Choreos, Pyro, Freundschaftshuldigung & Gästefans vor der Heimkurve: Impressionen von Slavia Praha gegen Banik Ostrava

04.11.2025

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Foto: Faszination Fankurve

Die Anhängerschaften von Slavia Praha und Banik Ostrava stehen ohne Zweifel an der Spitze der tschechischen Fanwelt. Beinahe jedes Aufeinandertreffen der Rivalen gleicht einem Fest auf den Rängen. So auch am vergangenen Samstag, als Banik bei Slavia gastierte. Choreos, Pyrotechnik, eine Aktion anlässlich der 29 Jahre alten Freundschaft von Banik und GKS Katowice sowie ein Überraschungsbesuch vor der Heimkurve prägten die Geschehnisse der Fankurven an diesem Spieltag, auf die wir in diesem Artikel näher eingehen wollen.

Der Hype um den amtierenden tschechischen Meister Slavia Prag nimmt kein Ende. Vor allem bei großen Spielen wie gegen Banik oder Sparta sind die knapp unter 20.000 Tickets, die zu Heimspielen angeboten werden dürfen, heiß begehrt. Am vergangenen Samstag trafen Slavia und Banik im Prager Stadion Eden erneut aufeinander. Seitens der Anhängerschaften wurde an diesem Tag wieder topmotiviert agiert, gab es doch allerhand Fan-Aktionen.

18.864 Zuschauer waren insgesamt gekommen. Der Gästeblock blieb heute aber spärlicher besetzt als bei den vorherigen Auftritten. Statt der wie gewohnt vierstelligen Anzahl an angereisten Chachari (Spitzname der Fans von Banik Ostrava) waren diesmal nur 580 Fans im Gästeblock zugegen.

Die Anreise der Fans aus Ostrava erfolgte diesmal unüblicherweise mit Bussen. Die Hooligans fuhren allerdings separat in die tschechische Hauptstadt, positionierten sich am Stadtrand und boten der Heimseite ein Kräftemessen an, die jedoch das spontane Angebot ablehnte. Für den dreistelligen Hool-Mob ging es dann mit Umweg über die Heimkurve in Richtung Gästeblock. Bis auf ein wenig Gepöbel passierte dabei allerdings nichts.

Bei Slavia sah man zu Beginn eine Blockfahne mit dem Porträt von Jaroslav Hausmann, versehen mit dem Datum der Vereinsgründung und dem Spruch „Jaroslav Hausmann – Gründer der Slavia Vereinigung“. Hausmann war im November 1892 an der Gründung des Akademischen Radsportvereins Slavia (ACOS) beteiligt und wurde dessen erster Protokollführer. Er war auch Mitglied der Literarischen und Rednerischen Gesellschaft Slavia, sein Hauptinteresse galt jedoch dem Radsport. Er trainierte in Ohrade und in Žižkov und avancierte bald zu einem der erfolgreichsten Fahrer des Vereins. Später kamen weitere Sportarten, darunter Fußball, hinzu. Nach dem Niedergang des literarischen Zweigs von Slavia wurde auf Hausmanns Initiative hin der SK Slavia Praha, ein reiner Sportverein, gegründet.

Danach folgte ein lautstarker Beginn der Tribuna Sever, insbesondere nach der motivierenden Ansprache der Anstimmer, an deren Podest übrigens eine geklaute Fanshop-Fahne der Gäste hing. Teilweise stiegen auch andere Teile der Tribüne in die Lieder ein. Generell zeichnete sich die Heimkurve an diesem Tag erneut durch eine hohe Mitmachquote aus.

Banik zeigte zu Beginn wie so oft „nur“ eine Schalparade zur Vereinshymne. Eine Choreo folgte dann in der 7. Minute mittels Blockfahne mit Schlesienwappen. Dazu sah man links und rechts gelbe Fähnchen, an den Rändern Abhänger aus Folie sowie das Fronttransparent „Silesian Blood“ und oben hinter einer Folie ein halbes Dutzend Wroclawer und schwarzen Rauch.

Nach der Aktion war dann die Beflaggung komplettiert und der Gästemob nun ebenfalls vollständig. Ein optischer Blickfang war klar die 18 Jahre alte Banik–Gieksa-Freundschaftsfahne im Mundloch und die Fahne der Hools plus „Persona Non Grata“ der Gieksa-Hools unten am Zaun.

Der Support der Gäste war angesichts des kleinen Mobs mehr als in Ordnung. Vor allem die Freundschaftsgesänge – viele für Gieksa, aber auch für ROW Rybnik und Spartak Trnava – kamen in beachtlicher Lautstärke auf der anderen Stadionseite an.

Mit dabei waren bei Banik heute auch 20 Fans von Sparta Trnava (Slowakei) sowie 20 von ROW Rybnik und 50 von GKS Katowice. Mit Letztgenannten feierte man in diesen Tagen das 29-jährige Bestehen der Freundschaft, was im weiteren Spielverlauf auch mittels optischer Aktion zelebriert wurde.

So sah man Doppelhalter (1996 und FCB–GKS) sowie Fähnchen in den jeweiligen Vereinsfarben. Dazu zündeten die Gästefans unzählige Blinker. Inmitten dieser Aktion fiel allerdings das 1:0 für Slavia und kurz darauf sogar das 2:0.

Kurze Zeit später sah man in der Heimkurve eine Überziehfahne, die zugleich ein Vorbote der anstehenden Pyroshow war. Diese erfolgte erst nach Spielende in Form von Blinkern im Block, Fackeln in der ersten Reihe und einem Dutzend Shooter/Batterien.

Auf dem Rasen siegte erneut Slavia, Endstand heute 2:0. Bemerkenswert ist, dass Banik seit fünf Duellen nicht einmal ein Tor gegen Slavia erzielt hat und seit 2018 kein Spiel mehr gegen die Hauptstädter gewinnen konnte.

Sicherlich gehört diese Partie zu den attraktivsten Spielen des Landes. Aber der große Hype, als es noch ein halbes Dutzend Aktionen und mehrere große Pyroshows gab, scheint vorerst vorbei zu sein. Dies klingt vielleicht schlechter, als es gemeint ist: Slavia spielt jede Saison im Europacup (dieses Jahr u. a. gegen Inter, Atalanta, Tottenham, Arsenal und Barcelona) und zeigt über die Saison verteilt mehr als 30 optische Aktionen. Außerdem haben beide Kurven in den letzten Duellen die Messlatte enorm hochgelegt, sodass der neutrale Beobachter mitunter viel zu hohe Erwartungen hat. Dennoch hat sich dieses Spiel zu einer Partie entwickelt, die regelmäßig Blicke aus halb Europa auf sich zieht.

(Faszination Fankurve, 04.11.2025)

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