„Wir stehen für alle Fans ein“

Faszination Fankurve 15.04.2009 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In Belgien hat sich im Februar eine landesweite Fanorganisation gegründet, die alle Fanszenen zusammen an einen Tisch holen möchte und es scheinbar schafft alle zu vereinigen. Stadionwelt sprach mit den Gründern von Football for Fans.

Stadionwelt: Kürzlich wurde die Fanorganisation „Football for Fans“ gegründet. Weshalb war ein landesweites Fanbündnis notwendig?
Football For Fans: Der belgische Fußballverband hat sich entschieden die Liga ab der nächsten Saison zu reformieren. So wird es dann zusätzlich Play-Offs geben, die nach der regulären Saison ausgespielt wird. Wir konnten es nicht länger einfach nur hinnehmen, wie über die Köpfe der Fans hinweg entschieden wird. Wir verstehen sogar die Meinung, dass sich der belgische Fußball weiterentwickeln und die Liga mit ihren Anforderungen weiter wachsen muss. Aber manche Entscheidungen darf man nicht ohne Berücksichtigungen der Fans durchführen. Ohne die Fans ist Fußball nichts!

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<p class=Protest der KSV Roeselare- Fans
Alle Bilder: Football for Fans

Stadionwelt: Was sind die konkreten Ziele?
Football For Fans: Vor allem fordern wir die folgenden Punkte ein:
1. Die gleichen Eintrittspreise für jeden Fan überall in Belgien. Bisher gibt es noch die Möglichkeit bei fünf Spielen in der Saison den Preis anzuheben, so entstehen die so genannten Top-Zuschläge. Des Weiteren müssen die Ticketpreise der Auswärtsfans, denen der Heimfans angeglichen werden und es muss zusätzlich möglich sein, bereits im Vorfeld der Saison zu erfahren, wie hoch die Eintrittspreise der jeweiligen Spiele der Saison sein werden. 2. Möchten wir die gleichen Stadionregeln für jedermann, auch für die fanatischen Anhänger eines Vereins. Die Auswärtsfans dürfen bei den Regelungen nicht länger benachteiligt werden. Und auch hier soll es möglich sein bereits vor der Saison die Stadionregeln einzusehen. 3. Die Abschaffung der neuen Play-Offs. Diese werden nach der normalen Saison ausgespielt und belasten die Fans somit zusätzlichen mit Mehrkosten und Zeitaufwand. Für Fans, die gerne Fußball im Fernsehen ansehen ist dies bestimmt eine feine Sache, aber für echte Fans ist es das definitiv nicht. Durch die Einführung dieser Play-Offs gerät die eigentliche Saison total in den Hintergrund. Kleine Vereine haben auch nicht das Budget 50 Spiele in einem Jahr zu bestreiten, um damit eventuell die Chance auf einen Platz im internationalen Geschäft zu wahren. Mit der Entscheidung ein paar Weniger wird die gesamte Tradition aus über 100 Jahren belgischen Fußball verworfen. Wer braucht Fußball an Weihnachten – kein Fan, sondern nur das Fernsehen. Durch solche Entscheidungen wird der Leistungsunterschied zwischen der ersten und der zweiten Liga in Belgien nur noch größer. Das dürfen wir nicht einfach so hinnehmen. 4. Dürfen die Fans keine Nachteile durch die TV-Übertragungen davon tragen. Das bedeutet konkret, keine Freitag- oder Montagabendspiele oder fanunfreundliche Anstoßzeiten an den Wochenenden. Außerdem möchten wir keine überflüssigen Kombi-Regelungen bei der Anreise, so dass die Fans einmal einen kurzen Weg alleine zum Stadion gehen dürfen und das andere Mal von Polizisten eskortiert in einen Bus gequetscht werden und mit großem Umweg zum Stadion gebracht werden. Und als letzten Aspekt liegt uns die Vergabe der Stadienverbote sehr am Herzen. Hier muss es endlich genaue Regelungen geben. In der Vergangenheit konnte man diesbezüglich viel zu viel Willkür wahrnehmen. Es fehlen landesweite Stadionverbotsrichtlinien und eine Transparenz bei der Vergabe.

