„Die Rivalität zwischen den Fans der Vereine ist groß“

Faszination Fankurve 02.12.2008 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Beim niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade bestimmt ein Thema die momentanen Schlagzeilen. Eine Fusion mit Fortuna Sittard scheint möglich. Bart Urlings vom Fanproject ´98 sagt wie der Stand der Dinge ist und wie die Szene dazu steht.

Stadionwelt: Momentan wird öffentlich darüber diskutiert, dass Roda Kerkrade und Fortuna Sittard zum FC Limburg fusionieren könnten. Wie ist der Stand der Dinge?
Urlings: Beide Vereine haben eine Erklärung unterzeichnet, womit sie bestätigen, dass sie nachprüfen wollen, ob eine Fusion der beiden Vereine möglich ist. Des Weiteren ist eine Art Komitee zusammengestellt worden, die diese Nachprüfung vornehmen wird. Dieses Komitee sollte eigentlich unabhängig sein, ist das aber in unseren Augen nicht. Zum Beispiel wird dieses Komitee geleitet durch den früheren Fußballtrainer Sef Vergoossen, der früher bei Roda JC und PSV Eindhoven tätig war. Vergoossen war immer Befürworter einer Fusion in Limburg. Das Komitee wollte im Prinzip im März 2009 das Resultat ihrer Nachprüfung veröffentlichen, aber wir glauben, dass das schon feststeht. Zu viele „wichtige Leute“ haben persönlich Vorteile von einer Fusion und die wollen keinen Gesichtsverlust erleiden.

Die klassischen Farben des Clubs würden vermutlich weichen müssen.<br />Bild: www.die-eisernen.de“ loading=“lazy“></p>
<p class=Die klassischen Farben des Clubs würden vermutlich weichen müssen.
Bild: www.die-eisernen.de

Stadionwelt: Erzähl uns bitte etwas über das Verhältnis der beiden Clubs und besonders der Fans. Herrscht dort eine große Rivalität?
Urlings: Roda JC spielte die letzten 15 Jahre in der oberen Hälfte der Eredivisie. Fortuna Sittard hatte früher seine Glanzzeit, aber ist mittlerweile in den Keller der 1e divisie abgesackt. Zu der Zeit als beide Vereine in der Eredivisie gespielt haben, war die Rivalität groß. Unser größter Rivale ist MVV Maastricht, aber Fortuna ist auf jeden Fall ein guter zweiter. Die Rivalität zwischen den Fans der Vereine ist groß. Für Fortuna sind wir sogar der absolute Hassgegner. Es hat früher auch oft Ausschreitungen gegeben, wenn beide Vereine aufeinander trafen.

Stadionwelt: Wäre es vorstellbar, mit Sittard-Fans in einem Block zu stehen und einen FCL anzufeuern?
Urlings: Das ist absolut undenkbar. Darum ist der ganze Vorschlag FC Limburg auch so lächerlich. Wir stehen zu unserem Verein und das ist Roda JC. Fortuna Fans stehen zu Fortuna Sittard. Es ist absolut undenkbar, dass beide Fangrupierungen zu einem neuen Fusionsverein kommen und diesen gemeinsam anfeuern.. Wenn es soweit kommen sollte, wird es auf jeden Fall zu schweren Ausschreitungen kommen.

Stadionwelt: Ein FC Limburg könnte als limburgische „Nationalmannschaft” betrachtet werden. Wäre das nicht reizvoll?
Urlings: Nein. Wir sind zwar jetzt der erfolgreichste Verein der Provinz über die letzten Jahrzehnte gesehen, aber sehen uns keinesfalls als Vertreter der Provinz. Wir stehen nur für Roda JC. Wir könnten uns auch nicht vorstellen, dass Schalke 04 und der BVB zu einem Vertreter des Ruhrgebiets zusammengefügt würden. So muss man unsere Situation auch sehen.

Stadionwelt: Wäre es für Euch überhaupt vorstellbar zum FC Limburg zu gehen. Wenn ja: Unter welchen Umständen? Und wenn nicht: Was wäre die Alternative? Ein Fanverein wie United of Manchester?
Urlings: Sobald der Fusionsverein da ist, hört der Verein, zu dem wir stehen und den wir lieben, auf zu bestehen. Es ist nicht denkbar, dass wir zu diesem neuen Verein gehen werden. Alternativen gibt es wohl. So gibt es eine feste Freundschaft mit Alemannia Aachen. Viele gehen jetzt schon regelmäßig nach Aachen, um Spiele zu gucken. Das wäre also auf jeden Fall eine Möglichkeit. Das Neugründen von Roda JC Kerkrade wäre eine andere und da wird auch schon informell drüber geredet. Interesse wäre genug da.

Stadionwelt: Es gab vor einigen Jahren schon einmal einen Fusionsversuch, oder? Damals war sogar Maastricht noch als dritter Club im Bunde.
Urlings: Stimmt. Damals wurde zum Glück nichts draus, weil die Pläne zu früh an die Öffentlichkeit gelangten. MVV war auch nur unter der Bedingung das Maastricht die Spielstadt wird, bereit an Verhandlungen teilzunehmen. Auch dieses Mal haben sie erklärt, allein weiter machen zu wollen. Leider will unser Verein aus irgendeinem Grund wohl über eine Fusion reden. Wir verstehen nicht warum. Fortuna Sittard ist so gut wie pleite. Wenn die Fusion nicht stattfindet, wird der Verein auf jeden Fall pleite sein. Wir verstehen nicht, dass Roda JC das nicht einfach abwartet. In unseren Augen sollte der Verein sich viel mehr für ein selbständiges Fortbestehen stark machen. Vereine wie FC Groningen und FC Twente haben auch Konkurrenten in der eigenen Region, aber treten als der Verein der Region auf. Wir haben einen Vereinsvorsitzenden, der immer nur sagt, dass wir es auf eigene Kraft nicht schaffen können. Wir finden das absolut falsch.

