Teil 2: „Alle Gruppen ziehen an einem Strang“

Faszination Fankurve 05.12.2007 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im ersten Teil des Interviews äußerte sich Alex von SturmTifo.com über die kürzlich erschienene DVD „Samma schwoaz, samma weiß – Sturm-Fans im Aufwind“. Im zweiten Teil geht es um die Fanszene des Clubs aus der Steiermark.

Stadionwelt: Du hast bereits die drei in der Fanszene führenden Gruppen erwähnt.
Alex: Stimmt. Das sind die Grazer Sturmflut, Brigata Graz und Jewels Sturm. Alle sind mittlerweile über zehn Jahre alt. Das spricht sicher auch für die Szene. Entscheidende Personen von damals sind immer noch dabei. Die Mitgliederzahlen bewegen sich circa zwischen 40 und 60 Personen, wobei die Brigata am größten ist. Allerdings sprechen wir hier grundsätzlich von einem harten Kern, der aktiv ist. So etwas wie Unterstützer gibt es nicht.

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Heimspiel gegen Innsbruck.
Bild: www.die-eisernen.de

Stadionwelt: Handelt es sich um Ultras oder ultraorientierte Gruppen?
Alex: Ultraorientiert trifft es wohl. Wir gehen unseren eigenen, den steirischen Weg. Ohne in irgendeiner Form extremistisch oder nationalistisch zu sein, haben wir einen großen Bezug zu Graz und zu unserem Bundesland Steiermark.

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Stadionwelt: Warum bleibt die Struktur dreier Gruppen bestehen und es wird keine übergeordnete Gruppierung gegründet?
Alex: Jede Gruppe ist zu ihrer Zeit aus Freundeskreisen entstanden und hat sich bis heute eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Erstaunlicherweise ergänzt sich alle ganz gut: Die einen sind für das, die anderen für das zuständig.

Stadionwelt: Wie werden Entscheidungen, beispielsweise über Choreos, gefällt?
Alex: Alle Gruppen sind in einem Direttivo organisiert, das aus elf Personen besteht. Dem sind vier Organisationseinheiten unterstellt: Support, Auswärtsfahrten, Veranstaltungen und SturmTifo.com.

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Die Wappen der drei führenden Sturm-Fanclubs.

Stadionwelt: Was lässt sich zum Nachwuchs und anderen Fangruppen sagen?
Alex: Seit einiger Zeit haben Jewels und Sturmflut eigene Nachwuchsgruppen etabliert: Die Jewels Juniors und die Junge Flut. In dem Bereich liegt sicherlich noch Potenzial.

Stadionwelt: Und andere Fanclubs…
Alex: Es gibt immer mehr, die aktiv werden. Bastion Nord, aber auch kleinere wie Black Pearl oder Schwarz Weisser Süden, um nur einige zu nennen, die sich immer mehr engagieren. Probleme mit bestimmten Gruppen gibt es keine. Alle Gruppen ziehen an einem Strang – gemeinsam für Sturm. Eine große Herausforderung in der Zukunft wird die Erweiterung der Kurve. Momentan sind auf der Südtribüne des Liebenauer Stadions drei von fünf Sektoren als Fankurve definiert. Jeder Sektor ist für 600 Leute ausgelegt. Durch den momentanen Aufschwung wird es langsam eng. Auch steht der Umzug auf die Nordtribüne bevor, da der Gästesektor aus Sicherheitsgründen verlegt werden muss. Die Nord brächte für uns noch mehr infrastrukturelle Vorteile.

Stadionwelt: Spielt Politik bei Euch eine Rolle?
Alex: Die Grazer Kurve hält sich aus politischen Themen in aller Regel heraus. Unsere Politik ist einzig Sturm. Natürlich unterstützen wir Aktionen gegen Rassismus, sind mit Sicherheit aber nicht die, die das extrem hervorheben. Ansonsten gilt, dass ein gesunder Menschenverstand gefragt ist und in unserer Kurve politische Auswüchse keine Chance haben.

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Auswärts bei Rapid am 10. Spieltag der laufenden Saison.
Bild: SturmTifo.com

Stadionwelt: Stadtrivale Grazer AK hat große finanzielle Schwierigkeiten, musste deswegen sogar in die dritte Liga herunter. Vermisst Ihr das Derby?
Alex: Der Spielbetrieb in der Regionalliga steht vor der Einstellung. Vermutlich wird der Club aufgelöst und neugegründet werden. Verein und auch die Fanszene haben die Probleme nicht rechtzeitig erkannt. Die Fanszene des GAK ist wesentlich kleiner und unorganisierter als unsere. In den Derbys konnten die Roten in keiner Weise ein wirklicher Gegner sein. Deswegen hält sich die Trauer über das verlorengegangene Derby einigermaßen in Grenzen.

Stadionwelt: Immer mehr Clubs in Österreich sind entweder Kunstprodukte oder kommen aus Dörfern. Wird die Liga nicht langweilig?
Alex: Eigentlich alle der verbliebenen Traditionsvereine – die beiden Wiener Clubs, der LASK oder Innsbruck – geraten oder sind schon einmal in finanzielle Probleme geraten. Dass Tradition und Emotion aber dennoch die Zuschauermassen anlocken, zeigen die Zuschauerstatistiken, Sturm ist mittlerweile auf Platz 3 vorgerückt. Leider sind in letzter Zeit Kunstvereine wie Red Bull oder Austria Kärnten entstanden, die mit traditionellen Werten nichts zu tun und auch keinerlei Fanszenen haben. Das landesweit spannendste Duell ist sicherlich, wenn wir gegen Rapid spielen. Dabei handelt es sich um die Fanszenen, die am weitesten in ihrer Entwicklung sind. Uns geht es aber nicht darum, Rapid zu überholen oder so etwas, sondern das Beste für uns rauszuholen.

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Die heimische Kulisse gegen Linz.
Bild: Stadionwelt

Stadionwelt: n einem Thema kommen wir nicht vorbei: Die Europameisterschaft im kommenden Sommer.
Alex: Die EM ist bei uns ein Thema – allerdings ein Negatives. Beinahe historisch gibt es in Graz keine Unterstützung für die Nationalmannschaft. Die Nationalmannschaft spielt sich in Wien ab. Länderspiele in Graz finden nur alle paar Jahre statt. Zudem wird die Euro als purer Wahnsinn angesehen. Die österreichischen Verhältnisse – zum Beispiel die Infrastruktur der Stadien – vertragen die Um- und Rückbauten nicht. Ein Boom oder eine Euphorie, wie in Deutschland vor der WM, existiert nicht. Wenig weist auf das Turnier hin. Die Begleiterscheinungen tun ihr Übriges. Obwohl Österreich im Vergleich zu anderen Ländern eine Insel der Glückseeligkeit ist, sind alle Szenen von einer steigenden Repression und polizeilicher Willkür betroffen. In der aktiven Szene gibt es keine Befürworter, sondern nur Gegner. Alle sind froh, dass Graz kein Austragungsort geworden ist wie es wohl mal zur Debatte stand. (Stadionwelt, 5.12.2007)

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Heimspiel gegen Innsbruck.
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Die Wappen der drei führenden Sturm-Fanclubs.
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Auswärts bei Rapid am 10. Spieltag der laufenden Saison.
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Die heimische Kulisse gegen Linz.
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