„Vereine müssen sich zu den DFL-Zielen bekennen“ 1/2

Faszination Fankurve 10.12.2012 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im zweiteiligen Interview mit Stadionwelt spricht Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, unter anderem über die Anträge der DFL für die Mitgliederversammlung, Pyrotechnik und Stehplätze. Der 56-Jährige glaubt an eine Verabschiedung der Anträge am 12. Dezember.

 

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Rainer Wendt

Stadionwelt: Derzeit findet in Deutschland eine große Diskussion zum Thema Sicherheit in deutschen Fußballstadien statt. Ein Thema, das auch die Polizei beschäftigt. Sind deutsche Fußballstadien sicher?
Wendt: Man kann davon ausgehen, dass wir in den deutschen Profiligen sichere Stadien haben. Es gibt aber, und das hat die DFL erkannt, durchaus Optimierungspotenzial – besonders im Ordnungsdienst.

Stadionwelt: Was genau kann auf Seiten der Ordner verbessert werden?
Wendt: Wir müssen darauf Wert legen, dass in den Ordnungsdienst keine Leute eingeteilt werden, die nicht über die nötige Qualifikation und eine zuverlässige sowie verantwortungsbewusste Arbeitsweise verfügen. Damit gehen zuverlässige Eingangskontrollen einher, die sich als verbesserungswürdig erwiesen haben.

Stadionwelt: Was fordern Sie?
Wendt: Wir müssen sicherstellen, dass zum Beispiel keine Waffen, Pyrotechnik und Utensilien zur Vermummung ins Stadion gebracht werden können. Es führt kein Weg an geschulten Ordnungskräften vorbei.

Stadionwelt: Welche Erwartungen stehen hinter der Verbesserung der Einlasskontrollen?
Wendt: Man kann langfristig hoffen, dass diejenigen, die auffällig werden, von den Zugangskontrollen der Stadien erfasst werden und nicht ins Stadion dürfen. Und sich vorher überlegen, ob sie beim nächsten Mal etwa betrunken, bekifft, vermummt oder bewaffnet ins Stadion möchten. Die Vorgehensweise ist in der Diskothek nicht anders, wo Türsteher einen Blick für die zentralen Elemente haben und die abgewiesenen Party-Gäste vor dem nächsten Besuch überlegen, was sie anders machen müssen.

Stadionwelt: Ein Großteil der Fans befürchtet Vollkontrollen.
Wendt: Wenn es in der Vergangenheit in Teilbereichen der Tribünen zu negativen Vorkommnissen gekommen ist, muss man in diesen Bereichen genauer hinschauen und die Kleidung genauer abkontrollieren. Ein wichtiger Punkt ist: Nicht jeder muss sich bei den körpernahen Kontrollen aufhalten, da diese nur dort durchgeführt werden, wo es zu gefährlichen Situationen gekommen ist.

Stadionwelt: Wer darf diese Kontrollen durchführen?
Wendt: Wenn die Untersuchungen vom Veranstalter angeordnet werden, sind die Ordnungsdienste befugt, intensive Kontrollen durchzuführen, sofern es der betroffene Zuschauer erlaubt. Eine Verneinung wäre mit einer Zutrittsverweigerung verbunden.

​Stadionwelt: Wo sollte man als erstes Hebel in Bewegung setzen?
Wendt: Es gibt nicht nur die eine Maßnahme, im Endeffekt reden wir von mehreren Baustellen. Neben der Qualifikation der Ordner und sorgfältigen Zugangskontrollen, ist von Bedeutung, dass die Mittel für die Fanarbeit ausgeweitet werden, um die bereits gut ausgeprägte Fanarbeit zu fördern. Auch der Ausbau der Videotechnik für die Polizei ist wichtig. Die jüngsten Vorkommnisse in Gelsenkirchen haben bewiesen, dass dadurch Täter klar identifiziert und Straftaten besser verfolgt werden können.

Stadionwelt: Unter anderem können Doppelhalter die Identifizierung behindern und die beste Videotechnik austricksen.
Wendt: Auf den Tribünen, wo so etwas passiert, müssen die Stadien und Vereine vorsorgen und die Fahnen verbieten. Da sind die Fans ihres Glückes eigener Schmied, ob Fahnen erlaubt oder draußen bleiben.

Stadionwelt: Die DFL hat für ihre Mitgliederversammlung 16 Anträge zum Thema Sicherheit formuliert. Wie stehen Sie den Anträgen der DFL gegenüber?
Wendt: Die DFL hat mit den Anträgen die richtigen Schwerpunkte gesetzt. Die Verbesserung der Arbeit für die Polizei, Schulung der Ordnungsdienste, Bekenntnisse der Vereine zu Ablehnung von Gewalt, Rassismus und Pyrotechnik sowie der Verstärkung der Kommunikation mit Fangruppierungen geht in die erforderliche Richtung. Für die Vereine ist es die Stunde der Wahrheit, sich zu diesen Zielen zu bekennen.

Stadionwelt: Das Konzeptpapier wurde dagegen scharf kritisiert.
Wendt: Ich glaube die Vorgehensweise der DFL war gut gewählt. Der erste veröffentlichte Entwurf ermöglichte einen gemeinsamen Dialog zwischen Clubs und Fans und aus diesem dialogischen Verfahren konnten Anträge entwickelt und gestellt werden. Ich bin zuversichtlich, dass die Anträge, kleine Änderungen eingeschlossen, auf der Mitgliederversammlung verabschiedet werden.

Stadionwelt: Die DFL möchte die Kommunikation mit Fanbeauftragten intensivieren. Was halten Sie von dieser Maßnahme?
Wendt: Es gibt vor den Partien Sicherheitsbesprechungen, wo alle, Polizei, Feuerwehr, Veranstalter und Sicherheitsdienst teilnehmen, sich gemeinsam vorbereiten und die Lage einschätzen. Dass die DFL sich vorgenommen hat, die Zusammenarbeit mit den Fanbeauftragten zu vertiefen ist begrüßenswert, da er wesentlicher Bestandteil ist. Der Beauftragte ist ein intimer Kenner der Szene, kennt die Begeisterung, aber auch die negativen Stimmungen und erhält richtigerweise die Möglichkeit sich einzubringen.

Stadionwelt: In den Medien war zu lesen, dass Sie sich gegen Stehplätze ausgesprochen haben. Was erhoffen Sie sich von dieser Maßnahme?
Wendt: Da wurde der Kern meiner Aussage pauschalisiert und nicht richtig wiedergegeben. Es ist doch vernünftig und muss im Interesse des Vereins liegen, zu überlegen, Stehplätze für eine gewisse Zeit oder sogar eine ganze Saison zu entfernen, wenn aus den Kurven vermehrt Störungen ausgegangen sind, die nicht unter Kontrolle gebracht werden können. Denn wenn die Leute sitzen, ist es ruhiger. Von den Stehplätzen geht die besondere Stimmung in den Stadien aus und die Überlegung schließt nicht ein, dass wir sie nicht bräuchten – aber eben nur da wo es friedlich ist. (Stadionwelt, 10.12.2012)

Im zweiten Teil (ab 18 Uhr) spricht Rainer Wendt unter anderem über den geforderten Sicherheits-Euro, Schnellverfahren im Stadion und Einsatzgelder für die Polizei

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