Überraschungsbesuch, Choreos, provokante Tapeten und reichlich Pyro bei Europapokalabend SC Freiburg vs. FC Basel

25.09.2025

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Foto: Faszination Fankurve

Die Städte Basel und Freiburg trennen gerade einmal 70 Kilometer. Über zwei Dutzend Mal trafen beide Vereine aufgrund von Testspielen aufeinander. Nun sollte es im Rahmen der Europa-League-Partien auch zu einem Pflichtspiel kommen und die Anhängerschaften sorgten für einen eindrucksvollen Europapokalabend. Außerdem stichelten die Basler am Spieltag sowie in den Vortagen auf unterschiedlichen Wegen gegen die lokale Fanszene. (Faszination Fankurve, 25.09.2025)

Der Sommer in Europa neigt sich dem Ende. In Deutschland gab es am Wochenende zuvor noch Temperaturen über der 30-Grad-Marke, ehe dunkle Wolken und düstere Regenfälle das Thermometer rasch zum Sinken brachten. So war der Spieltag geprägt von grauen Wolken und Regen, dabei trägt Freiburg doch den Ruf, eine der wärmsten Städte in unseren Gefilden zu sein. Dennoch war die Vorfreude bei den Anhängerschaften aus Freiburg und Basel hoch auf den Auftakt im Europapokal.

Das Interesse an den 34.700 verfügbaren Tickets war ebenso groß und bei Weitem nicht alle Interessierten ergatterten eine der heiß begehrten Eintrittskarten. Wie Faszination Fankurve berichtete, kam es beim Vorverkauf zu einem erheblichen technischen Fehler, der 256 Gästefans trotz Bezahlung letztendlich ohne gültige Karte dastehen ließ.

Bei internationalen Spielen gilt bekanntlich die 5 %-Regel für Gästefans und nicht, wie in Deutschland, die üblichen 10 Prozent. Mit fast 35.000 Anfragen hätte der FC Basel das Freiburger Mooswaldstadion schon alleine füllen können. Letztendlich erhielt der FC Basel etwa 2.300 Tickets (weil der Sitzplatzbereich im Gästeblock aus räumlichen Gründen nicht vom Steher zu trennen ist) und so lautete das Motto der Muttenzerkurve „Mit & ohni Ticket – alli uff Freiburg!“. Aber auch auf Heimseite war das Interesse riesig, man verkaufte alle Tickets binnen kürzester Zeit allein an Dauerkarteninhaber und Mitglieder.

Die Kreativabteilung der Muttenzerkurve war nicht untätig gewesen und schickte u. a. zwei bemalte Züge in den Stunden vor dem Spiel nach Freiburg.

Für den Spieltag mobilisierte die Muttenzerkurve für einen Treffpunkt am Münsterplatz, wo man sich ab 14:00 traf und es um 18:00 per Fußmarsch auf den über einstündigen Weg zum Mooswaldstadion ging. Bis Freiburg reisten die Fans auf unterschiedlichen Wegen an. Die Gruppen der Muttenzerkurve wählten den Zug als Anreisemittel und erreichten zur Mittagszeit die Stadt im Breisgau.
 

In Basel am Badischen Bahnhof musste man teilweise intensive Grenzkontrollen über sich ergehen lassen. Dies kommentierten die Ultras vom SC Freiburg später mit der Tapete „Gegen Totalüberwachung + Körperkontrollen – grenzenloser Bullenhass“ im Stadion.

Die Freiburger Szene mobilisierte für diese Europapokalsaison unter dem Motto „Geschlossen in Weiß durch Europa“ und verkaufte erneut vorab weiße Mottoshirts und -sweater. Trotz weiterhin herrschendem Dauerregen hielt sich der Großteil der über 9.000 Menschen fassenden Fantribüne im Süden des Mooswaldstadions an das Motto – ebenso einige Fans auf anderen Tribünenseiten. Schon weit vor Anpfiff motivierten die Fans die eigene Truppe mit lautstarken Gesängen, den ersten Bengalen sowie einem einheizenden Spruchband.

Noch vor Spielbeginn ereignete sich der erste Aufreger. Gab es bislang trotz aneinandergrenzender Einzugsgebiete wenig Berührungspunkte zwischen beiden Szenen, provozierten die Basler nun mit der Tapete mit der Aufschrift „Nett hier, aber waren sie schon mal auf choreohalle.de?“. Dieses Spruchband war angelehnt an ein Motto des Bundeslands Baden-Württemberg „Nett hier. Aber waren sie schon mal in Baden-Württemberg?“. Zudem erinnerte dies an die Aktion der Basler gegen YB Bern im Jahr 2023, wo man sich Zugang zu den Räumlichkeiten der Ostkurve verschaffte und deren geplante Choreo im Netz veröffentlichte bzw. Teile entwendete – Faszination Fankurve berichtete.

