Zweites Stimmungszentrum im Pariser Prinzenpark geplant

01.08.2025

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Foto: Faszination Fankurve

Einst war der Prinzenpark bekannt für seine zwei Stimmungskurven. Nach dem Konflikt zwischen Auteuil und Boulogne welcher letztendlich in einem Todesfall und dem Verbot fünf aktiver Pariser Gruppen gipfelte, war es lange ruhig im Prinzenpark. Erst im Jahr 2016 kamen mit den „Collectif Ultras Paris“ neue organisierte Ultras ins Stadion, welche von dort an lediglich in der Auteuil für Stimmung sorgten. Dies ändert sich nun. (Faszination Fankurve, 01.08.2025)

Der Dachverband der aktuellen Ultraszene in Paris „Collectif Ultras Paris“ (CUP) hat mit dem Verein Paris Saint-Germain vereinbart, auf der „Boulogne-Seite“ des Prinzenparks einen zweiten, neuen Stimmungskern zu etablieren. Damit reagieren Verein und Ultras auf den eingeschränkten Platz in der Virage Auteuil (VA) welcher erhöhte Kartenprobleme zur Folge hatte. Dementsprechend entschloss man sich jetzt dazu in Rücksprache mit dem Verein mithilfe der Eröffnung einer zweiten Stimmungskurve einerseits das Platzproblem zu lösen, und andererseits die Stimmung in Paris weiterhin zu steigern. Die Kosten für eine Dauerkarte in der neuen Kurve sollen bei knapp 600€ liegen.

Dass es in Frankreich, bzw. speziell in Paris, jetzt eine zweite Kurve im Stadion gibt, ist nicht außergewöhnlich – vielmehr ist es eine Rückkehr zur Normalität. Die beiden Pariser Kurven Auteuil und Boulogne haben eine lange Historie, in welcher es immer wieder zur Veränderung kam.

Bereits im Jahr 1978 gründete sich als Art Sammelbecken verschiedener Fußballkulturen die „Kop of Boulogne“ (KOB). Mit den „Boulogne Boys“ gründeten sich im Jahr 1985 dort dann eine der ersten Ultragruppen in Frankreich. Auch viele Hooligans hatten ihre Heimat in der KOB.

Sechs Jahre später, im Jahr 1991, folgte dann mit der „Virage Auteuil“ eine zweite Kurve in Paris, in welcher Stimmung organisiert wurde.

Dort entstanden neue Ultragruppen wie beispielsweise die Supras Auteuil, Dragons und Tigris Mystic. Die Gruppe Lutece Falco gründete sich ebenfalls 1991, damals jedoch noch auf der Boulogne. Erst im Februar 1992 verließen sie die Boulogne und wechselten in die Virage Auteuil. Von dort an standen im „Auteuil Bleu“ (Oberrang) der Virage Auteuil die Gruppen Supras Auteuil, Karsud & Lutece Falco. Im „Auteuil Rouge“ (Unterrang) waren die Tigris Mystic beheimatet.

Diese Anzahl an Gruppen, Ultras und supportwilligen Fans sorgte schon damals für Platzprobleme in der „Virage Auteuil“. Die ehemaligen „Authentiks Paris“, welche sich im Jahr 2002 gründeten hatten ihren Platz auf der „Tribune G“, da schon im Jahr 2002 der Platz auf der Auteuil nicht ausreichend war.

Im Unterschied zu der jetzt entstehenden, zweiten Stimmungskurve in Paris war es zur Zeit der 00er-Jahre nicht allein der Platz, welcher Grund dafür war, dass die verschiedenen Gruppen in der Auteuil und Boulogne nicht gemeinsam in einer Kurve standen. Nicht selten kam es zu Auseinandersetzung zwischen den migrantisch geprägten Gruppen von der Auteuil und patriotisch/nationalistischen Hooligans und Ultras vom Kop of Boulogne.

Während Anfangs der Konflikt vor allem zwischen den Tigris Mystic und dem Kop of Boulogne stattfand, waren es letztendlich nach dem Rückzug der Tigris im Jahr 2006 auch die Gruppen Supras, Grinta und Authentiks, welche immer wieder in Auseinandersetzungen mit den Hooligans der Kop of Boulogne gerieten. Höhepunkt dieses Konflikts war letztendlich ein Angriff der Hooligans vom Kop Of Boulogne auf die Eingänge der Virage Auteuil und Tribune G. Bei diesem sangen die Mitglieder der KOB auch rassistische Gesänge gegen die klar multikulturell geprägte Virage Auteuil.

Die Auseinandersetzung endete damit, dass aufgrund der großen Gegenwehr der Gruppen der Auteuil und Tribune G die Angreifer verjagt wurden. Dabei wurde das Mitglied „Yann“ der Gruppe „Casual Firm Paris“ (KOB) schwer verletzt und erlag letztendlich seinen Verletzungen.

Die Gruppen Supras Auteuil, Grinta und Authentiks (VA) sowie die Gruppen „Commando Loubard & Milice Paris“(KOB) wurden daraufhin verboten. Die Boulogne Boys wurden bereits im Jahr 2008 verboten, nachdem sie gegen Lens ein Spruchband mit der Aufschrift „Pädophile, Arbeitslose und Inzest-Gezeugte – Willkommen bei den Nordfranzosen“ zeigten.

Nach dem Verbot 2009 zogen sich die Gruppen in Paris aus dem Stadion zurück, und spätestens seit der Übernahme von Paris-Saint-Germain durch Nasser Al-Khelaifi war PSG für die alten Gruppen der Virage Auteuil kein Thema mehr.

Erst im Jahr 2016 wurden nach einem Gespräch zwischen Nasser Al-Khelaifi (dem Präsidenten von PSG) und dem Polizeipräsidenten wieder neue Ultras im Prinzenpark erlaubt. Seitdem agieren die „Collectif Ultras Paris“ als Art Dachverband, in welchem federführend das K-Soce Team ist, für die neuen Gruppen in der Auteuil.

Stimmungskern der Gruppen rund um die „Collectif Ultras Paris“ war also seit 2016 lediglich die Auteuil, was sich nun wandelt. Ab der neuen Saison plant CUP die Boulogne ebenfalls wieder in einen zweiten Stimmungskern zu verwandeln.

Mehr zum Thema Paris gib es in Erlebnis Fussball #83. Auf über 70 Seiten erzählen drei ehemalige Präsidenten der Supras Auteuil über ihre Geschichte und die der Virage Auteuil. Erhältlich unter www.erlebnis-fussball.de

(Faszination Fankurve, 01.08.2025)

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