„Blau statt Grau“: Fanszene Paderborn veröffentlicht Statement zu monatelangem Verzicht auf Choreografien

18.10.2025

Faszination Fankurve 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Auf der Südtribüne in Paderborn gab es nun seit über einem Jahr keine großflächige Choreografie mehr zu sehen. Stattdessen war vermehrt der Slogan „Blau statt Grau“ zu lesen. In einem Statement hat die Fanszene Paderborn jetzt erläutert, wie es dazu kommt.

In der vergangenen Saison kam es in Paderborn vermehrt zu eher kleineren optischen Aktionen, wohingegen größere Choreografien über die gesamte Südtribüne ausblieben. So stellte die Choreografie zum 15-jährigen Jubiläum der Gruppe „Passione Paderborn“ am 11.08.2024 beim Heimspiel gegen Darmstadt die letzte große Choreografie im Stadion des SC Paderborn dar.

Jetzt hat die Fanszene Paderborn ein gemeinsames Statement veröffentlicht, in dem sie erläutert, wie es zu diesem Umstand kommt.

Schuld daran, dass es seit August 2024 keine großflächige Choreografie mehr gegeben habe, sei eine Veränderung der Auflagen für Choreo-Anmeldungen. So habe es bis zur letzten Choreografie gereicht, wenn eine Choreografie von einer Fangruppe angemeldet wurde. Nachdem zuletzt bei der Choreografie zu 15 Jahren „Passione“ jedoch Rauchtöpfe zum Einsatz gekommen waren, veränderte sich dies, und nun muss bei Choreografien in Paderborn eine einzelne Person offiziell als Anmelder agieren. Dies hat den Effekt, dass nicht nur persönliche Daten an Sicherheitsbehörden weitergeleitet werden, sondern auch, dass diese Person haftbar ist für alles, was während der angemeldeten Choreografie auf der Tribüne passiert – unabhängig davon, ob das Geschehene Teil der Choreografie ist. „Weder strafrechtlich noch zivilrechtlich wäre das haltbar. Trotzdem schafft die jetzige Regelung einen enormen Druck und ein Risiko, das wir niemandem aufbürden können und wollen“, heißt es dazu vonseiten der Fanszene.

Zudem macht die Fanszene deutlich, dass, solange die Regelung in ihrer jetzigen Form Anwendung findet, es nur eingeschränkte Aktionen geben kann. Sollten sich diese Auflagen nicht ändern, werde der Fokus also vermehrt auf Auswärtsauftritte gelegt, heißt es im Statement der aktiven Fanszene.

Wie eingeschränkte Aktionen aussehen können, zeigte die Paderborner Fanszene bereits in der vergangenen Saison 2024/2025 – so zum Beispiel beim Pokalspiel gegen Bremen, wo unter dem Motto „DPOL-PB: Ihr dreht euch mit eurem Choreoverbot im Kreis … unsere Jungs heizen wir trotzdem ein.“ im Bereich des Stimmungsblocks blaue und schwarze Tafeln hochgehalten wurden.

Auch beim Spiel gegen den 1.FC Nürnberg beließ es die Südtribüne bei einer kleinen Aktion in welcher die neuen Choreoauflagen thematisiert wurden. So wurde unter dem Motto „Wir zerreissen eure absurden Choreo-Auflagen in der Luft“ eine hohe Anzahl an Konfetti in die Luft geschossen.

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Fanszene Paderborn:

[grau]WARUM WERDEN SEIT EINEM JAHR KEINE CHOREOS ZUHAUSE ORGANISIERT?

Liebe Paderborn-Fans,

in den vergangenen Jahrzehnten konnten wir gemeinsam zeigen, wie bunt und kreativ unsere Fanszene ist. Mit zahlreichen Choreografien haben wir dem tristen Grau der Arena immer wieder Farbe eingehaucht und auch damit gerade viele junge Leute ins Stadion gelockt. Dieser hohe Output hat uns ausgezeichnet und war ein sichtbares Zeichen dafür, wie viel Herzblut in der Südtribüne steckt.

Umso schwerer fällt uns die aktuelle Situation, über die wir euch heute offen informieren möchten. Viele von euch haben in den vergangenen Monaten nachgefragt, warum es derzeit keine Choreografien mehr gibt.

Wir waren in keinster Weise untätig und haben unter anderem im letzten Jahr an unzähligen Tagen die größte Blockfahne gemalt, die Paderborn je gesehen hätte. Sie verstaubt mittlerweile in verschiedenen Kellern und wurde vom letzten Hochwasser arg in Mitleidenschaft gezogen.

Der Grund liegt in den neuen Vorgaben für Choreografien. Anders als früher, als Aktionen im Namen einer Fangruppierung angemeldet wurden und die entsprechenden Kontaktpersonen dem Verein seit Jahren bestens bekannt sind, muss seit Ende letzten Jahres eine einzelne Person offiziell als Anmelder auftreten. Ihre persönlichen Daten werden dabei erfasst und dürfen im Falle von Vorfällen an die Sicherheitsbehörden weitergegeben werden.

Damit verbunden ist faktisch, dass eine einzelne Person für eine ganze Tribüne mit über 4.500 Menschen verantwortlich gemacht wird. Niemand von uns kann jedoch für das Verhalten so vieler Fans haften oder garantieren, dass keinerlei Zwischenfälle entstehen. Weder strafrechtlich noch zivilrechtlich wäre das haltbar. Trotzdem schafft die jetzige Regelung einen enormen Druck und ein Risiko, das wir niemandem aufbürden können und wollen.

Wir möchten betonen: Es geht uns nicht darum, jegliche Verantwortung von uns zu weisen. Im Gegenteil, wir haben in den letzten Jahren oft gezeigt, dass wir in der Lage sind, stimmungsvolle und sichere Aktionen auf die Beine zu stellen. Aber die aktuelle Praxis, eine Einzelperson mit ihrem Namen und ihren Daten für eine gesamte Choreografie haften lassen zu wollen, macht es schlicht unmöglich, Aktionen in gewohnter Form durchzuführen.

Solange diese Bedingungen nicht verändert werden, können wir zuhause nur eingeschränkte Aktionen im Rahmen unserer Möglichkeiten durchführen. Komplette Choreos über die ganze Süd funktionieren leider so nicht, aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen. Unsere Kräfte konzentrieren wir auf Auswärtsauftritte, wo wir weiterhin frei unsere Leidenschaft, Kreativität und Energie einbringen können. Auch die eingehenden Spenden werden dort wie gewohnt sinnvoll investiert.

Wir hoffen auf euer Verständnis für diese Entscheidung.

Mit blau-schwarzen Grüßen 

FANSZENE PADERBORN

(Faszination Fankurve, 18.10.2025)

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