Vor Saisonstart der obersten drei Ligen befragt Faszination Fankurve alle Vereine dieser Ligen. Mit Rainer Mendel, Fanbeauftragter beim 1. FC Köln, sprach Faszination Fankurve ausführlich über AGFankultur und die rechtliche Situation bei Stadionverboten.
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Faszination Fankurve stellt allen Fanbeauftragten die gleichen sechs Fragen zu Fanutensilien, Sicherheitsdebatte, erlaubten Fanutensilien, Kartenvorverkauf und Stadionverbotsvergabepraxis.
Faszination Fankurve: Am 12. Dezember 2012 wurde in Frankfurt von den DFL-Mitgliedern ein neues Sicherheitspapier verabschiedet. Welche Auswirkungen hatte dieses Papier auf den bisherigen Spieltagsablauf in der vergangenen Rückrunde und welche Änderungen wird es in der Saison 2013/14 geben.
Rainer Mendel: In der vergangenen Rückrunde haben wir keinerlei negative Auswirkungen des Sicherheitspapiers auf die Fans des 1. FC Köln feststellen können. Wir gehen nach heutigem Stand davon aus, dass sich dies auch in der nächsten Saison so fortsetzen wird. Wir werden aber natürlich die Entwicklung weiter beobachten.
Faszination Fankurve: Ist bei Ihrem Verein in den letzten Monaten und Jahren ein Anstieg der Gewalt zu beobachten?
Mendel: Es ist kein Anstieg der Gewalt zu beobachten. Im Gegenteil: In der vergangenen Saison gab es keine großen nennenswerten Vorkommnisse.
Faszination Fankurve: Gibt es zur kommenden Saison Änderungen bei den erlaubten Fanutensilien für Gästefans? Welche Fanutensilien sind den Gästefans, von Risikospielen abgesehen, erlaubt (Trommeln, Fahnen, Blockfahnen, Doppelhalter, Megaphone…)?
Mendel: Es wird keine Änderungen geben. Erlaubt sind weiter kleine und große Fahnen, Schwenkfahnen, Doppelhalter, Megafone, Trommeln und Zaunfahnen. Darüber hinaus gehende Fanutensilien, beispielsweise für Choreos, werden situationsbedingt nach Rücksprache erlaubt. Bei uns greift wie gewohnt das sogenannte St. Pauli-Modell. Anfragen zu Fanutensilien müssen im Voraus wie bisher zentral über den jeweiligen Fanbeauftragten des Gastvereins erfolgen.
Faszination Fankurve: Wie ist der aktuelle Stand beim Verkauf von Dauer- und Tageskarten im Vergleich zu den letzten Jahren?
Mendel: Das Dauerkartenkontingent ist mit 25.000 Tickets nahezu unverändert. Es wurden lediglich circa 500 Tickets gekündigt. Wir gehen davon aus, dass diese Karten in der Verkaufsphase für Vereinsmitglieder wieder abgesetzt werden. Was die Tageskarten angeht, haben unsere treuen Anhänger in der vergangenen Saison erneut ihre Erstklassigkeit unter Beweis gestellt: Im Schnitt strömten 40.646 Fans ins RheinEnergieStadion, womit sich der FC als einziger deutscher Zweitligist unter die Top 30 der europäischen Zuschauerrangliste geschoben hat.
Faszination Fankurve: Wie ist bei Ihrem Verein das aktuelle Vorgehen bei der Vergabe von bundesweit gültigen Stadionverboten, gibt es beispielsweise ein Anhörungsrecht und wie wird über ein Stadionverbot entschieden?
Mendel: Bei dem Thema „Stadionverbote“ gibt es immer viel Diskussionsbedarf und auch viele Missverständnisse. Dies liegt vor allem daran, dass sehr fachspezifische zivil- und strafrechtliche Elemente unwissentlich vermengt werden, obwohl sie unterschiedlichen Regeln folgen.
