Im hohen Norden träumt man von der Rückkehr in den bezahlten Fußball. Dennis Karsten ist Fanbeauftragter des VfB Lübeck. Der 29-Jährige erzählt im Interview, dass die Fanszene Großes plant und bald ein eigenes Zuhause besitzt.
Stadionwelt: Die Gewerkschaft der Polizei forderte vor kurzem ein Alkoholverbot an der Lohmühle um Ausschreitungen zu verhindern. Innerhalb der Szene dürfte das für Gelächter gesorgt haben.
Karsten: Das hat es tatsächlich. Es gibt zwei Polizeigewerkschaften: eine Große und eine Kleine. Die kleine Gewerkschaft hat die Forderung aufgestellt, aber der Verein denkt nicht daran, das umzusetzen. So ein Alkoholverbot will hier natürlich keiner haben. Bei Heimspielen im Stadion gibt es zudem keinerlei Probleme. Wenn überhaupt passiert auswärts etwas und daran wird gearbeitet.
Stadionwelt: Das Alkoholverbot für ein Stadion namens Lohmühle könnte nur von kurzer Dauer sein, weil angeblich die Umbenennung der traditionellen Spielstätte angedacht ist.
Karsten: Ich weiß nur soviel, dass darüber nachgedacht wird, weil die wirtschaftlichen Möglichkeiten in der Regionalliga einfach beschränkt sind. Eine Umbenennung würde also passieren, um neue Geldgeber zu gewinnen. Namen von Unternehmen und ähnliches geistern aber bisher nicht umher und spruchreif ist gar nichts.
Stadionwelt: Würde es Proteste gegen die Umbenennung geben?
Karsten: Ich denke schon, dass es Fanproteste geben würde, weil die Leute die Lohmühle als Lohmühle wollen und nichts anderes. Das Ultrakollektiv Lübeck hat deswegen schon einen Offenen Brief an den Wirtschaftsrat gerichtet. Des Weiteren haben die Jungs auch schon T-Shirts bedruck mit der Aufschrift: „Lohmühle! Tradition ist unverkäuflich“!
Stadionwelt: Stimmt es, dass es das Fanprojekt Lübeck wieder gibt?
Karsten: Nein, es wird daran gearbeitet, dass das Fanprojekt reaktiviert wird. Zurzeit befasst sich die Stadt Lübeck mit dem Thema. Danach muss das Land Schleswig-Holstein entscheiden, das damals die Mittel gestrichen hatte. Ich habe die Hoffnung, dass es mal wieder ein Fanprojekt Lübeck geben wird. Das Wann steht aber noch nicht fest.
Stadionwelt: Stünden die alten Mitarbeiter denn noch zur Verfügung?
Karsten: Christian Graap hilft bei der Reaktivierung, aber den Posten des Fanprojektlers wird er wohl nicht noch einmal übernehmen.
Stadionwelt: Ist es doppelt schön, dass man selbst noch aufsteigen und der große Konkurrent Holstein Kiel sogar noch absteigen kann?
Karsten: Das wäre ein netter, kleiner Bonus. Letztendlich ist es mir aber egal, was mit Kiel passiert. In der Regionalliga, zumindest in Schleswig-Holstein, kann man nicht vernünftig wirtschaften. Anders als beispielsweise im Westen haben wir nur wenige Derbys und Sponsoren stehen auch nicht Schlange. Deswegen wäre der Aufstieg für Lübeck enorm wichtig.
Stadionwelt: Möchtest Du etwas zur so genannten Lübschen Jugend sagen?
Karsten: Das ist eine Gruppe, die Ende der letzten Saison im Stadion aufgetaucht ist. Die sind nicht in der Fanszene verankert und auch nicht geduldet. Wir haben Flyer gegen Rechtsextremismus verteilt. Mittlerweile ist auch keiner von denen mehr an der Lohmühle zu sehen.
Stadionwelt: In der Vergangenheit gab es ein paar Mal Randale am Rande von Lübeck-Spielen. Bei einem Hallenturnier wurden sieben Lübecker festgenommen.
Karsten: Seitdem das Fanprojekt abgesägt wurde, hat das in Lübeck wieder etwas zugenommen. Es gibt nicht viel Ärger, aber wenn es knallt, dann knallt es heftig. Man merkt aber, dass sich in der Szene selber der Widerstand gegen diese Chaoten wächst. Das Schlimme ist eben, dass es immer nur ein paar wenige sind und darunter alle anderen mitleiden müssen. Wir sind aber auf einem guten Weg auch dieses Problem zu lösen, sofern möglich. Eine große Hilfe ist da auch ein neues Projekt, welches wir in Lübeck angeschoben haben. Dafür brauchen wir viele Sponsoren und Hilfe. Da sind solche Vorfälle nicht gerade eine große Unterstützung.
Stadionwelt: Ihr plant gerade etwas ganz Großes, oder?
Karsten: Ja. Der Fankreis VfB Lübeck baut ein Fanhaus direkt am Stadion hinter den Heimblöcken A und B. 12 mal 21 Meter mit Keller und Erdgeschoss.
Stadionwelt: Wie wird das finanziert?
Karsten: Zum Teil werden die 400.000 Euro über Sponsoren und Stiftungen finanziert. 200.000 bis 230.000 Euro werden durch Eigenleistung erbracht. Die gesamte Verwirklichung erfolgt einzig und allein durch Fans. Natürlich unter fachmännischer Aufsicht. Die Bauzeit haben wir auf circa zwei Jahre angesetzt. Geplant ist ein Raum für die Fans, um Spruchbänder vorbereiten zu können, ein Lagerraum für Fahnen, Plakate etc., ein Behinderten-WC, Damen- und Herren-WC, ein Büro für den Fankreis-Vorstand und Fanbeauftragte, ein kleiner Internetraum, um den Fans eine Möglichkeit zu bieten, im Internet stöbern zu können, sowie ein großer Aufenthaltsraum, um eine Anlaufstelle für die Fans schaffen zu können.
(Stadionwelt, 7.2.2007)




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