Dass die aktive Fanszene des FC Bayern sich seit Jahren gegen Rassismus einsetzt, ist bekannt. Nachdem eine Person im Umlauf der Südkurve das T-Shirt einer neonazistischen deutschen Rockband getragen hatte, schritt ein Fan des FC Bayern ein – und erhielt dafür ein Stadionverbot. In einem Statement kritisiert die Gruppe „Munich‘s Red Pride“ dieses Vorgehen des Vereins.
In ihrem Statement schildert die Gruppe, dass sich beim Spiel des FC Bayern gegen Borussia Dortmund im April 2024 im Umlauf der Südkurve „ohne dass sich Ordnungsdienst oder Polizei daran störten“ eine Person mit einem T-Shirt der Neonaziband „Deutsch, Stolz, Treue“ aufhielt.
Da es weder zu einem Einschreiten der Polizei noch des Ordnungsdienstes kam, waren es letztlich Fans des FC Bayern selbst, die die Person aus der Südkurve verwiesen und dem Ordnungsdienst übergaben.
Sanktioniert wird laut des Statements nun aber nicht die Person, die das T-Shirt der Neonaziband trug, sondern der Fan, der einschritt und die Person dem Ordnungsdienst übergab. So wurde dieser aufgrund eines eingeleiteten polizeilichen Ermittlungsverfahrens mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt.
Aufgrund dieses Stadionverbots kritisiert die Gruppe den FC Bayern München, der immer wieder mit dem Slogan „Rot gegen Rassismus“ arbeitet. So stellt sich laut MRP die Frage: „Wie konsequent ist der Kampf gegen Rassismus, wenn ein Fan für sein antirassistisches Handeln in der clubeigenen Arena mit einem Stadionverbot belohnt wird?“
In dem Statement wird dementsprechend die Rücknahme des Stadionverbots gefordert. Andernfalls würde der Slogan „Rot gegen Rassismus“ gänzlich zu einer „opportunistischen Schaufensteraktion“ verkommen.
Faszination Fankurve dokumentiert das Statement von Munich‘s Red Pride:
[grau]„Rot gegen Rassismus“ oder „Deutsch, Stolz, Treue“?
„Rassismus und Diskriminierung haben in unserer Gesellschaft und im Fußball keinen Platz“. Mit diesen Worten positionierte sich der FC Bayern München im Januar 2020 auf seiner Homepage im Rahmen des jährlichen Erinnerungsspieltags der Initiative „!Nie wieder“. Begleitet wurde der Erinnerungstag wie jedes Jahr von einer Choreografie der Südkurve.
Im Umlauf eben jener Südkurve ereignete sich nun ein Vorfall, der die Frage aufwirft, wie ernst es den Verantwortlichen des FC Bayern mit ihrer Positionierung gegen Rassismus ist. Vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund im April 2025 hielt sich dort eine Person auf, die ihre rassistische Gesinnung durch Fankleidung der Band „Deutsch, Stolz, Treue“ freimütig zur Schau stellte. Ohne dass sich Ordnungsdienst oder Polizei daran störten, konnte die Person Merchandise einer Band tragen, die den Holocaust leugnet und den Nationalsozialismus verherrlicht.
Die aktive Fanszene des FC Bayern steht bekanntermaßen seit vielen Jahren mit gesundem Menschenverstand gegen Rassismus ein. Demzufolge wurde die Person aus dem Umlauf der Südkurve verwiesen und dem Ordnungsdienst übergeben. Eine Handlung im Sinne des FC Bayern, sollte man meinen. Schließlich hatte sich der damalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nach dem brutalen Mord an George Floyd durch einen weißen Polizisten mit den Worten zitieren lassen: „Rassismus ist völlig inakzeptabel. Dem müssen wir offensiv entgegentreten.“
Offensiv entgegengetreten ist der FC Bayern nun nicht dem rassistischen „Deutsch, Stolz, Treue“-Fan, sondern einem FC Bayern-Fan, dem für sein couragiertes Verhalten ein bundesweites Stadionverbot auf Grundlage eines eingeleiteten polizeilichen Ermittlungsverfahrens ausgestellt wurde. Gemeinsam mit der Polizei stellt sich der FC Bayern hier auf die Seite eines Rassisten und gegen Zivilcourage.
Dabei trägt der FC Bayern den Slogan „Rot gegen Rassismus“ als integralen Bestandteil seiner Öffentlichkeitsarbeit seit mehr als fünf Jahren vor sich her. Doch wie konsequent ist der Kampf gegen Rassismus, wenn ein Fan für sein antirassistisches Handeln in der Club-eigenen Arena mit einen Stadionverbot belohnt wird? Ein aufrichtiger Einsatz gegen Rassismus ist kein PR-Instrument, sondern spiegelt sich im tagtäglichen Handeln wider.
Soll „Rot gegen Rassismus“ nicht gänzlich zur opportunistischen Schaufensteraktion verkommen, nehmen die Vereinsverantwortlichen das Stadionverbot – wenn auch reichlich verspätet – umgehend zurück!
Munich’s Red Pride
(Faszination Fankurve, 22.10.2025)
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