Aufgrund der Tatsache, dass sich der 1. FC Köln zu einer aktiven, facettenreichen und friedlichen Fankultur bekennt, haben wir uns vor einigen Monaten als soziale Gemeinschaft mit gesellschaftlicher Verantwortung zur Aufgabe gemacht, die Thematik durch das Einrichten einer Stadionverbotskommission professionell aufzuarbeiten, diese Missverständnisse auszuräumen und die Fankultur als maßgeblichen Teil des Vereinslebens zu schützen.
Ein Stadionverbot ist keine Vereins- oder Verbandsstrafe. Es ist nicht einmal eine Strafe. Es ist ungeheuer wichtig, das zu verstehen. Bei einem Stadionverbot handelt es sich auch ausdrücklich nicht um eine staatliche Sanktion für ein strafrechtlich relevantes Verhalten. Es ist auch kein Repressionsmittel, sondern eine Präventivmaßnahme auf zivilrechtlicher Grundlage, mit welcher einem Betroffenen für einen bestimmten Zeitraum untersagt wird, ein Fußballstadion zu betreten, damit künftig von ihm keine sicherheitsrelevanten Risiken im Zusammenhang mit der Durchführung von Fußballspielen ausgehen können.
Dies ist in der Vergangenheit oft falsch interpretiert beziehungsweise dargestellt worden.
Die Kommission setzt sich daher aus vereinsinternen und -externen Teilnehmern und Experten verschiedener Fachbereiche zusammen. Vertreten sind ein Strafrichter, der Fanbeauftragte, der Sicherheitsbeauftragte, der Stadionverbotsbeauftragte, ein Mitgliederratsvertreter, sowie eine Sozialpädagogin. Den Vorsitz der Kommission hat ein Justiziar inne.
Maßgabe der Kommission ist ein sozialnachhaltiger Umgang mit und die Integration von auffällig gewordenen Fans. Im Vordergrund stehen hierbei das Schutzbedürfnis friedlicher Fußballfans und das allgemeine Interesse an einem gefährdungsfreien und reibungslosen Ablauf einer Fußballveranstaltung, insbesondere auch durch die angemessene Ausübung des Hausrechts.
Fans und Mitglieder, die ein Stadionverbot erwarten oder von dritter Seite bereits erteilt bekommen haben, werden von der Stadionverbotskommission gemäß den bestehenden Richtlinien des DFB angehört. Nach gemeinsamer Beratung wird anschließend der Geschäftsführung des 1. FC Köln eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen ausgesprochen. Diese Empfehlung kann beispielsweise die Länge eines Stadionverbots betreffen, oder auch Auflagen hinsichtlich einer Verkürzung eines eventuell bereits bestehenden Stadionverbots. Darüber hinaus berät die Kommission die Geschäftsführung zu weiteren Maßnahmen (z. B. Geltendmachung von Regressansprüchen) im Rahmen von eingeleiteten Gerichts- oder Ermittlungsverfahren und bei allgemeinen Vergehen gegen die Stadionordnung.
Faszination Fankurve: Was sind weitere Themen, die Ihr Verein gerade mit den eigenen Fans diskutiert oder die die Fanszene allgemein beschäftigen?
Mendel: Um einen dauerhaften, direkten und zielführenden Austausch zu gewährleisten haben wir im Juli 2012 die AG Fankultur ins Leben gerufen. Unter der Leitung des Richters Thomas Schönig sitzen sowohl Vertreter der größten Ultragruppierungen als auch Vertreter der größten Fanclubs mit weiteren Fan- und Vereinsvertretern an einem Tisch. Froh sind wir auch, dass wir mit Wolfgang Bosbach, dem Vorsitzenden des Innenausschusses des Deutschen Bundestags, einen ausgewiesenen Experten aus der Politik gewinnen konnten. In dieser AG Fankultur tauschen wir uns monatlich in einem offenen Dialog über alle relevanten Themen aus. Dies hat den Vorteil, dass aktuelle Fragestellungen kurzfristig diskutiert und besprochen werden können. Regelmäßig stattfindende Stammtische mit Vereinsmitgliedern und Offiziellen sowie direkte FanClub Besuche runden die offene und transparente Kommunikation ab. (Faszination Fankurve, 07.07.2013)
Bild: Stadionwelt





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