„Nowa Huta HKS!“ – Impressionen vom brisanten Krakauer Derby zwischen Hutnik & Wisla

01.11.2025

Faszination Fankurve 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

„Nowa Huta Nowa Huta HKS“ ist ein bekannter Schlachtruf der Anhängerschaft von Hutnik Krakau, der ausdrücken soll, dass im riesigen Krakauer Stadtteil Nowa Huta ganz allein Hutnik regiert. Denn dort ist der Verein mit seinem Stadion Suche Stawy beheimatet. Obwohl man über eine wesentlich kleinere Fanszene als die beiden Big Player der Stadt, Wisla und Cracovia, verfügt und dazu auch deutlich schlechteren Fußball bietet, kann man deren Sektionen in Nowa Huta die Stirn bieten und ist für viele Einwohner Nowa Hutas der einzig wahre Verein. Nun kam es im Rahmen des Puchar Polskis zu einem seltenen Duell zwischen Hutnik und Wisla, das trotz geschlossenem Gästeblock allerhand Brisanz bot.

Der Puchar Polski sorgte Ende Oktober für eine Spielpaarung, die es nur sehr selten in einem Pflichtspiel gab. Über 20 Jahre ist das letzte Aufeinandertreffen zwischen Hutnik und Wisla Krakau her. Doch schnell war klar, dass der Gästeblock an diesem Tag geschlossen bleiben wird.

Wie Faszination Fankurve berichtete, boykottieren die meisten Fanszenen in Polen seit einem tragischen Todesfall im Jahr 2023, an dem Anhänger von Wisla beteiligt waren, die Spiele bei Wisla und gewähren den Fans des Weißen Sterns in den Gästeblöcken ihrer Stadien keine Tickets. Vielerorts kommt ein mögliches Gästeverbot seitens des gastgebenden Vereins oder der Polizei aufgrund befürchteter Ausschreitungen hinzu. Auch zum Pokalspiel bei Hutnik änderte sich daran nichts. Dennoch standen brisante Tage an.

Nowa Huta ist ein riesiger Arbeiterstadtteil im Osten Krakaus mit fast 200.000 Einwohnern. Hutnik Krakau ist hier beheimatet und regiert in vielen Straßen und Siedlungen. Doch auch Wisla und Cracovia haben hier große Sektionen, mit denen es regelmäßig zu Aufeinandertreffen kommt. Vor allem mit Wisla ist schon viel passiert. Und auch in den Wochen vor dem Spiel wurde es nicht ruhiger. Im Gegenteil: Viele Häuserfassaden wechselten mehrfach die Farben.

Hutnik Krakau ist seit ziemlich genau acht Jahren mit GKS Belchatow befreundet. Diese zeigten bei ihrem Auswärtsspiel am Wochenende zuvor ein motivierendes Spruchband in Richtung Hutnik. Man spielte ausgerechnet bei der Zweitvertretung von Widzew Lodz, die bekanntlich mit Wisla befreundet ist. Zum Derby zwischen Hutnik und Wisla waren dann 20 Kibice aus Belchatow zur Unterstützung nach Krakau gereist.

Nur 999 Zuschauer waren an jenem 29. Oktober zugelassen, als Hutnik und Wisla aufeinandertrafen. Die heiß begehrten Tickets dafür waren sofort vergriffen – trotz der Anstoßzeit um 13:00 an einem Mittwoch.

Seitens der Kibice von Hutnik rief man vorab dazu auf, in Schwarz und nicht wie gewöhnlich in den Vereinsfarben Blau und Weiß zum Spiel zu erscheinen. Aufgrund der Terminierung traf sich die Szene erst um 12:00 am Stadion. Zuvor liefen einige Gruppen aus den Siedlungen der eigenen Gebiete in Richtung Stadion Suche Stawy.

Aber auch in den von Wisla kontrollierten Siedlungen kam am Vormittag Bewegung auf. Trotz geschlossenem Gästeblock machte sich eine dreistellige Anzahl an Kibice auf den Weg zum Stadion des Feindes. Die Polizei war zwar in massiver Anzahl vor Ort, ließ den Tross jedoch bis vor die Austragungsstätte gewähren.

Dort angekommen, rannten einige Heimanhänger in Richtung der Zäune. Die vielen Polizisten und Securities sorgten aber dafür, dass es zu keinem direkten Kräftemessen kommen sollte. Stattdessen kam es zu Scharmützeln mit den Sicherheitsorganen.

Im proppenvollen Heimblock auf der Geraden gab es gleich mehrere optische Aktionen zu bestaunen. Los ging es mit einem Folientransparent, das vor dem Block hochgezogen wurde, sowie einem Spruchband und weißem Rauch.

Später folgte ein „Smierc Wislackiej Kurwie“-Spruchband, zu dem im Block gedruckte Zettel mit der Abkürzung ebenjener Botschaft (SWK) hochgehalten wurden. Viele Kibice trugen auch T-Shirts oder Schlauchschals mit dieser Botschaft. Dazu präsentierte man allerhand erbeutete Fanutensilien und verbrannte diese anschließend.

Neben den 20 Kibice von GKS Belchatow war heute auch 15x Stilon Gorzow, 6x Stomil Olsztyn und 5x WIsla Plock angereist, um die Freunde von Hutnik zu unterstützen. Der 1. FC Magdeburg spielte am gleichen Tag in Illertissen und konnte somit nicht nach Krakau fahren.

Auf dem Rasen holte der Zweitligist Wisla beim Drittligisten Hutnik einen 1:0-Auswärtserfolg und steht somit in der nächsten Runde des Puchar Polskis.

Erst am Wochenende zuvor stand für Hutnik bereits ein Highlight an, feierte man doch das 20-jährige Bestehen der Freundschaft zu Magdeburg mit allerhand Aktionen – Faszination Fankurve berichtete.

(Faszination Fankurve, 01.11.2025)

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