Im Sommerpausen-Interview mit Stadionwelt erzählt Jan Oberdieck vom Aufstieg des RSV Göttingen 05 in die Bezirksoberliga. Der Fan des Clubs aus der Universitätsstadt sieht das Derby gegen den Stadtrivalen SVG und längere Auswärtsfahrten als Bereicherung an.
Stadionwelt: Der Aufstieg in die sechste Liga ist geschafft. Erklär bitte, was das für den Verein und die Fanszene bedeutet?
Oberdieck: Für beide ist der Aufstieg extrem wichtig. Gerade nachdem er letztes Jahr verpasst wurde, hat die allgemeine Stimmung vor allem in der Hinrunde extrem gelitten. Umso größer ist jetzt die Freude. Hätte der Aufstieg dieses Jahr nicht geklappt, hätte es den Verein in der Entwicklung weit zurück geworfen. Die Szene hätte sich von einem Nichtaufstieg meiner Meinung nach gar nicht mehr erholt.
Stadionwelt: Inwiefern?
Oberdieck: Grundsätzlich ist es in unteren Ligen eher schwer, sich permanent zu motivieren. Dazu hat man ein Nachwuchsproblem, das sich durch ein weiteres Jahr in der siebten Liga noch vergrößert hätte.
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Am letzten Spieltag wurde der Meistertitel gefeiert.
Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: In punkto Nachwuchs hat sich aber etwas getan, oder?
Oberdieck: Im Verlauf der Rückrunde haben die Supportbemühungen durch einige Leute aus der Szene wieder zugenommen. Im Zuge dessen sind einige jüngere Leute, im Schnitt circa 18 Jahre, dazugekommen.
Stadionwelt: Um was für Leute handelt es sich dabei und über wie viele reden wir?
Oberdieck: Die Neuen nennen sich selbst Ultras Göttingen. Nach eigener Aussage sollen es um die 15 sein, regelmäßig sieht man aber nur drei bis fünf. Wobei ich mich sowohl mit der Bezeichnung Ultras, als auch der Art und Weise des Auftretens teilweise ein bisschen schwer getan habe. Zwar beteiligen sie sich am Support, aber eigene Fahnen, Aktionen oder dergleichen gab es bisher nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Grundsätzlich stehen wir Nachwuchs natürlich offen gegenüber.
Stadionwelt: Ultras in Göttingen. Das ist ein Phänomen, was man bei 05 bisher nicht kannte, oder?
Oberdieck: Deswegen sehe ich das auch nicht ganz unkritisch. Zum einen konnten wir bis jetzt ganz gut ohne Ultras leben, zum anderen halte ich es für komisch, eine Ultragruppierung zu gründen, bevor man überhaupt ein Spiel gesehen hat.
Beim vorentscheidenden Spiel gegen Osterode.Bild: Stadionwelt
Stadionwelt: Wie habt Ihr auf die Presseberichte reagiert?
Oberdieck: Von unserer Seite gab es ein Stellungnahme, in der wir die Aktion aus unserer Sicht dargestellt und natürlich verteidigt haben. Jedoch wurde von der regionalen Presse nicht auf unser Schreiben und den offenen Brief aus Goslar reagiert. Aber wer gesteht sich schon gerne ein, eine unsaubere Berichterstattung zu betreiben?
Stadionwelt: Wie hat Euer Verein auf die Berichte reagiert?
Oberdieck: Leider sehr kontraproduktiv. Anstatt zuerst das Gespräch mit uns zu suchen, hielt man es für nötig sich bei der SVG für uns zu entschuldigen und auch später, nach unserer Stellungnahme, sich nicht mehr zu dem Sachverhalt zu äußern und die Anschuldigungen gegen uns einfach so hinzunehmen.
Stadionwelt: Das klingt als wäre das Verhältnis zum Verein derzeit nicht so positiv.
Oberdieck: Aus meiner Sicht ist das Verhältnis derzeit glaube ich schlecht wie noch nie. Wir erhalten weder verlässliche Informationen aus dem Verein beziehungsweise nur auf mehrmaliges Nachfragen, noch hält man es für nötig, sich uns gegenüber korrekt zu verhalten. Goslar war da ein Beispiel, aber auch sonst sucht man weder den Dialog, noch bemüht man sich um Zusammenarbeit. Vieles erfahren wir dann wenn über die Presse oder durch Zufall. So etwas wie Rückendeckung erhalten wir fast gar nicht mehr. Im Gegenteil, oftmals schlägt der Verein auch noch von oben drauf.
Stadionwelt: Glaubst Du, dass eine Verbesserung der Situation in Sicht ist?
Oberdieck: Schwer zu sagen. Ich weiß nicht, warum der Verein diesen, gerade für die sechste Liga, sehr merkwürdigen Kurs fährt. Wir haben uns immer um den Dialog bemüht und alle Probleme intern angesprochen. Ob der Vorstand sich mal wieder ein bisschen beruhigt, den Dialog sucht und in einigen Bereichen auch wieder transparenter arbeitet, was gerade die aktive Fanszene, angesichts unserer Vergangenheit, begrüßen würde, bleibt abzuwarten.
Stadionwelt: Zu einem anderen Thema. Die alte 05-Spielstätte, nämlich das derzeit leer stehende Jahnstadion, wurde umgebaut. Euer alter Stehbereich die Gegengerade ist circa zehn Meter nach vorne gewandert. Ist eine baldige Rückkehr in das weite Rund angedacht?
Oberdieck: Es soll Bestrebungen des Vereins geben zurückzukehren, was sich wohl auch der Betreiber vorstellen kann. Ich bin der Meinung, dass das verfrüht wäre, weil der Jahner viel zu groß für unsere jetzigen Strukturen ist. Der Heimvorteil, den wir an der Benzstraße haben, könnte unter einem Umzug erheblich leiden.
Stadionwelt: Mit der Bezirksoberliga betretet Ihr in der kommenden Saison Neuland. Ist die Vorfreude groß?
Oberdieck: Wie eingangs bereits erwähnt ist die Freude über den Aufstieg sehr groß. Neben vielen Derbys stehen endlich wieder interessantere Auswärtsfahrten auf dem Programm. Anstatt Autofahrten in die Dörfer rings um Göttingen, kann man einige Städte wie Wolfsburg oder Helmstedt auch mal mit dem Zug ansteuern. (Stadionwelt, 05.08.2008)
Die Mannschaft bedankt sich für die Unterstützung in der Saison 2007/08.
Bild: Marco Engelhardt


