Mit 65 Jahren „Verspätung“ zog es vergangene Woche die Mannschaft aus dem Erzgebirge ins nordirische Lurgan, weil der „Kalte Krieg“ damals dafür sorgte, dass Großbritannien den DDR-Bürgern zum Auswärtsspiel im Rahmen des Europapokals der Landesmeister kein Visum erteilte. Nun wurde die Partie nachgeholt – begleitet von einer vierstelligen Anzahl an Fans des FC Erzgebirge Aue.

Wie Faszination Fankurve berichtete, ereignete sich 1960 eine wahrlich spektakuläre Geschichte: Im Europapokal der Landesmeister sollten Wismut Aue und der Glenavon FC aufeinandertreffen. Die „Veilchen“, die damals noch SC Wismut Karl-Marx-Stadt hießen, feierten 1959 ihre dritte DDR-Meisterschaft. Doch die damalige politische Lage sorgte dafür, dass Großbritannien der DDR-Mannschaft kein Visum erteilte. Aue kam kampflos weiter und schaffte es im Anschluss sogar bis ins Achtelfinale des Europapokals, wo man in drei Spielen gegen Rapid Wien ausschied.
Sowohl in Aue als auch in der Stadt Lurgan – der Heimat des Glenavon FC – bestand weiterhin der Wunsch nach einer Neuauflage. Zu dieser kam es dann im vergangenen Jahr.
Am 6. Juli 2024 gastierten die Nordiren im Erzgebirge. Vor knapp 5.000 Zuschauern siegten die Veilchen mit 5:0. Wegen eines Flugstreiks in Nordirland wäre es fast erneut zur Absage gekommen. Doch die Mannschaft konnte umbuchen und erreichte den Austragungsort rechtzeitig.
Vergangenen Samstag sollte es nun zum Rückspiel in Nordirland kommen. Das Interesse bei der Auer Anhängerschaft war riesig, und das erste Gästeticket-Kontingent von 700 war schnell ausverkauft.
Letztendlich fuhren über 1.000 „Veilchen“ in die nur knapp über 20.000 Einwohner zählende Stadt Lurgan. Die Anreise erfolgte auf unterschiedlichsten Wegen: per Flugzeug, Auto, Motorrad – und ein Fan reiste sogar mit dem Fahrrad an.
Der Spieltag startete für die Gästefans um 10:30 Uhr am Brownlow House. Ausgestattet waren die meisten mit dem Inhalt der „Fanbox“, welche die Szene organisiert hatte. Neben Aufklebern enthielt sie auch ein Mottoshirt sowie eine „Schiebermütze“. Im Anschluss ging es lautstark zu Fuß in Richtung Spielstätte.

Am Stadion wartete dann ein Bierzelt mit DJ und jede Menge Essensstände auf die Gästefans. Allgemein herrschte zwischen den beiden Fanlagern eine friedliche und zugleich interessierte Stimmung.
Dies unterstrich auch ein Moment etwa Mitte der zweiten Halbzeit, als viele Heimfans den Gästeblock betraten und fortan gemeinsam mit dem Anhang aus dem Erzgebirge supporteten.
Zuvor feuerten beide Stimmungsblöcke ihre Mannschaften an. Im Heimblock gab dabei sogar etwas blauer Rauch zum Einsatz.


Nach dem 5:0 im Hinspiel 2024 in Aue sahen die insgesamt über 2.000 Zuschauer im Rückspiel einen 2:0-Sieg von Erzgebirge Aue. Beide Tore erzielte Erik Weinhauer, der sich in der vergangenen Rückrunde aufgrund seines frühzeitig bekannt gegebenen Wechsels von Jena nach Aue bei einigen FCC-Fans unbeliebt gemacht hatte.
(Faszination Fankurve, 08.07.2025)
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