In der vergangenen Saison zeigte der Duisburger Fanblock 17 Choreoaktionen. Zu deren Finanzierung gründete man kurzerhand den „Kollektiven Wahnsinn“, der T-Shirts, Pullover und Poster verkaufte. Über die Erfahrungen nach einem Jahr „Choreostress“, das Echo aus der Kurve und die neue Saison sprach Stadionwelt mit Andreas Jörissen von den Ultras Duisburg.
Stadionwelt: In der abgelaufenen Saison habt ihr zu jedem Heimspiel eine Choreo organisiert. Wie kam es dazu?
Jörissen: Nach fünf Jahren in der zweiten Liga, noch dazu fünf schlechten Jahren, kam endlich wieder ein gutes. Da hatten wir die Möglichkeit, allen zu zeigen, dass wir wieder da sind. Deshalb haben wir „Kollektiver Wahnsinn“ ins Leben gerufen. Egal gegen wen, egal wo, egal wie es steht, wir stehen zur Mannschaft.
Stadionwelt: Wie hat der Rest der Kurve darauf reagiert?
Jörissen: Das ist super angenommen worden. Die T-Shirts und Pullover sind uns aus den Händen gerissen worden. Wir haben nichts mehr übrig. Nach vier gelungenen Choreos haben wir noch ein Poster rausgebracht, auch das ging sofort weg. Im Endeffekt hatten wir jetzt 17 große Aktionen und sind finanziell bei plus minus null.
Stadionwelt: Also zieht ihr ein durchweg positives Fazit?
Jörissen: Ja, sehr positiv. Wir haben wirklich gute Aktionen gehabt, natürlich sind ein paar auch nicht so gut gewesen.
Stadionwelt: Welche waren besonders gelungen?
Jörissen: Die Aktionen gegen Gladbach, Schalke, die Sieben-Jahre-Ultras-Choreo und die gegen Hannover würden mir jetzt spontan einfallen. Dagegen waren die gegen Frankfurt, wo der Vorhang gehakt hat, und gegen Mainz, als mittendrin was gerissen ist, sicher die schlechteren Aktionen.
Stadionwelt: Werden wir auch in der neuen Saison zu jedem MSV-Heimspiel eine Choreo sehen?
Jörissen: Auf keinen Fall. Die Aktion war auf ein Jahr ausgelegt. In dieser Saison werden wir abhängig vom Gegner was machen. So viele tolle Spiele gibt es in der zweiten Liga ja auch nicht. Köln und Essen werden bestimmt die Highlights sein.
Bild: www.Groundhopping.de
Stadionwelt: Was wird dann aus „Kollektiver Wahnsinn“?
Jörissen: Die Aktion ist beendet. Was nicht heißt, dass die Klamotten nicht mehr getragen werden sollen. Auch stimmungsmäßig werden wir so weitermachen.
Stadionwelt: Es heißt, ihr hättet einige Ideen für Choreos aus dem offiziellen Internetforum des Vereins. Das wird bei vielen Vereinen belächelt. Bei euch aber nach wie vor ein Ideengeber?
Jörissen: Wir sind immer offen für Anregungen und Ideen. Auch von Nicht-Ultras, die sich bei Choreos einbringen wollen. Warum auch nicht? Wir sind alle MSV-Fans, das ist es, was zählt.
Stadionwelt: Vor der vergangenen Saison herrschte bei euch durch den Aufstieg und das neue Stadion echte Aufbruchstimmung. Ist die durch den direkten Abstieg wieder weg?
Jörissen: Die Stimmung ist natürlich etwas gedrückt, vor allem durch den relativ klaren Abstieg. In Duisburg ist das immer sehr von der Leistung des Teams abhängig. Wenn die Resultate aber wieder stimmen, ist die Stimmung auch wieder schnell da.
Stadionwelt: Oder sagt ihr euch sogar, es hat auch was Gutes – jetzt sind die ganzen Touristen weg, und nur noch die richtigen MSV-Fans sind wieder da?
Jörissen: Es ist immer ein zwei-schneidiges Schwert. Natürlich sind die ganzen Erfolgshansel erstmal wieder weg. Und es hat auch was für sich, mit 40 Leuten in Burghausen zu stehen. Andererseits will man natürlich schon in die erste Liga. Die Spielanse-zungen in der zweiten Liga, fünf Höllenfahrten nach Bayern, sieben Stunden auf der A3…
Stadionwelt: Gerade im Ruhrgebiet haben vor allem Schalke und Dortmund in jeder Stadt ihre Fangruppen. Ist der MSV durch das Jahr erste Liga wieder die klare Nummer eins in der Stadt?
Jörissen: Ich glaube, der MSV war schon immer die Nummer eins der Stadt. Nur zeigen das die meisten nicht so. Viele hängen ihren Wimpel oder ihr Fähnchen dann nicht ans Auto, weil es ihnen teilweise wahrscheinlich peinlich ist. Aber in der letzten Saison waren die Fenster und Autos wieder geschmückt, und so wird es auch bleiben. (Stadionwelt, 01.08.2006)

0 Kommentare