Support unterm Damoklesschwert

Faszination Fankurve 01.08.2006 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Ein Spruchband sorgte für Unruhe. Weil in den Blöcken der Energie-Fans in den letzten Monaten indiskutable Aktionen zu sehen waren, schlugen die Wellen hoch. Christian „Gonzo“ Kontzog von „Ultima Raka“ erklärt, wie die Fanszene mit den Vorkommnissen umgeht.

Stadionwelt: Eure Fanszene ist im vergangenen Jahr vielen durch das „Juden“-Banner mit dem eingearbeiteten Dynamo-Logo beim Spiel in Dresden in unrühmlicher Erinnerung geblieben.
Kontzog: Das war unterste Schublade. Das war das Letzte. Ich verstehe nicht, warum die das gezeigt haben, und auch nicht, was das mit der „Ihr-seid-Ade!-Wir-sind-weiß“-Geschichte beim Spiel unserer Amateure bei Sachsen Leipzig sollte.

Stadionwelt: Leider muss man das fragen: Hat die Energie-Fanszene ein Problem mit rechts-
radikalen Fans?
Kontzog: Die Fanszene hat kein Problem damit, weil wir sie nicht wirklich zur Fanszene rechnen wollen. Wir entsprechen hier ja auch nicht dem Klischee des Wilden Ostens der Nachwendezeit, in dem ganze Städte voll mit Glatzen sind. Bei uns in den Blöcken sind Rechtsanwälte und alle möglichen Leute dabei.

Stadionwelt: Was waren die internen Folgen? Wie gestaltet sich das Verhältnis zu den entsprechenden Leuten heute?
Kontzog: Das ist generell angespannt, weil die Politik immer unterschwellig mitspielt, obwohl die große Mehrheit das nicht will. Dabei sind das nicht mal irgendwelche High-End-Nazis, denen geht es einfach um die Provokation.

Bild: Stadionwelt

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Stadionwelt: In der ersten Bundesligaepoche hat der Verein von der giftigen Stimmung im Stadion gelebt. Insbesondere die Haupttribüne galt als „ungemütlich“, sie war dadurch aber auch für den einen oder anderen Punkt gut. Sind die Cottbuser Fans nach dem zweiten Aufstieg immer noch so drauf?
Kontzog: Das wird nicht so sein, wie in der Hochzeit, obwohl wir das immer nur von anderen gehört haben, während es uns nicht so vorkam.
Das Auspfeifen der Gäste und Klatschsupport auf der Haupttribüne sind in den letzten Spielen aber wieder aufgekommen, wahrscheinlich deshalb, weil viele Ältere den FCE wiederentdeckt haben.

Stadionwelt: Ist es in diesem Zusammenhang nicht schade, dass es nun doch nicht die zunächst geplante mobile Nordtribüne im Innenraum vor der alten Kurve geben wird?
Kontzog: Die Meinungen dazu waren geteilt. Vor allem, weil es Bedenken gab, ob man nicht noch mal Geld hätte reinstecken müssen, um im Falle eines Abstiegs die Kurven darunter zu renovieren. Das ist aber nicht der Punkt, über den wir uns Gedanken machen.

Stadionwelt: Sondern?
Kontzog: Es steht die Aussage im Raum, dass der Unterrang der Gegengeraden, also der Bereich, in dem der eigentliche Stimmungskern ist, versitzplatzt wird, wenn die anderen Sitzplätze bei drei Vierteln der Heimspiele ausverkauft sein sollten. Das hängt über uns wie ein Damoklesschwert. Und dass wir nicht „Ja und Amen“ sagen, wenn es so weit kommt, dürfte natürlich klar sein.

Stadionwelt: In Cottbus ist das Verhältnis zwischen Vereinsführung und Fans chronisch gestört. Wo drückt der Schuh im Moment?
Kontzog: Teile der aktiven Fanszene, die auch Vereinsmitglieder sind, streben zurzeit eine Klage an. Nachdem es auf der letzten Mitgliederversammlung zu einer Satzungsänderung kam, soll es möglich sein, dass der Verwaltungsrat und nicht die Mitglieder das Präsidium bestimmen. Wir wollen das verhindern, um einer zu großen Einflussnahme durch Sponsoren den Riegel vorzuschieben.

Stadionwelt: Wie stolz ist man als Energie-Fan eigentlich darauf, heute Fan des besten Ostclubs zu sein? Schließlich war der Verein zu DDR-Zeiten eine eher kleine Nummer.
Kontzog: Damals saßen wir ja nur mal ab und zu im Fahrstuhl nach oben. Für mich ist das persönlich auch nicht so wichtig. Wir hatten früher auch eine kleine Fanszene und waren für die meisten Vereine nicht der große Rivale. Deshalb würde ich mich jetzt unter umgekehrten sportlichen Vorzeichen auch nicht über die anderen stellen wollen. (Stadionwelt, 01.08.2006)

Bild: Stadionwelt
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