Der italienische Staat verfügt über einige Inseln. Auf zweien – Sizilien und Sardinien – sind bekanntlich mehrere Vereine samt interessanten Anhängerschaften angesiedelt. Während eine Auswärtsfahrt nach Sizilien meist von sehr langen Fahrtzeiten sowie der kurzen Fährüberfahrt geprägt ist, gleicht eine Reise nach Sardinien noch mehr einem Abenteuer. Denn mindestens 200 km trennen die Insel vom Festland. Wir blicken in diesem Artikel auf die Auswärtsfahrt der Tifosi von Ascoli nach Sassari.
Der italienische Stiefel ist nicht sonderlich breit, von Norden nach Süden kann man allerdings zig Hundert Kilometer zurücklegen. Als Beispiel: Von Sterzing in Südtirol sind es beachtliche 1.400 km bis hinunter nach Reggio Calabria, in die gleichnamige Hafenstadt. Nimmt man dann noch die kurze Fährfahrt nach Sizilien – genauer gesagt nach Messina – auf sich, kann man die Auto- oder Zugfahrt um einiges weiter ausdehnen. Von Sterzing bis ins im tiefen Westen Siziliens gelegene Trapani sind es dann gleich beachtliche 1.800 Kilometer.
Der Auto- und Zugverkehr vom Festland nach Sizilien ist für italienische Verhältnisse stabil ausgeprägt. Mehrmals täglich pendeln die Fährschiffe zwischen Messina und Reggio Calabria und können sogar Züge mitnehmen, die zum Teil bereits im nördlicheren Italien starten. Inlandsflüge zwischen dem Festland und Sizilien gibt es zudem auch noch zuhauf.
Eine Fahrt nach Sardinien ist hingegen mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Hier kann Trenitalia nicht weiterhelfen – es verbleiben nur die Fähren sowie Flugverbindungen. Denn selbst an der engsten Stelle zwischen Sardinien und dem Festland sind es immer noch beachtliche 200 km. Da wirken die 20 km zwischen Messina und Reggio Calabria wie ein Katzensprung.
Mit Cagliari gibt es auf Sardinien einen Verein, der seit vielen Jahren im italienischen Oberhaus vertreten ist und somit auf höchster Ebene den sardinischen Fußball repräsentiert. Mit den 1987 gegründeten Sconvolts verfügt Cagliari über eine der mystischsten und berüchtigtsten Gruppen des italienischen Fußballs.
Mit Sassari Torres gibt es auf Sardinien einen weiteren Verein, der seit wenigen Jahren wieder überregional die Insel vertritt. In der Serie C-Staffel B ist man aktuell zuhause und trifft dort auf klangvolle Namen wie Livorno, Sambenedettese, Ternana, Perugia oder Ascoli. Für Letztgenannte stand Ende September dieses Jahres die lange Fahrt nach Sardinien an.
Etwa 500 km Luftlinie trennen Ascoli und Sassari. Nimmt man die Fahrt mit Auto und Fähre auf sich, sind es sogar eher 600 km, für die man rund 15 Stunden einplanen muss. Exakt 69 Tifosi aus Ascoli nahmen diesen Weg auf sich. 500 Karten standen vorab insgesamt zur Verfügung. Die Fancard war zudem für diese Fahrt notwendig.

Einst gab es mit den Settembre Bianconero 1974 eine berüchtigte und extrem rechte Gruppe in Ascoli, benannt nach einem terroristischen Akt, der 1972 in München am Rande der Olympischen Spiele auf israelische Sportler verübt wurde. Die SBN löste sich etwa 50 Jahre später offiziell auf, nachdem man schon einige Jahre nicht mehr richtig im Stadion auftrat. Die Ultras 1898 wurden 2012 als Zusammenschluss zahlreicher Ultrasgruppen gegründet und führen mittlerweile die Kurve an. Eine Fahne dieses Zusammenschlusses hing auch beim Spiel in Sassari zentral vor den Gästefans.
2.777 Zuschauer waren insgesamt im Stadio Vanni Sanna zugegen. Viele Hundert davon fanden sich in der Curva Nord ein. Seit einigen Jahrzehnten gibt es in Sassari eine Tifoseria. Die 1989 gegründete Nuova Guardia gilt als Führungsgruppe der Szene. Die aktuelle Fahne der NG ist eine Augenweide und charakteristisch für das aktuelle Zaunfahnenbild der Szene: viele kleine Fahnen, meist freestyle vorgezogen. Ebenso bekannt ist die „Made in Sassari“-Fahne, deren Abbildung man auch an Wänden der etwa 120.000 Einwohner zählenden Stadt finden kann.

Freundschaften pflegt die Kurve nach Tempio – ebenfalls auf Sardinien gelegen – sowie nach Bastia auf der französischen Schwesterninsel Korsika. Zu Pro Patria und Gubbio bestehen zudem freundschaftliche Kontakte, während man in Cagliari und Olbia die größten Rivalen sieht.
Auf beiden Seiten fanden sich heute zwei kompakt stehende Stimmungsblöcke ein. Viel wurde gegeneinander gepöbelt. Für Sassari läuft die Saison bislang sportlich nicht gut: Man findet sich aktuell auf dem vorletzten Tabellenplatz wieder und verlor auch gegen Ascoli mit 0:1. Diese wiederum stehen nach sieben Spieltagen mit nur einem Punkt Rückstand auf den Ersten aus Arezzo auf Platz zwei. So hatten die schwarz-weißen Fans auf ihrer langen Heimreise zumindest Grund zur Freude.
Weitere Spielberichte aus Italien findet ihr in den Ausgaben von ERLEBNIS FUSSBALL.
(Faszination Fankurve, 02.10.2025)
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