Im Interview mit Faszination Fankurve stand die Rot-Schwarze Hilfe aus Nürnberg Rede und Antwort. Sie ist die wohl bekannteste Fanrechtshilfegruppe in Deutschland und half schon bei mehreren Vereinen bei der Gründung einer solchen Hilfe.
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Faszination Fankurve: Im Jahr 2007 habt ihr eure Arbeit aufgenommen. Was war der Anlass für die Gründung der Rot-Schwarzen Hilfe (RSH)?
Rot Schwarze Hilfe: Einen speziellen Anlass gab es nicht. Die Idee, Geld im Vorfeld zu sammeln und Personen somit schneller helfen zu können, kam von Ultras Nürnberg 1994.
Faszination Fankurve: Wie hat sich die RSH seitdem entwickelt?
Rot Schwarze Hilfe: Ende 2006 gab es die ersten Arbeitstreffen. Ziel war es, die Rot-Schwarze Hilfe als eigenständige Organisation für alle Glubbfans zu etablieren. Das ist uns gelungen; weder beim Vorstand noch bei den Mitarbeitern herrscht ein Übergewicht von Ultras.
Die Mitgliederzahlen steigen stetig und zeigen, dass die RSH in Nürnberg notwendig und nicht wegzudenken ist.
Faszination Fankurve: Wie darf man sich eure Arbeit genau vorstellen? Wie viele Leute beteiligen sich an dem Projekt und welchen Background haben sie?
Rot Schwarze Hilfe: Der Vorstand besteht aus insgesamt fünf Personen, die alle einen unterschiedlichen Fanbackground haben. Die Aufgabengebiete sind für jeden abgesteckt und reichen von Vermittlung von Anwälten, Vertretung bei Anhörungen bei Stadionverboten, präventiven Infoveranstaltungen, der Erreichbarkeit der Hotline an Spieltagen bis zur Betreuung der Homepage und der Mitgliederverwaltung. Wir treffen uns einmal die Woche zur Besprechung. Hier ist auch unser Anwälte anwesend.
Faszination Fankurve: Mit euren Recherchen zum Thema V-Männer in der Fußballfanszene habt ihr ein brisantes Thema angesprochen, das anschließend sogar vom Spiegel aufgegriffen wurde. Wie überrascht ward ihr vom Einsatz von V-Männern in der Fanszene?
Rot Schwarze Hilfe: Gerüchte gab es ja schon immer. Als wir zum ersten Mal davon mitbekommen haben, waren wir trotzdem ziemlich baff. Innenminister Hermann stritt eine Existenz von V-Männern stets ab. Durch die Recherche des Spiegels konnte dies widerlegt werden.
Faszination Fankurve: In welchen Fällen konntet ihr schon helfen beziehungsweise was würdet ihr als euren größten bisherigen Erfolg bezeichnen?
Rot Schwarze Hilfe: Da wir nur mit geringen Mitteln gegen eine fußballfeindliche Lobby von Politik, Presse und Polizei arbeiten, freut uns jeder Sieg, den wir erringen können.
Faszination Fankurve: In welcher Situation konntet ihr gar keine Hilfe leisten?
Rot Schwarze Hilfe: Helfen kann man immer. Die meisten Fans haben kein juristisches Fachwissen und sind froh, von unseren Anwälten über Ihre Rechte aufgeklärt zu werden.
Strafbefehle und Stadionverbote können aber auch wir nicht wegzaubern. Gerade bei SVs sind wir auf einen vernünftigen Gesprächspartner des jeweiligen Vereines angewiesen.
Faszination Fankurve: Muss man bei euch Mitglied sein oder steht die Hilfe allen Fans eures Vereins offen?
Rot Schwarze Hilfe: Auch als Nichtmitglied kann man sich gerne an uns wenden. Eine finanzielle Unterstützung für Anwaltsrechnungen gibt es nur für zahlende Mitglieder. An Heimspieltagen sind wir für Gästefans ebenfalls erreichbar.
Faszination Fankurve: Gibt es andere Ausschlusskriterien, warum ihr einem Fan die Hilfe verweigert?
Rot Schwarze Hilfe: Finanzielle Unterstützung gibt es nur für Anwaltsrechnungen. Wir zahlen keine Strafen. Bei Fällen mit Graffiti oder bei Personen, die mit Steinen oder Flaschen auf andere Menschen werfen, verweigern wir diese Hilfe.
Demo gegen Hausdurchsuchungen in Nürnberg
Bild: Fazination Nordkurve
Faszination Fankurve: Beim Thema Rechtshilfegruppen von Fußballfans nehmt ihr sicherlich eine Pionierrolle ein. Was ist eure Empfehlung an andere Fanszenen, in denen bisher keine Rechtsgruppe existiert und welche Hilfestellungen gibt es von eurer Seite für andere Szenen?
Rot Schwarze Hilfe: Dass wir andere Fanszenen überzeugen konnten, ähnliche Hilfs- und Solidargemeinschaften zu gründen, macht uns stolz. Wir haben bereits zwei bundesweite Infoveranstaltungen abgehalten und bereits mehrere Treffen in anderen Städten besucht. Für jede Szene, die keine Rechtshilfe hat, kann unser Aufruf nur lauten: Aktiv werden! Wir stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.
Faszination Fankurve: Hatte sich die Verabschiedung des DFL-Sicherheitspapiers bereits auf die Repression, die auf eure Fanszene ausgeübt wird, ausgewirkt?
Rot Schwarze Hilfe: Geringere Anzahl an Auswärtskarten, Betretungsverbote, Bannmeilen und entwürdigende Einlasskontrollen gab es schon vor dem 12.12. Mit dem Sicherheitskonzept sind die Schikanen nun leichter zu begründen und durchzusetzen. Unser Auswärtsspiel in Frankfurt mit dem willkürlichen Zaunfahnenverbot und den anschließenden Übergriffen durch die Polizei zeigt, wohin die Reise gehen soll. (Faszination Fankurve 04.08.2013)
Bild: Fazination Nordkurve





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