Auch die Storm Ultras aus Charleroi nehmen an dem Projekt teil<br />“ loading=“lazy“></p>
<p class=Auch die Storm Ultras aus Charleroi nehmen an dem Projekt teil

Stadionwelt: Welche Gruppen nehmen an der Organisation teil und wie war die Resonanz bisher?
Football For Fans: Wir versuchen alle Gruppen aller Ligen zusammen an einem Tisch zu bringen. Es sitzen Vertreter der größeren Szenen, wie Lüttich, Charleroi, Anderlecht und Brügge direkt neben den Gruppen der unteren Ligen. Folgende belgische Fangruppierungen arbeiten momentan mit uns zusammen:

1st division:
Standard de Liège -> Ultras Inferno, PHK
RSC Anderlecht -> Mauves Army
Club Brugge -> Blue Army
KRC Genk -> Drughi , Geneche
Cercle Brugge -> Ultras Bryggja
SV Zulte Waregem -> Colono Boys
KV Mechelen -> Malinwa Fanatics, Malinwa Catholics, The Originals
Germinal Beerschot -> Armata Viola
KSV Roeselare -> Roslar Army, Black Star Ultras
KAA Gent -> Buffalo Fan Team
KVC Westerlo -> Westel Die Hards
RAEC Mons -> Ultras Mons
KSC Lokeren OV -> Front 282
Excelsior Mouscron -> Supporters
Sporting Charleroi -> Storm Ultras

2nd division:
Sint-Truidense VV -> Truisense Sfeer Group
Royal Antwerp FC -> Red Army
UR Namur -> Namur Boys
RFC Liège -> Sang & Marine
KV Oostende -> Kustboys
Lierse SK -> Yellow Black Army
OH Leuven -> Supporters

3th division:
Union Saint-Gilloise -> Union Bhoys
La Louvière -> Green Boys
Eendracht Aalst -> Onion Party Crew

4th division:
Berchem Sport -> Supporters
KSK Hasselt -> Q-side
Patro Eisden -> Parto Fanatics
Verbroedering Geel ->Supporters

Stadionwelt: Gibt es Gruppen, die sich nicht beteiligen? Und wenn warum?
Football For Fans: Ja, diese gibt es auch. Aber das sind Gruppen, die nicht mehr aktiv und organisiert Teil der Kurve sind. Hier fehlen einfach die Kontakte und eben die Organisation unter einander in der Kurve, um konstruktive Mitarbeit leisten zu können.

Stadionwelt: Gab es schon vorher Fanorganisationen in Belgien?
Football For Fans: Jein, vor ein paar Jahren gründeten einige Ultragruppen die Tribune Libres (Anm. D. Red. Freie Tribünen)-Organisation. Aber diese war mehr für die Ultragruppen gedacht. Sie forderten gleiche Stadionregeln in ganz Belgien und mehr Rechte für die Kurve. Wir stehen für alle Fans ein, nicht nur eine bestimmte Gruppe von fanatischen Anhängern. Was aber nicht heißen soll, dass sie unsere Aktionen nicht mittragen. Eher im Gegenteil, sie bringen einen Großteil der Ideen ein und alle beteiligten Gruppen kooperieren mit ihnen. Die Zusammenarbeit ist wirklich sehr gut, weshalb wir auch einige ihrer alten Ziele übernommen haben.

Die Fans in Mechelen machten mit einer Blockfahne auf Football for Fans aufmerksam<br />“ loading=“lazy“></p>
<p class=Die Fans in Mechelen machten mit einer Blockfahne auf Football for Fans aufmerksam

Stadionwelt: Seid Ihr bereits mit Aktionen an die Öffentlichkeit getreten?
Football For Fans: Unsere erste landesweite Aktion fand am letzten Februar-Wochenende statt. Hier wurde erstmalig unser Namen und unser Logo überall in den belgischen Stadien präsentiert. Bereits zwei Wochen später haben wurde dann damit begonnen mit Spruchbändern auf unsere Ziele aufmerksam zu machen.

Stadionwelt: Was ist diesbezüglich in Planung?
Football For Fans: Wir wollen in Zukunft auf jeden Fall auch das Gespräch mit dem belgischen Fußballverband suchen. Sofern sie bereit wären, verhandeln wir natürlich auch mit ihnen. Bis dahin werden wir als Nächstes eine Petition für unsere Ziele ins Leben rufen, diese soll aufzeigen wie viele Leute unsere Ziele teilen und wir werden stets in den belgischen Stadien präsent sein. (Stadionwelt, 15.04.2009)

Mehr Informationen über Football for Fans gibt es auf www.foootballforfans.be

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