Auseinandersetzungen, Choreos, Pyro, neue Heimfahne der Grobari, geklaute Zaunfahnen & provokante Banner bei 177. Belgrader Derby zwischen FK Partizan und Roter Stern

24.09.2025

Faszination Fankurve 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Das Belgrader Stadtduell zwischen Partizan und Crvena Zvezda, auch „Ewiges Derby“ genannt, zieht immer wieder Blicke aus aller Welt auf sich. So auch die 177. Auflage dieses Duell, wo vor & während des Spiels so einiges los war. Außerdem endete der Boykott der Grobari und so war man erstmals seit 2023 im Stadion JNA bei einem Derby zugegen.

Im Vorfeld des 177. Ewigen Derbys kursierten mehrere Videos von Kämpfen zwischen Delije und Grobari. So kam es beim Auswärtsspiel von Partizan in Subotica – nach zuvor zwei Aufeinandertreffen in der Stadt – zu einem großen Knall, als die Delije-Sektionen der umliegenden Städte den Auswärtshaufen der Grobari auflauerten und ihn mit Stangen bewaffnet angriffen. Eine machtlose Polizei schaute zu, die beiden Szenen lieferten sich einen Kampf. Somit wurde auch abseits des Platzes eine Woche voller Spannungen erwartet, da es seit dem Boykott im Sommer 2023 das erste Heimderby Partizans mit ihren treuesten Anhängern in der Kurve war.

Sportlich sah es aus wie in den Jahren zuvor: Roter Stern blieb unbesiegt, lag mit einem Spiel weniger auf Platz 2, und Partizan stand mit der jüngsten Mannschaft der Vereinsgeschichte, aber einem Punkt mehr, auf Rang 1. In den vergangenen Monaten hatten die „Kinder Partizans“ das Publikum mit leidenschaftlichen Auftritten auf dem Platz wieder in die Humska 1 gezogen, und so wurden ein volles JNA-Stadion und ein brisanter Tag erwartet.

Am Spieltag selbst erlebte das Partizan-Stadion einen großen Ansturm – 7.000 Gäste füllten die Nordkurve, wobei die Delije standardgemäß mit Gesängen und Pyro in einem Corteo von ihrem Stadion loszogen. Im Heimbereich war ebenfalls so gut wie jedes Ticket verkauft: Eine volle Süd-, Ost- und Westtribüne voller schwarz-weißer Grobari empfing ihre Spieler euphorisch, bereit für die folgenden 90 Minuten.

Zum Start des Spiels präsentierten sich beide Szenen mit optischen Aktionen von ihrer besten Seite. Die Grobari blieben ihrem schlichten Stil treu: Die nahezu komplett in schwarz gekleidete Süd wurde mit mehreren schwarz-weißen Fähnchen versehen, am Zaun hing ein großes Transparent mit der Aufschrift: „Für unser Wappen und unsere Farben, ihr, vor denen sich alle fürchten, gib dein Herz für den Sieg.“. Um das Gesamtbild eines Derbys würdig zu machen, zündeten die Heimfans entlang des Zauns noch schwarz-weiße Rauchtöpfe und sangen sich gemeinsam mit Ost und West in Trance.

Die Gäste zeigten eine Blockfahne, auf der ein vermummter Mob abgebildet war. Rechts und links davon hielten sie weiß-rote Pappen hoch, am Zaun ihr Spruchband: „Wir sind die Stärksten, die Stärksten.“ Zuvor verabschiedete sich die Kurve von ihrem kürzlich verstorbenen ehemaligen Kapitän – an demselben Ort, an dem sie 16 Jahre zuvor auch seinem Vater, ebenfalls einer Roter-Stern-Legende, die letzte Ehre erwiesen hatte.

In der ersten Halbzeit ging es auf dem Platz heiß her, mit Chancen auf beiden Seiten. Kurz vor der Pause setzten sich jedoch die Gäste durch und gingen in Führung. Die Nord in Ekstase: Pyro und einige Rauchtöpfe untermalten die Jubelgesänge, ein Block sang sich bis in die Halbzeit in einen Rausch. Auf der Gegenseite standen die Grobari mittlerweile hinter ihrer neuen Heimfahne und zündeten ebenfalls mehrere Fackeln.

Für einen Aufreger sorgte die Aktion der Rot-Weißen, die während des Spiels vom Gebäude hinter der Südkurve ein großes Transparent in schwarz-weißer Farbe mit der Aufschrift „Mädchen das sind wir“ —  eine Anspielung auf die „Grobari das sind wir“-Fahne, auch im selben Stil.“ herunterließen, um ihre Feinde zu verhöhnen.
 

Kontrovers ging es weiter mit zahlreichen abgezogenen Materialien der Delije, die die Grobari präsentierten und dem Feuertod überließen. Unter den Shirts, Schals und Pullovern befanden sich auch drei Fahnen: eine große „Delije Srbobran“, eine kleinere „Kosjerić“ sowie eine „CZBG“ (Abkürzung für Roter Stern Belgrad). Erstere soll vor kurzem aus einer Kneipe entwendet worden sein, wie Videos belegen. Die Relevanz der anderen beiden ist derzeit schwer einzuschätzen. Die „CZBG“ stellt im nahezu identischen Stil einen Schwenker der Nord dar, jedoch in anderer Größe und Schriftart als am Zaun der Grobari. Bei der Aktion fing die Heimfahne der Grobari kurz Feuer, konnte jedoch rechtzeitig gerettet werden.

Während beide Seiten stimmungsvoll weitermachten und die eine oder andere Pyroshow beider Szenen die zweite Halbzeit begleitete, präsentierten die Gäste eine interessante zweite Choreografie: ein schwarzes Grobari-„G“ auf weißem Untergrund aus Tafeln, darunter der Schriftzug „stärkste Balkanski Navijači“ (Balkanski Navijači – „Balkan-Fans“ – ist eine Instagram-Seite über Ultras im Balkan).

Umgekehrt zeigten sie Banner verschiedener Ultra- und Hooligan-Internetseiten wie „hooligans cz“, „gruppa of“ und „Balkanski Navijači“. Mit dieser Aktion zogen die Gäste einen hämischen Vergleich zu ihrer Choreografie aus der ersten Halbzeit, in der ihr Haufen auf der Straße als der stärkste bezeichnet wurde, während sie nun die Grobari als die Stärksten im Internet darstellen wollten. Dies untermalten sie mit einem dazu umgedichteten Lied: „Dort, wo ihr seid, im Internet die Stärksten, auf der Straße seid ihr nirgends, ihr seid echte Balkanski. Verpfeifer, Bullen, kleine Fotzen, jede neue Garnitur ist schlimmer als die vorherige.“

Auf dem Platz zogen die Gäste mit einem zweiten Treffer weiter davon, woraufhin Partizan auf 2:1 verkürzte, den Ausgleich jedoch nicht mehr erzwingen konnte.

Die Gäste feierten mit vielen weiteren Fackeln und Gesängen ihre Mannschaft, den Derbysieg und den Sprung an die Tabellenspitze, während die Grobari ihre junge Mannschaft trotz der Niederlage bekräftigten und unterstützten.

(Faszination Fankurve, 24.09.2025)

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

weitere Beiträge