Im Wuppertaler Stadion am Zoo träumt man zur Rückrunde vom Wiederaufstieg in den Profifußball. Über Probleme, die Fans auch auf einem Aufstiegsplatz bedrücken können, erzählt Christian Decker (24), genannt Deck, von den Ultras Wuppertal.
Stadionwelt: Der Zuschauerschnitt ist im Vergleich zur Vorsaison etwas gestiegen. Hat das alleine mit der guten Position in der Tabelle zu tun?
Decker: Ich denke, das liegt zum Teil an den attraktiven Gegnern, die in der Hinrunde nach Wuppertal gereist sind. Aber als Tabellenführer sind gegen einen unattraktiven Gegner wie Rot-Weiß Ahlen auch nur rund 3.000 Zuschauer gekommen. Von einer Aufstiegs-Euphorie ist in der Stadt rein gar nichts zu spüren.
Stadionwelt: Wie sieht momentan das Verhältnis zum Präsidium aus? Nachdem es auf der letzten Jahreshauptversammlung zu Beleidigungen seitens des Präsidenten gekommen sein soll, haben sich komplette Fanclubs aus der Fanclubliste des Vereins streichen lassen und der Fanbeauftragte trat zurück.
Decker: Mittlerweile geht es nicht mehr alleine um den Präsidenten. Das Verhältnis zum gesamten Verein hat sich drastisch verschlechtert: Vereinsoffizielle gegen Fans, Trainer gegen Fans, Spieler gegen Fans. Ganz schlimm, dass sich mittlerweile auch Fans untereinander bekriegen.
Stadionwelt: Worum dreht sich das faninterne Problem?
Decker: Natürlich auch um das Borussia im Vereinsnamen. Aus der inaktiven Szene gibt es viele Befürworter, die würden auch zu einem FC Wuppertal gehen, der in gelben Trikots spielt. Die aktive Szene lehnt das Borussia weiterhin ab.
Stadionwelt: Wie sieht diese Ablehnung aus?
Decker: Alles in allem ist der Protest etwas abgeflacht, aber noch da. Flyer und Spruchbänder gibt es bei so ziemlich jedem Spiel. Außerdem besteht der Supportboykott nach wie vor. Viele Leute gehen gar nicht mehr hin, die Identifikation fehlt einfach. Andere wünschen sich Niederlagen, weil der Erfolg eben das ganze Schlechte überstrahlt. Als Fan schlagen einem zwei Herzen in der Brust!
Stadionwelt: Erzähl bitte etwas zum Fanprojekt Wuppertal, das am 16.Oktober 2006 seine Arbeit aufgenommen hat.
Decker: Bisher hat das Fanprojekt vor allem für Jugendliche etwas bewegt. Auswärtsfahrten zum Beispiel. Sie haben auch eine Ü-40 „Eventfahrt“ nach Sankt Pauli organisiert. Aus meiner Sicht ist es ein Fanprojekt, das noch ohne Fans arbeitet. Im Beirat sitzen keine Fans. Es sieht so aus, dass der Verein über das Fanprojekt versucht, neue unkritische Eventfans zu werben.
Stadionwelt: Am 16. Januar hat die Wuppertaler Supporter-Vereinigung ihre Mitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Weißt du, worum es geht?
Decker: Natürlich, es geht um meinen Antrag!
Stadionwelt: Und der beinhaltet?
Decker: Die Auflösung der Wuppertaler Supporter-Vereinigung. Der Hintergrund ist der, dass man dem Verein damit ein Feindbild nähme. Die Supporter-Vereinigung wird von Vereinsseite für alles verantwortlich gemacht, der Name ist durch diverse Presseartikel mittlerweile verbrannt.
Stadionwelt: Wird der Antrag durchkommen?
Decker: Ich vermute schon. Allerdings werden auf jeden Fall viele aus der Supporter-Vereinigung austreten. Nicht weil die Idee schlecht ist, sondern um das Image des Sündenbocks endlich loszuwerden. Neben dem Ärger mit dem Verein gab es auch interne Vorwürfe, es sei Geld veruntreut worden inklusive nächtlichem Telefon-Terror.
Stadionwelt: Was macht der Stadionumbau?
Decker: Der ist mit einiger Verzögerung angelaufen. Angeblich sollen die Hintertortribünen statt der angedachten 6.000 nun nur noch 4.000 Zuschauer fassen. Aus Fansicht kann man sich nur überraschen lassen. Das Stadion am Zoo war eine Bruchbude. Wir Ultras werden wohl den Platz hinter dem Tor links von der Haupttribüne einnehmen.
Stadionwelt: Was bewegt die Fans des WSV sonst noch?
Decker: Bei einem städtischen Hallenturnier werden wir eine Aktion gegen Polizeiwillkür machen. In Wilhelmshaven gab es Ärger mit den Ordnern. Wuppertaler Fans wurden geschlagen, was Offizielle nach eigener Aussage gesehen haben. Dennoch gab es für sechs Wuppertaler Stadionverbot. So ist das hier. (Stadionwelt, 5.1.2007)




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