Die Alemannia aus Aachen ist zurück in der ersten Liga. Und mit ihr der legendäre Tivoli und eine verhältnismäßig kleine, aber umso frenetischere Fanbasis. Alex Küsters von den „Aachen Ultras“ spricht über die furiose letzte Saison und die Erwartungen an die Bundesliga.
Stadionwelt: Was erhofft ihr euch von der kommenden Saison?
Küsters: Da ist in erster Linie die Vorfreude auf die neue Liga und neue Gegner. Man hat das schon bei den Freundschaftsspielen gemerkt, wo man nicht mehr übers Dorf tingeln musste, sondern schon attraktive Gegner hatte. Das bringt natürlich neue Motivation, was man daran sieht, dass es in der aktiven Szene mehr Nachwuchs gibt. Wir erhoffen uns, dass dann vielleicht auch in Sachen Choreos wieder mehr geht. Das war ja in der letzten Saison etwas lahm, was aber auch vom Verein kam.
Stadionwelt: Welche konkreten Änderungen kommen auf die Aachener Fans zu?
Küsters: Da ist zu allererst natürlich die Sache mit der Pressetribüne, die jetzt mitten durch den Fanblock läuft. Der S-Block wird deshalb jetzt geteilt. Das ging wegen der DFL-Auflagen nicht anders, da dort vorgeschrieben ist, dass die Journalisten einen eigenen Eingang haben.
Stadionwelt: Steht euch nun ein Umzug bevor?
Küsters: Nein, für die aktiven Leute ändert sich nichts, wir behalten unseren Standort. Insgesamt entsteht so ein etwas größerer Block für die Leute, die nicht so viel mit der Ultraszene zu tun haben.
Stadionwelt: Was erwartet ihr von den Heimspielen? Befürchtet ihr einen Hype um die Alemannia und das Auftreten von Erfolgsfans?
Küsters: Da wird sich wahrscheinlich nicht allzu viel ändern. Erfolgsfans wird es zumindest im Stadion nicht viele geben. Die 15.000 Dauerkarten aus dem Vorjahr sind fest vergeben.
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Immer wieder ist von Neubauplänen die Rede. Wie seht ihr die Zukunft eures Stadions?
Küsters: Was das Mitspracherecht in dieser Sache angeht, haben wir schon viel erreicht. Die Verhandlungen über den Neubau laufen, mittlerweile ist eine Agentur eingeschaltet worden, die bautechnische Dinge klären soll. Aber bis da etwas spruchreif ist, kann es noch lange dauern. Fakt ist, dass der Tivoli von der Tradition her eines der schönsten Stadien in ganz Deutschland ist, das wir in der Form gerne noch länger behalten würden.
Stadionwelt: Welche vereinsinternen Themen bewegen die Szene im Moment?
Küsters: Ganz aktuell sind die Pläne um die Ausgliederung der Fußballabteilung aus dem Gesamtverein. Die „Ultras Aachen“ sind generell dagegen. Es laufen allerdings noch die Planungen, wie wir da auf der vorgezogenen Jahreshauptversammlung vorgehen, die vom Vorstand anberaumt wurde. Wir arbeiten in dieser Sache mit der Interessengemeinschaft der Fanclubs zusammen. Das Problem ist, dass die IG sich schwer tut, klar Stellung zu beziehen. Wir suchen derzeit nach Punkten, an denen wir die Sache angreifen können. Diese ganze Sache kam sehr kurzfristig, schon nach dem Auswärtsspiel in Leverkusen am zweiten Spieltag soll die Entscheidung fallen.
Stadionwelt: Seid ihr zufrieden mit den Möglichkeiten der Mitbestimmung für die aktiven Fans?
Küsters: Manchmal würden wir uns da schon mehr wünschen. Die Ultras stehen in gutem Kontakt mit dem Fanbeauftragten. Auch mit dem Verein direkt sind Gespräche möglich, die aber bislang noch nicht so viel gebracht haben. Vieles verläuft sich eben. Am engsten arbeiten wir aber mit der IG zusammen.
Stadionwelt: Was ist von den Aachener Fans auswärts zu erwarten?
Küsters: Wir haben direkt mit unserer ersten Auswärtsfahrt eine richtige Motivation, wenn es nach Leverkusen geht. Aber eigentlich ist jedes Spiel ein Knaller. Nur unser DFB-Pokal-Los Chemnitz ist nicht so prickelnd. Dafür geht es für unsere zweite Mannschaft gegen Stuttgart, das ist umso attraktiver. Im letzten Jahr gab es zum ersten Mal eine Auswärtsdauerkarte, von der insgesamt 18 verkauft wurden. Obwohl die jetzt nicht mehr ermäßigt ist, rechnen wir in dieser Saison mit 400–500. Der Verein wird in dieser Hinsicht etwas machen und vermehrt Sonderzüge einsetzen. Man kann mit den Aachener Fans auf jeden Fall rechnen. (Stadionwelt, 01.08.2006)

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