„Strafenkatalog wie im Straßenverkehr“

Faszination Fankurve 09.06.2014 0 Kommentare

Foto: Nordkurvenfotos.de

Im Interview mit Faszination Fankurve fordert Thomas „Tower“ Weinmann, Fanbeauftragter bei Borussia Mönchengladbach, seitens des DFB einen Strafenkatalog, was einzelne Fanvergehen kosten sollen. Außerdem erklärt Tower warum Pyro im Stadion nichts zu suchen hat.

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Faszination Fankurve: Hat sich bei der Mitnahme von Fanutensilien in Ihrem Verein etwas geändert?
Thomas „Tower“ Weinmann: Nein, hier hat sich nichts geändert.

Faszination Fankurve: Ein Fanthema der letzten Zeit ist der Anstieg bei Eintrittspreisen vor allem für Gästesektoren. Sehen Sie das als echtes Problem oder ist Fußball in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern immer noch mehr als bezahlbar?
Tower: Absolut kein Problem und durch „Kein Zwanni!“-Initiative immer noch bezahlbar.

Faszination Fankurve: Oftmals wird von Außenstehenden wahrgenommen, dass der Kontakt zwischen Verein und der Fanszene immer problematischer wird bzw. zum Teil nicht mehr existent ist. Wie sehen Sie das allgemein und vor allem im Hinblick auf Ihren Verein?
Tower: Bei uns herrscht ein Top-Kontakt und es gibt keine Probleme.

Faszination Fankurve: Letztes Jahr haben die Clubs der 1 bis 3. Liga Strafen in Höhe von ca. 1,7 Millionen Euro nach Fanaktionen zahlen müssen. Die Vereine reagieren unterschiedlich, immer mehr versuchen die Strafe auf die Verursacher zu übertragen. Gibt es dazu einen „Königsweg“?
Tower: Nein, das Problem ist das der DFB die Strafen kumuliert, d.h. wenn einer Verein fünf Mal wegen eines Becherwurfs verurteilt wird, wird die Strafe immer höher. Der sechste Werfer wird erwischt und auf ihn legt man dann ausgerechnet die viel zu hohe Strafe um. Es muss einen klaren Strafenkatalog geben wie im Straßenverkehr! Wenn jemand drei Mal über Rot fährt erhält er ja auch jeweils nur 150 € und 2 Punkte und nicht immer mehr.

Faszination Fankurve: Die Gewerkschaft der Polizei forderte zuletzt, dass alle Vereine von der ersten bis zur fünften Liga Fanbeauftragte einrichten und entsprechend ausstatten. Was halten Sie von dieser Forderung?
Tower: Die Forderung ist unrealistisch, da kleinere Vereine keine Budgets haben. In der zweiten Liga ist es ja jetzt schon für Ahlen, FSV Frankfurt und Sandhausen ein Problem. Man müsste eine Kennzahl anhand der Anzahl auswärtsfahrender eigener Fans ermitteln. 500 Auswärtsfahrer gleich ein Fanbeauftragter, 2.000 Auswärtsfahrer gleich zwei Fanbeauftragte usw.

Faszination Fankurve: Beim Revierderby und beim Spiel Kaiserslautern gegen Dynamo Dresden waren zuletzt weniger als 10 Prozent Gästefans erlaubt. Dies ist seit dem 12.12.2012 erlaubt. Spielt ihr Verein mit dem Gedanken bei manchen Spielen weniger Gästefans zuzulassen?
Tower: Nein. es war allerdings schon nach den alten Regelungen vorher „erlaubt Es hat nur keiner gewusst, geschweige denn angewendet.

Faszination Fankurve: Die Mehrheit der Strafen hat mit dem Einsatz von Pyrotechnik zu tun. Seit Jahren ist der Einsatz von Pyro das zentrale Thema, ohne dass sich etwas bewegt. Lässt sich überhaupt eine Lösung finden?
Tower: Sicher, die betroffenen Fans und Fangruppen müssen endlich einsehen das Pyro beim Fußball, in geschlossenen Fanbereichen, schon gar in engen Stehplatztribünen, nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen hat. Ich kann auch nicht mit 100 durch die Stadt fahren und sagen: „Ich kann das aber, ich gefährde keinen!“ Verboten ist es trotzdem und womit? Mit Recht! Weil alle Menschen vor dem Gesetz (also auch der Stadionordnung die dem Schutz der Zuschauer dient) gleich sind und nicht manche gleicher.

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„Verboten ist es trotzdem und womit? Mit Recht!“
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Faszination Fankurve: Was waren die relevanten Fanthemen in Ihrem Verein/Fanszene in der vergangenen Saison?
Tower: Viele tolle Choreos und gute Stimmung. Es gab keine großen Probleme!
Faszination Fankurve: Im März 2010 wandten sich die Fanbeauftragten nach einem Treffen in Bochum in einem offenen Brief an die Fanszene. Damals hieß es in dem Brief: „Pyrotechnik, zunehmende Gewalt, gegenseitiges Berauben und das anschließende Präsentieren der geraubten Fanartikel sind Fehlentwicklungen, die wir nicht wünschen und die uns zunehmend Sorge bereiten. Vor allem Teile der Ultra-Szenen schaden dadurch sich selbst und am Ende allen Fans. Ihr seid verantwortlich für euch, eure Fanszene und die Fankultur, die ihr am Leben erhalten wollt. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie sich die Fankultur von innen heraus selbst zerstört.“ Hat sich die Situation seit damals verbessert?

Tower: Unwesentlich, durch nach wie vor uneinsichtige und egoistische Fans und Fangruppen, die immer wieder gerne vergessen das nicht sie der Mittelpunkt der Fußballwelt sind und dass es Menschen gibt die Verantwortung übernehmen müssen, wenn etwas passiert, wie zum Beispiel die Geschäftsführer oder Veranstaltungsleiter der Vereine. Vielleicht sollten die Pyromanen schriftlich erklären, dass sie persönlich für alle Dinge haften, die mit ihrem Tun in Verbindung stehen, dann könnte man vielleicht über alles reden. Nur das macht doch keiner! (Faszination Fankurve, 09.06.2014)

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„Verboten ist es trotzdem und womit? Mit Recht!“
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