Stadionwelt: Die aktive Fanszene hat sich gegen die Fusion positioniert. Was gab es bisher an Aktionen?
Urlings: Wir haben eine Aktion gehabt, wo wir Formulare verteilt haben, über die Dauerkarteninhaber ihre Dauerkarte abgeben können, wenn es zu einer Fusion kommt. Bis jetzt haben 3.000 Leute das Formular ausgefüllt. Außerdem haben wir probiert die Medien einzuschalten. Leider sind die lokalen Medien, Limburgs Dagblad, Dagblad de Limburger und der Fernsehsender L1, pro FC Limburg, was für uns auch unbegreiflich ist. Aktionen von FC Limburg Gegnern werden als Aktionen einer „kleinen Minderheit, die nicht rationell nachdenken kann“, abgestempelt. Auch werden wir als gewalttätig bezeichnet. Das macht es für uns schwierig, um den „normalen“ Gegner bei unseren Aktionen einzubeziehen. Außerdem haben wir verschiedene Spruchbänder gemacht und bald wird es einen Protestmarsch geben. Bei diesem Protestmarsch probieren wir so viele prominente Roda-Leute wie möglich, beispielsweise frühere Spieler, mitzubekommen. Des Weiteren haben wir Poster drucken lassen, die wir in großen Mengen verteilen. In Kneipen, Sportvereinen und bei Leuten zuhause können diese Poster aufgehängt werden.

Die aktive Szene ist gegen die Fusion zum FC Limburg.<br />Bild: Maximillian Wittmann“ loading=“lazy“></p>
<p class=Die aktive Szene ist gegen die Fusion zum FC Limburg.
Bild: Maximillian Wittmann

Stadionwelt: Wie würde der „normale” Stadiongänger voraussichtlich zu dem Projekt stehen?
Urlings: Wie gesagt sind die Medien für eine Fusion. Sie haben das auch öffentlich zugegeben. Die Artikel in den Zeitungen und im Fernsehen sind auch alle pro Fusion. Man könnte es schon fast mit Propaganda vergleichen. Den Leuten wird vorgegaukelt, dass bei einer Fusion ein Spitzenverein entsteht. Hiervon kann keinesfalls die Rede sein, aber der durchschnittliche Leser/Zuschauer glaubt es. Und das obwohl Roda trotz relativ vieler Erfolge nie viel Geld gehabt hat. Die Region ist nicht gerade reich und es gibt verhältnismäßig hohe Arbeitslosigkeit. Es ist undenkbar, dass bei einer Fusion auf einmal Millionen eingenommen werden. Bei der Dauerkartenaktion und in diversen Internetforen liest man aber, dass die Befürworter glauben, dass der neue Verein auf einmal Champions League spielen wird. Das obwohl von Sponsoreinnahmen von ungefähr 24 Millionen Euro gesprochen wird − Roda JC Kerkrade hat diese Saison einen Etat von zwölf Millionen. Mit 24 Millionen wäre es trotzdem nur der achthöchste Etat von Holland. Leider lassen die Medien solche Fakten links liegen. Übrigens wäre auch ein Etat, womit man die CL erreichen könnte, für uns kein Grund, um einer Fusion zuzustimmen. Wir sind für Roda und nicht für Erfolge.

Stadionwelt: Habt Ihr mitbekommen, ob die Sittard-Fans ebenfalls etwas unternommen haben?
Urlings: Bei denen hat es auch Aktionen in der Form von Spruchbändern gegeben. Ansonsten sind deren Aktionen etwas gewalttätiger. Die haben zum Beispiel die Fenster von ihrem Vereinsvorsitzenden eingeworfen und Gebäude beschmiert. Sonst wissen wir eigentlich weniger darüber Bescheid, ob die was unternommen haben.

Stadionwelt: Zum Abschluss erzähl uns doch bitte noch kurz etwas über die Fanszene bei Roda. Wie stellt die sich momentan dar?
Urlings: Wir haben drei Fanclubs. Alle drei haben ihre eigene Identität. Die offizielle Supportersvereniging ist für den „normalen“ Fan da. Sie organisiert eigentlich nur Busfahrten zu Auswärtsspielen. 1998 wurde das Fanproject Kerkrade gegründet. Es vertritt die aktiven Fans und mehr oder weniger den harten Kern. Auch das Fanproject organisiert Busfahrten, aber auch Choreos und Aktivitäten für Fans wie zum Beispiel ein Jährliches Fußballturnier. Der dritte Fanverein sind die West Side Ultras. Auch sie organisieren Busfahrten und probieren des Weiteren vor allem die Stimmung in Stadion durch Fahnen, Trommeln und Choreos zu verbessern. Im Prinzip müsste die Stimmung im Stadion noch viel besser sein und auch der Support bei Auswärtsspielen lässt zu wünschen übrig. Hoffentlich platzt die Fusion und die Leute sehen in Zukunft ein, dass sie mehr hinter ihrem Verein stehen müssen. (Stadionwelt, 02.12.2008)

Poster gegen die Fusion.<br />www.rodajcfans.nl“ loading=“lazy“></p>
<p class=Poster gegen die Fusion.
www.rodajcfans.nl

Die klassischen Farben des Clubs würden vermutlich weichen müssen.<br />Bild: www.die-eisernen.de“><figcaption>Die klassischen Farben des Clubs würden vermutlich weichen müssen.<br />Bild: www.die-eisernen.de</figcaption></figure>
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