Handys wurden gezückt, viele Freiburger waren nervös. Doch diesmal führte der choreohalle.de-Link allerdings auf die Seite der Muttenzerkurve, wo man prompt Fotos vom Basler Intro in Freiburg sowie deren Herstellung erblickte. Das pikante Detail: laut den Fotos klebte die Muttenzerkurve ihre Aktion in einer Halle in Freiburg. Sogar andere Spruchbänder von Synthesia lagen noch daneben. Die Auflösung folgte etwa 20 Minuten später mit dem Spruchband Nr. 2 „Kai Angscht, als Mitnutzer sin mir au nid anere Website interessiert“.

Die Häme im Gästeblock war groß. Es folgten Choreos auf beiden Seiten: Im Gästeblock erblickte man die zwei Spruchbänder mit der Aufschrift FC Basel sowie 1893. Dazu flogen Unmengen an überdimensionierten blauen und roten Luftschlangen gen Spielfeld.

Die Heimseite zeigte eine Choreo unter dem Motto „Attacke“ – eine Anlehnung an einen alten Schlachtruf („Attacke, hier kommt der SCF“) aus den 1990er Jahren, der mit einem Pfeifen eingeleitet wird. Hinter dem hochgezogenen Spruchband erblickte man weiße Luftballons, Wurfrollen und rote Bengalen.

Einige Minuten waren weitergespielt, da zeigten die Gästefans das nächste provokante Spruchband: „Dangge für d Gaschtfründschaft – d Mieti liggt im blaue Tresor“. Eine Anspielung auf einen Tresor des Freiburger Fanprojekts, mit der man weitere Verwirrung stiften wollte.

Dem Aufruf der Muttenzerkurve, auch ohne Ticket nach Freiburg zu reisen, folgten wenige Hundert Basler, die sich in den angrenzenden Blöcken niederließen und meist mit in die Gesänge einstimmten. Hier zeigte die Muttenzerkurve einmal mehr ihre qualitative Leistung in Sachen Stimmung. Wie gewohnt agierten die Basler lebendig, lautstark und melodisch. Die ein oder andere Fackel durfte dabei auch nicht fehlen.

Die Gruppen teilten sich auf Ober- und Unterrang auf. So standen bspw. Kaos, 187 & Fanatics unten, während Gruppen wie Inferno, Ultra Boys oder Invasione sich oben einfanden. Bei Invasione erblickte man zudem eine kleine Fahne der Cattiva Brunsviga, die mit der ein oder anderen Basler Gruppe seit einigen Jahren Kontakte pflegen.

Dem gegenüber stand die gigantische Stehplatztribüne der Freiburger. Seit 2021 ist das Mooswaldstadion die neue Heimat des SCF. Trotz nicht optimaler Gegebenheiten entwickelt sich die Freiburger Szene hier Stück für Stück weiter. Vor allem ab dem zweiten Tor der Gastgeber erreichte die Heimkurve oftmals eine ordentliche Lautstärke und das auch nicht nur bei einfachen Schlachtrufen. Bengalen untermalten nahezu das ganze Spiel über die Gesänge der Freiburger.

Dass der SCF einen Spieltagsschal in den Farben Blau und Rot gestaltete, sorgte in der aktiven Anhängerschaft für großes Unverständnis. Mit dem Spruchband „Rot-Blauer Begegnungsschal? Mit eurer Dummheit übertrefft ihr euch jedes Mal.“ übte man während des Spiels weiter Kritik.

Gegen Spielende kam der FCB noch einmal ins Spiel zurück und schoss den 1:2-Anschlusstreffer. Die Gästefans legten nun eine Schippe drauf und setzten zur Höchstleistung an. Doch dieser Fanatismus wurde nicht belohnt – der FC Basel verlor das erste Spiel der Ligaphase. Die drei Punkte blieben somit im Breisgau. Nach Abpfiff bekamen die Basler Kicker dennoch Applaus und weitere Gesänge. Nachdem man allmählich den Sektor verließ, hinterließ man vorne am Zaun noch den „choreohalle.de“-Teil des vorher gezeigten Spruchbands.

Die Feierei auf Heimseite war natürlich größer und der ein oder andere Spieler wurde in die Kurve geholt. Mit den weißen Mottoshirts wurde außerdem die Mannschaft neu eingekleidet.

Bereits nächste Woche geht es für beide Clubs im Europapokal weiter. Während auf den FC Basel am 02. Oktober das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart wartet, geht es für den Sport-Club aus Freiburg am gleichen Tag nach Italien zum FC Bologna.

Ausführliche Berichte zur aktuellen Europapokal-Saison der Freiburger sowie der anderen deutschen Clubs findet ihr in eine der bald erscheinenden Ausgaben des ERLEBNIS FUSSBALL-Magazins.

(Faszination Fankurve, 25.09.2025)

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