstsein, dass mit einem Abstieg nicht nur eine Liga, sondern auch ein Stück Identität verloren gehen könnte.

In Salerno hingegen hat sich eine völlig andere Dynamik entwickelt. Die Ultras der „Curva Sud Siberiano“ boykottieren die Relegationsspiele vollständig. Seit Tagen ist die Stadt mit Spruchbändern und Transparenten gepflastert, die sich gegen die Lega, den Verband FIGC und die Spielansetzung richten. „Salerno non si piega“ („Salerno beugt sich nicht“) und „Contro il vostro sistema“ („Gegen euer System“) lauten zentrale Botschaften der Proteste. Aus Sicht der Fans ist die Relegation eine aufgezwungene Farce, die das sportliche Versagen verschleiern und strukturelle Ungleichheiten überdecken soll.

Mit einer eindrucksvollen Protestaktion unter dem Motto „Salerno si ribella“ („Salerno erhebt sich“) machten die Ultras zuletzt landesweit auf ihre Ablehnung der Relegation aufmerksam. Stadt und Region wurden flächendeckend mit Bannern wie „Il vostro complotto, la nostra rivolta“ („Eure Verschwörung, unser Aufstand“) versehen. In einem gemeinsamen Statement forderten die Gruppen nicht nur eine Abschaffung der Relegation in ihrer jetzigen Form, sondern auch eine tiefgreifende Reform der Verbandsstrukturen. Für die Fanszene aus Salerno ist klar: „Diese Spiele gehören nicht uns – deshalb bleiben wir draußen.“

Hier der Bericht auf Faszination Fankurve

In einem weiteren offiziellen Kommuniqué der Salernitani wurde der Boykott nochmals bekräftigt. Darin heißt es: „Wir haben beschlossen, die beiden Relegationsspiele nicht zu besuchen und auch jegliche Form des Supports einzustellen. Es handelt sich um eine Entscheidung, die auf Prinzipien und Würde beruht – keine Kapitulation, sondern Widerstand.“ Die Gruppe rief außerdem dazu auf, während der Spieltage Präsenz auf den Straßen zu zeigen – fernab der Stadien, aber sichtbar und laut.

Die Kritik der Salernitana-Fans zielt dabei nicht nur auf die eigene sportliche Situation, sondern auch auf den Zustand des italienischen Fußballs insgesamt. Der Boykott soll ein Zeichen setzen – gegen einen Verband, dem viele Fans seit Jahren Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen der Kurven vorwerfen. Beim Rückspiel in Salerno wird daher mit einem gänzlich stillen und weitgehend leeren Stadion gerechnet.

Der Protest gegen den Verband und den Präsidenten Gabriele Gravina wird auch landesweit geführt und wurde vielerorts mit Spruchbändern untermauert.

Zusätzliche Brisanz erhält die Partie durch einen Nebenkriegsschauplatz in Genua: Fans des Lokalrivalen CFC Genua hatten in großer Zahl Relegationstickets für das Heimspiel von Sampdoria gekauft – offenbar mit der Absicht, die Plätze unbesetzt zu lassen und so das Stadion der Blucerchiati gezielt leerer erscheinen zu lassen. Um ihre Kartenbestellungen durchzubringen, nutzten die Genoani dabei unter anderem die Namen ehemaliger Sampdoria-Spieler und -Funktionäre (u.a. unter dem Namen des Präsidenten des italienischen Fußballverbandes Gabriele Gravina) – eine gezielte Provokation. Der Verein reagierte umgehend und ließ sämtliche verdächtigen Buchungen stornieren, um Störungen und Sicherheitsprobleme zu vermeiden.

Ein zusätzlicher Aspekt, der den Relegationsduellen auch auf internationaler Fanebene Aufmerksamkeit verleiht: Die Ultras aus Salerno pflegen seit Jahren eine enge Freundschaft mit der aktiven Fanszene des FC Schalke 04. Auf der Gegenseite unterhalten Teile der aktiven Szene von Sampdoria seit Jahren Kontakte zur Fanszene des FC St. Pauli. Auch nach Braunschweig gibt es aus Teilen der Sampdoria Fanszene Kontakte.

Das Relegationsduell zwischen Sampdoria und Salernitana wird also nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allem auf den Rängen (oder im Fall Salernos: vor leeren Rängen) seine Geschichte schreiben. Während Genua noch einmal alle Kräfte mobilisiert, setzt Salerno auf symbolischen Widerstand – zwei grundverschiedene Reaktionen auf eine sportliche und sportpolitische Notlage.

(Faszination Fankurve, 14.06.2025)

 

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