Das “Greuther” im Vereinsnamen hören die Fans in Fürth nach wie vor ungern. Im Interview mit Stadionwelt äußert sich Alfred Eichler (41) von den Sportfreunden Ronhof über den Verlust von Identifikation, Stadionpläne und die Folgen verpasster Ziele.
Stadionwelt: Aktuell ist ein Arbeitskreis „Identifikation mit dem Kleeblatt Fürth“ entstanden. Was steckt dahinter?
Eichler: Daran waren wir Sportfreunde Ronhof maßgeblich beteiligt, und hat mit der Vereinsstruktur zu tun. Der Name Greuth ist allgegenwärtig, mittlerweile richtiggehend eine Marke. Vielen Fans des Kleeblatts, also der Spielvereinigung Fürth, stößt das sauer auf. Es springen immer mehr ab. Und das hat hauptsächlich mit dem Verlust der Identität und nicht mit der sportlichen Situation zu tun.
Stadionwelt: Stichwort Identität – ist der Ronhof zu retten oder wird ein neues Stadion an anderer Stelle entstehen?
Eichler: Noch nimmt das ganze Gerede keiner wirklich ernst. Präsident Hack hat oft genug vom Stadion geredet, passiert ist bisher nichts. Und ganz fest ist der Stadionstandort laut Presse wohl auch noch nicht. Neuerdings ist der Westen der Stadt für einen Neubau im Gespräch.
Stadionwelt: Wie gehen die Fans des Kleeblatts allgemein mit der Stadionthematik um?
Eichler: Diesbezüglich ist die Fanszene gespalten. Die Befürworter, beispielsweise aus dem Umfeld der Ultras, sehen die Tradition Ronhof und sind deshalb für den Verbleib. Auch Teile der Sportfreunde sind aus diesem Grund dafür. Die Gegner wollen an anderer Stelle einen Neuanfang wagen. Schließlich gehört das Ronhof-Gelände Herrn Brandstätter, sprich Playmobil. Durch einen Neuanfang beendete man das Abhängigkeitsverhältnis. An einem Punkt sind sich allerdings alle Fans einig: Das Stadion muss auf jeden Fall im Stadtgebiet Fürth stehen. Alles außerhalb von Fürth ist rot-schwarz.
Stadionwelt: Hofft man insgeheim auf die Rückkehr des Traditionsnamens Ronhof, sollte das Stadion an der bisherigen Spielstätte entstehen?
Eichler: Die Rückkehr zum Namen Ronhof ist wohl ausgeschlossen. Wünschen tun sich das natürlich alle, aber realistisch ist es nicht!
Stadionwelt: Zwei Mitglieder der Sportfreunde Ronhof haben das Amt des Behindertenbeauftragten seit November inne. Bereits 2005 ist das Projekt “Hören, was andere sehen” für blinde Fußballfans von den Sportfreunden angestoßen worden. So viel soziales Engagement ist unter Fußballfans nicht alltäglich.
Eichler: Die Sportfreunde Ronhof haben sich mit dem Ziel gegründet, den Verein zu unterstützen, ohne ständig zu fordern. Wir wollten Eigeninitiative zeigen. Da zwei Mitglieder sehbehindert sind, entstand Kontakt zu den Seehunden. Das ist ein bundesweiter Fußballfanclub, der Übertragungen für blinde Fans anbietet. Wir haben das Ganze vorangetrieben und dem Verein vorgelegt. Mittlerweile können auch blinde Gästefans, die Übertragungen im Stadion hören.
Stadionwelt: Und die Behindertenbeauftragten?
Eichler: Die sind in Folge von “Hören, was andere Sehen” dazugekommen. Anfangs mussten die sehbehinderten Fans begleitet werden. Wegen solchen Engagements werden wir vom Verein ernst genommen.
Stadionwelt: Beim Auswärtsspiel in Karlsruhe haben Teile der Fanszene den Gästeblock verlassen. Was genau ist passiert?
Eichler: Als Gruppe waren wir nicht betroffen, weil wir im Stadion nicht geschlossen auftreten. Ausgangspunkt war wohl ein Auswärtsspiel in Augsburg, als drei Rauchbomben in unserem Block hochgingen und es zu Handgreiflichkeiten mit der Polizei kam. Konsequenzen gab es erst in Karlsruhe. Die Ordner haben ihren Job etwas zu ernst genommen: Busdurchsuchungen mit Hund, Leibesvisitationen bis zum Runterlassen der Hose vor anderen Fans und wahllose Ingewahrsamnahmen. Von den 250 Fürthern in Karlsruhe verließ gut ein Drittel nach zwanzig Minuten den Block. Die gesamte Rückfahrt bis Fürth fand unter Polizeibewachung statt.
Stadionwelt: Schockt so ein Verhalten der Polizei noch?
Eichler: Man hört häufiger mal, dass größere Szenen weniger Probleme haben, weil die Polizei aufgrund der Masse und des Auftretens deeskalierend einwirkt.
Stadionwelt: Macht Fußballschauen in der Halle plötzlich Spaß, wenn man dem Erzrivalen aus Nürnberg bei dessen eigenem Turnier mit 7 zu 1 demütigt?
Eichler: Um ehrlich zu sein waren nicht sehr viele Leute in Nürnberg. Halle und dann auch noch beim Nachbarn ist für viele nicht akzeptabel. Aber vor dem Fernseher war es schon schön zu hören, als die Beleidigungen abebbten und es nach und nach immer stiller wurde.
Stadionwelt: Ursprünglich war für die Saison der Aufstieg geplant, mit einem Mal befindet sich Fürth nur noch drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Was könnte ein Abstieg für das Umfeld Greuther Fürths bedeuten?
Eichler: Es gibt nicht wenige, die die Situation mit 1983 vergleichen. Damals war die Mannschaft ähnlich spielerisch stark und am Ende stieg Fürth ab. Vielleicht wäre das zur Reinigung sogar ganz gut. Dann bestünde die leise Hoffnung, dass der ungeliebte Beiname Greuther wieder wegfiele. Allerdings wäre auch ein totales Abrutschen denkbar.
Stadionwelt: Mal scheinen richtig viele Fans den Verein auswärts zu begleiten, mal nur sehr wenige. Wie kommt das?
Eichler: Das ist Fürth live, irgendwie schizophren. Wirklich erklären kann das keiner! Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass die Stimmung unter den Fans schlecht wie nie ist. (Stadionwelt, 10.1.2007)




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