„Wir stehen und singen die gesamte Spielzeit über“

Faszination Fankurve 20.08.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Robby Branom ist einer der Vorsänger der Emerald City Supporters. Die wichtigste Fangruppe der Seattle Sounders unterstützt den Club aus dem Nordwesten der Vereinigten Staaten. Wie erzählt der 22-Jährige im 1. Teil eines Interviews mit Stadionwelt.

Stadionwelt: Bitte erzähl uns etwas über Deinen Club.
Branom: Die Seattle Sounders wurden zuerst im Jahr 1971 als Teil der North American Soccer League, kurz NASL, der damals höchsten Division in den USA und Kanada, gegründet. Es gibt selbst heute noch einige Mitglieder der ECS, die die Original-Sounders schon vor 30 Jahren supportet haben. Bevor die Sounders im Jahr 1983 aus finanziellen Gründen, übrigens ein jahr vor dem Ende der NASL, zurückgezogen haben, hat das Team 1977 und 1982 in zwei Liga-Endspielen gestanden. Beide Spiele waren gegen New York Cosmos. Beim ersten Mal waren Spieler wie Pele und Franz Beckenbauer bei New York dabei. Nach einer zehnjährigen Abwesenheit wurden die Seattle Sounders 1994 als Mitglied der American Professional Soccer League wiederbelebt, die ein Jahr später in A-League umbenannt wurde. 2004 wurde daraus die USL First Division. Seit der Gründung der Major Laegue Soccer, also der MLS, als der höchsten professionellen Spielklasse in den Vereinigten Staaten war die USL First Division die zweithöchste Fußballliga in Nordamerika. Unsere Sounders haben den Titel, ein Rekord, vier Mal in den vergangenen 13 Jahren gewonnen. Im kommenden Jahr wird unser Club in der MLS antreten und ich denke, dass er über viele Jahre hinweg erfolgreich sein wird.

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<p class=Die ECS im Einsatz beim Spiel gegen Portland.
Alle Bilder: ECS

Stadionwelt: Wie sind die Anhänger der Sounders?
Branom: Wir überall anderswo auch in der Welt haben wir verschiedene Formen unseren Club zu supporten. Einige Fans sind das, was man als „Familien-Fans” bezeichnen könnte. Also die Mütter und Väter, die ihre Kinder zu den Heimspielen mitnehmen. Sie machen einen einigermaßen großen Teil des Central Main Stands aus und sind während des Spiels normalerweise eher passiv. Vielleicht klatschen oder feuern sie mal bei einer guten Spielsituation an. Da ist aber auch eine kleine, aber stetig wachsende Gruppe engagierter Supporter, die stehen und über die Dauer des Spiels singen, die Moral des Teams anheben – diese Gruppe sind die Emerald City Supporters.

Stadionwelt: Um wieviele Personen handelt es sich bei diesem harten Kern?
Branom: In der ECS sind es schätzungsweise 60 bis 70 Fans, die bei den Heimspielen stehen und singen. Davon sind etwa 40 der harte Kern und etwa 20 von uns versuchen, die Ultra-Kultur in unserem Club zu verbreiten.

Stadionwelt: Wieviele Zuschauer kommen normalerweise zu den Heimspielen?
Branom: Zu einem Heimspiel kommen etwa 2.000 bis 3.000 Fans ins aktuelle Stadion, den Starfire Sports Complex in Tukwila, Washington. Das liegt im Süden von Downtown Seattle und man benötigt etwa 15 Minuten mit dem Auto. Bei wichtigen Partien, beispielsweise dem Saisonauftakt gegen Portland und US Open Cup Matches gegen MLS Clubs, waren regelmäßig mehr als 10.000 Besucher da. Diese Spiele finden in unserem alten Ground Qwest Field statt. Dort werden wir auch in der MLS antreten. Es hat eine Gesamtkapazität von über 67.000. Ich denke, das ein Hauptgrund für die schwachen Zuschauerzahlen bei Sounders-Spielen nichts mit mangelndem Sportinteresse in der Stadt, sondern mehr mit dem mangelnden Interesse an etwas, das als zweitklassig – vielleicht fälschlicherweise – angesehen wird.

Stadionwelt: Ist es möglich regelmäßig zu Auswärtsspielen zu reisen oder ist das angesichts der riesigen Distanzen unmöglich?
Branom: Wir reisen zu jedem Spiel gegen unsere lokalen Rivalen, die Vancouver Whitecaps und die Portland Timbers. Das passiert häufig mit angemieteten Bussen. Vancouver liegt ungefähr zweieinhalb Stunden nördlich von Seattle, Portland etwa drei Stunden südlich. Alle anderen Gegner spielen in Städten, die quer über die USA und Kanada verteilt sind und so nur mit dem Flugzeug erreicht werden könnten. Der weiteste Gegner, Puerto Rico, ist 6.200 Kilometer entfernt. Aus finanziellen und Reisegründen ist es für die ECS beinahe unmöglich, außerhalb des pazifischen Nordwestens zu reisen.

Stadionwelt: Wie sieht der Support aus? Was für Fanutensilien benutzt Ihr?
Branom: Wir stehen und singen die gesamte Spielzeit über. Dabei benutzen wir Fahnen, Banner und Doppelhalter, um der Atmosphäre Farbe hinzuzufügen. Wir haben ein ziemlich großes Repertoire an Liedern und Anfeuerungsrufen, die zum Teil auf solchen von englischen oder deutschen Clubs basieren. Allerdings haben wir auch eine Reihe vollkommen eigener Lieder.
(Anmerkung der Redaktion: Die meisten Songs können hier gefunden werden)

Momentan wird auf den Einsatz pyrotechnischer Gegenstände bei der ECS verzichtet. <br />“ loading=“lazy“></p>
<p class=Momentan wird auf den Einsatz pyrotechnischer Gegenstände bei der ECS verzichtet.

Stadionwelt: Ist der Einsatz pyrotechnischer Gegenstände üblich?
Branom: Ich würde nicht sagen, dass es bei den Heimspielen üblich ist, aber wir haben in der Vergangenheit zum Beispiel schon Rauchbomben oder Fackeln verwendet. Wie in den meisten Teilen der Welt ist die Benutzung von Fackeln auch hierzulande illegal. Eine von einer organisierten Gruppe sicher und angemessen benutzte Fackel, also kein Schmeißen auf den Platz, kann ein großes Spektakel sein. In der Zukunft hoffen wir das wieder tun zu können. Im Moment respektieren wir die Wünsche der Clubverantwortlichen, das zu unterlassen. (Stadionwelt, 20.08.2008)

Der zweite Teil des Interviews folgt am morgigen Donnerstag.

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