Am vergangenen Sonntag trafen die beiden Istanbuler Vereine Fenerbahce und Besiktas aufeinander. Auch bei diesem Aufeinander der beiden Teams ging es heiß her. Stadionwelt war vor Ort und berichtet über die dortigen Geschehnisse.
Derbys und andere brisante Spiele in der Türkei waren in letzter Zeit von Gästefanverboten getroffen. Auch das Verbot von männlichen Zuschauern nutze der türkische Fußballverband in den letzten Monaten häufig. Zu diesem Derby waren jedoch 2.500 Gästefans aus Besiktas zugelassen. Diese setzten mit der Fähre von Besiktas in Europa nach Asien über.
Während der An- und Abreise kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Besiktas und Fenerbahce Fans. Wie am folgenden Tag auch im türkischen Fernsehen zu sehen, wurden dabei sowohl Besiktas, als auch Fenerbahce Busse von der jeweils anderen Fanszene angegriffen, sodass mehrere Scheiben zu Bruch gingen.
Im Sükrü-Saracoglu Stadion waren schon weit vor Spielbeginn lautstarke Fangesänge beider Vereine zu vernehmen. Über eine Stunde vor Spielbeginn schossen Besiktas Fans bereits eine Leuchtrakete auf das Spielfeld, sowie eine weitere vor dem Eingang zum Gästeblock ab. Die Fenerbahce Fans begrüßten hingegen ihre Mannschaft besonders ausgiebig und kreativ. Jeder Spieler wurde von den beiden mit Fener Fans gefüllten Kurven aufgefordert Richtung Kurve zu laufen, um dort das Startsignal für einen Schlachtruf zu geben. Dieser Aufforderung kam jeder Spieler nach.
Als der Anpfiff der Partie näher rückte, versuchten einige Blau-Gelbe an den abgesperrten Gästeblock zu gelangen. 20 Minuten vor Anpfiff gelang dann auch der Durchbruch durch die Polizei- und Ordnerketten. Nach einem kurzen Aufeinandertreffen am Zaun trennte die Polizei die beiden Lager wieder und verstärkte nun die Ketten.
Die Gästefans verteilten sich über Ober- und Unterrang. Zwischen den beiden Rängen hing ein Spruchband. Neben dem Spruchband hingen nur wenige Zaunfahnen. Anders das Bild bei Fenerbahce. Fangruppen mit Zaunfahnen des Rekordmeisters waren auf allen vier Tribünen vertreten.
Mit Einlaufen der Mannschaften zeigten die Fener Fans eine Papptafelchoreografie in der Hauptkurve, sowie Blockfahnen in der gegenüber liegenden Kurve und auf der Gegengerade. Das Motiv der Papptafeln war nicht genau zu erkennen. Die Blockfahnen zeigten eine Türkeifahne und blaue und gelbe Streifen. Eine weitere kleine Blockfahne zeigte den wegen Manipulationsverdacht inhaftierten Präsidenten von Fenerbahce. Sein Gesicht war noch auf vielen weiteren großen Fahnen zu sehen, die vom Stadiondach hingen. Die Besiktas Fans warteten bis kurz nach Anpfiff, um die ersten Bengalfackeln zu zünden. Immer wieder flogen Bengalfackeln zwischen den Blöcken hin und her, wenn die Fangnetze nicht im Weg waren.
Die Gesänge im Gästeblock werden fast ausnahmslos von allen mitgereisten Fans getragen. Trotz ihrer deutlichen Unterzahl machen sich die Besiktas Fans immer wieder hörbar für alle Zuschauer im Stadion bemerkbar. Auch bei Fenerbahce sind Fans auf allen vier Tribünen am Singen. Für eine besondere Lautstärke sorgen die Wechselgesänge beider Fanszenen. Den Fangesang „Fußball ist Gewalt – Fußball ist Hooliganismus“von Fenerbahce brüllte fast das gesamte Stadion.
Zur Pause eskaliert die Situation im und um den Gästeblock erneut, sodass die Polizei massiv Tränengas einsetzt. Die Besiktas Fans im Unterrang flüchten vor dem Gas und drücken in eine Ecke. In der zweiten Halbzeit flacht die Stimmung bei beiden Szenen ab. In der Halbzeit wurden erneut Bengalfackeln geworfen. Ein im Besiktas Block landendes Bengal wird von den Fener Fans bejubelt. Mindestens ein Fenerbahce Fan wird von einem Wurfgegenstand getroffen und wird mit einer Krankenliege aus dem Stadion getragen.
Das Geschehen auf dem Rasen ist schnell erzählt. Trotz vielen Fouls gibt der Schiedsrichter erst in der 42. Minute die erste gelbe Karte. Fenerbahce geht in der 14. Minute durch Yobo nach einem Eckball in Führung. Die größte Chance zum Ausgleich hat Fabian Ernst, der jedoch nur die Latte trifft. In der Nachspielzeit trifft Sow zum 2-0 Endstand, der grenzenlosen Jubel bei allen Blau-Gelben auslöst.
Die Besiktas Fans müssen nach Abpfiff noch einige Minuten im Gästeblock verweilen und sich die Spottgesänge anhören, während die Fans des Siegers nach und nach aus dem Stadion getrieben werden. Ob nach den Auseinandersetzungen beim nächsten Derby in Istanbul wieder Gästefans zugelassen sind steht in den Sternen. (Stadionwelt, 07.02.2012)
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