Entgegen aller Prognosen gelang den Kickers Offenbach am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Benny ist bei den „Spions Offenbach“ mitverantwortlich für den Support und die Organisation von Choreos. Er spricht über die ungewohnte Ruhe in Offenbach und die Hoffnung auf weitere Jahre im Profifußball.
Stadionwelt: Hält die Euphorie nach dem späten Klassenerhalt noch an?
Benny: Ja, man hört in Gesprächen die Freude immer noch heraus. Das war ja auch ein Riesenerfolg. Vor allem die Art und Weise mit dem Zittern bis zum Schluss: Das war typisch Kickers. Aber je näher der Saisonstart rückt, desto gespannter sind die Leute natürlich. Viele fragen sich, ob es wieder reicht. Zumal die Mannschaft ja nicht gerade spektakulär verstärkt wurde.
Stadionwelt: Welchen Anteil hatten die Fans an dem glücklichen Ende im Abstiegskampf?
Benny: Ich denke, einen sehr großen. Das haben die Mannschaft und der Vorstand in Gesprächen und bei der Aufstiegsfeier auch oft betont. Das macht einen dann schon stolz, wenn man sieht, dass man der Mannschaft mit seiner Unterstützung zu so einem unerwarteten Ergebnis verholfen hat.
Stadionwelt: Welche Auswirkungen hatte die erste Zweitligasaison seit fast zehn Jahren auf die Stimmung in der Fanszene insgesamt?
Benny: Eigentlich hat sich gegenüber der Regionalliga kaum etwas verändert. Anfangs war es durch die Trennung der Blöcke etwas schwierig. Aber das hat sich sehr schnell gefunden.
Stadionwelt: Die Offenbacher Szene galt über Jahre hinweg als äußerst streitfreudig. Hat sich in dieser Hinsicht etwas verändert?
Benny: Insgesamt wurde der Zusammenhalt durch den spannenden Abstiegskampf noch weiter gestärkt. Es gab so gut wie keinen Stress unter den Fangruppen. Diese Vorstellung von einer zerstrittenen Fanszene ist ohnehin etwas übertrieben. Ich habe jedenfalls in meiner Zeit als Kickers-Fan noch keine größeren Reibereien erlebt. Es ging, wenn überhaupt, nur um Kleinigkeiten.
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Wie hat sich der Support bei den Heimspielen am Bieberer Berg entwickelt?
Benny: Da gibt es vielleicht einige Kritikpunkte, die aber sehr leise vorgetragen werden. Der Großteil zieht sehr gut mit. Rein inhaltlich liegen dem Verein wie auch den aktiven Fans ähnliche Dinge am Herzen: Gemeinsam sind wir bemüht, die Anti-Gesänge, beispielsweise gegen Ost-Vereine, zu unterbinden. Das muss einfach nicht sein.
Stadionwelt: Der Zuschauerschnitt in der letzten Saison war trotz des Erfolgs einigermaßen überschaubar. Erwartet ihr im zweiten Jahr dahingehend einen Aufschwung?
Benny: Wir rechnen schon damit, dass mehr Leute kommen. Das hängt aber natürlich auch immer von der Saisonentwicklung ab. Man hat schon im letzten Jahr gesehen, dass sich die Zuschauerzahlen an die sportliche Berg- und Talfahrt angepasst haben. Aber unabhängig von der sportlichen Situation kann man sagen: Diejenigen, die da sind, machen immer mit.
Stadionwelt: Im Bereich der Fanbetreuung hat es einen personellen Wechsel gegeben. Anstelle von Frank Reifenberger ist Manuela Geißler jetzt zweite Fanbeauftragte neben Lars Kistner. Welche Gründe hatte das, und wird sich dadurch etwas verändern?
Benny: Da ist nichts Bestimmtes vorgefallen. Frank ist zurückgetreten, weil er sich beruflich verändert hat. Wir erwarten durch diesen Wechsel keine großen Veränderungen. Wenn überhaupt, dann wird es sich eher zum Positiven entwickeln. Manuela ist schon lange ein Teil der Fanszene und allgemein anerkannt. Sie wird ihre Sache gut machen. Und die Zusammenarbeit mit Lars läuft ja ohnehin schon seit Jahren prima.
Stadionwelt: Worauf freut man sich in Offenbach in der nächsten Saison am meisten?
Benny: Ganz klar auf die Spiele gegen die Absteiger. Köln ist sicher von den Fans und vom Stadion her eine reizvolle Reise. Aber durch die regionale Nähe werden vor allem die Spiele gegen Kaiserslautern echte Highlights. Wenn schon die großen Hessen-Derbys nicht zustande kommen, haben wir damit zumindest einen kleinen Ersatz. (Stadionwelt, 01.08.2006)

0 Kommentare