Faszination Fankurve veröffentlicht das erste Interview mit der bundesweiten Kampagne „Nein-zu-RB!“. Die Initiatoren standen und Rede und Antwort zu den Zielen der Kampagne, zu den Fanszenen, die den Anstoß dazu gegeben haben und zu zukünftigen Aktionen der Kampagne.
Faszination Fankurve: Wer kam auf die Idee zur Gründung der Kampagne „Nein zu RB“?
Nein-zu-RB: Im Prinzip hatten sich mehrere Szenen ihre Gedanken im Vorfeld zur Saison im Bezug auf die Thematik RB Leipzig gemacht. Den Anstoß zur szeneübergreifenden Vernetzung gab schließlich Kaiserslautern. Das erste Treffen fand in Darmstadt statt.
Faszination Fankurve: Welche Fanszenen beteiligen sich an der Kampagne?
Nein-zu-RB: Eine aktuelle Unterstützerliste findet sich auf unserer Homepage.
Faszination Fankurve: Können sich auch Fanszenen, deren Vereine nicht in der 2. Bundesliga spielen der Kampagne anschließen?
Nein-zu-RB: Ja, das Ziel der Kampagne ist es alle Fanszenen mit ins Boot zu holen.
Faszination Fankurve: Was sind Eure Ziele?
Nein-zu-RB: Das erstrebenswerteste Ziel wäre natürlich Red Bull zu einem Rückzug aus dem deutschen Fußball zu bewegen oder mindestens den DFB und die DFL zu konsequenterem Durchgreifen im Hinblick auf beispielsweise Lizenzvergabe und –auflagen oder Transferpolitik von RB Leipzig zu bringen.
Das realistischste Ziel ist in erster Linie Aufklärungsarbeit zu leisten und eine kritische Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das „Produkt“ RB Leipzig sowie dementsprechend eine kritische mediale Berichterstattung zu schaffen.
Die Isolation von RB Leipzig im Profifußball durch gemeinsame Aktionen ist ebenso ein realistisches Ziel. Hierfür müssten sich natürlich auch die Vereine beteiligen, sodass in jeder Hinsicht keine Kooperation mit RB Leipzig zustande kommt und dieses Konstrukt weder gestärkt noch akzeptiert wird.
Auch wenn ein kompletter Rückzug von Red Bull vermeintlich unmöglich erscheint, muss zumindest ein weiterer derartiger Einstieg eines dominanten Investors bei einem Verein verhindert werden.
Faszination Fankurve: Die DFL hat RB Leipzig letztlich die Lizenz, trotz vorheriger Auflagen, für die zweite Bundesliga erteilt. Sind Gespräche mit DFL und DFB ein Ziel, um den Aufstieg weiterer Vereine mit einem ähnlichen Modell zu verhindern?
Nein-zu-RB: Gespräche sind zwar noch nicht geplant aber durchaus vorstellbar (eventuell in Verbindung mit ProFans oder Unsere Kurve) um möglicherweise eine Art „Financial Fair Play“ auch in Deutschland durchzusetzen, was folglich RB Leipzig und zukünftige „Marketing-Clubs“ stark einschränken könnte
Bildergalerie zu diesem Beitrag
Fans aus Kaiserslautern ergriffen die erste Initiative zur Kampagne. Alle beteiligten Fanszenen vom ersten Aktionsspieltag gibt es oben in der Galerie.
Bild: www.der-betze-brennt.de
Faszination Fankurve: In Hannover gehen die Ultras nur noch zu den Amateuren. Ähnlich sieht es in Hamburg aus, wo die Chosen Few zur dritten Mannschaft geht und frustrierte Fans den HFC Falke e.V. gegründet haben. Ist ein Rückzug in die unteren Ligen eine mögliche Lösung, um dem modernen Fußball zu entkommen?
Nein-zu-RB: Die Frage ist weder szeneübergreifend noch für alle Fußballfans eines Vereins zu beantworten. Jeder muss für sich selbst entscheiden in wie fern die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs individuell noch ertragbar und ob eine Teilnahme überhaupt noch vertretbar ist.
Faszination Fankurve: Der Verein RB Leipzig wurde 2009 gegründet. Der Aufstieg in die Bundesliga war damals schon abzusehen. Warum formiert sich erst jetzt ein so breiter Widerstand?
Nein-zu-RB: Gedanken hatten sich wie bereits gesagt schon länger viele Szenen/Vereine gemacht; einzelne Aktionen gab es auch bereits bei zahlreichen Spielen in den vergangenen Jahren. Eine gemeinsame Kampagne blieb allerdings bis jetzt aus. Tatsächlich formierte sich ein so breiter Widerstand erst, da die Zweitligisten nun direkt betroffen sind und sich einig waren, dass nur ein gemeinsames Vorgehen zum Ziel führen kann.
Faszination Fankurve: Ist Euer Kampf gegen Red Bull nicht ein Kampf gegen Windmühlen?
Nein-zu-RB: Prinzipiell haben einige Fanszenen schon etwas erreicht: Durch Fanproteste musste ein Testspiel zwischen dem VfB Stuttgart und RB Leipzig abgesagt werden. Red Bull kann noch so viel Geld in den Verein RB Leipzig pumpen, eine allgemeine Akzeptanz, unabhängig vom individuellen Stadionbesucher, ist jedoch nicht zu erkaufen.
Faszination Fankurve: Zum Start der 2. Bundesliga fand ein Aktionsspieltag statt. Wer hat sich alles beteiligt?
Nein-zu-RB: Die teilnehmenden Gruppen und Vereine vom ersten Spieltag sieht man oben in der Galerie.
Faszination Fankurve: Wann wird es den nächsten Aktionsspieltag geben?
Nein-zu-RB: Die Kampagne steht erst am Anfang! Weitere Aktionsspieltage sind geplant.
Faszination Fankurve: Häufig hört man, dass der Profifußball in Deutschland vollständig kapitalistischen Interessen dient und somit jeder Verein seinen Gewinn maximiert. Was unterscheidet RB Leipzig, Eurer Meinung nach, von anderen Vereinen?
Nein-zu-RB: Auffälligster Unterschied ist natürlich die Mitgliederstruktur von RB Leipzig: zum ersten Mal kontrollieren im deutschen Profifußball nur Angestellte des Hauptsponsors den kompletten Verein. Die 50+1 Regel schließt dies bei ausgegliederten Profiabteilungen aus; ausgenommen sind hiervon jedoch eingetragene Vereine, zu denen RB Leipzig gehört.
Der Verein RB Leipzig wurde von Red Bull gegründet um Werbung für das eigene Produkt zu machen. Der Vereinsname und das Logo verdeutlichen dies: Das (in Deutschland einmalige) Vereinskürzel „RB“ weist klar auf den Sponsor hin; das Logo von RB Leipzig ist lediglich eine schwach abgewandelte Form des Red Bull Firmenlogos.
Folglich steht bei RB Leipzig allein der Marketing bzw. Werbe-Charakter im Vordergrund. Weder in Hoffenheim noch beispielsweise in Wolfsburg wird so aggressiv für das eigene Produkt geworben.
Überhaupt agiert Red Bull auch in Sachen Fußball global: Mit Vereinen in Salzburg (und Umgebung), Brasilien und New York stehen Red Bull im Bezug auf Ausbildung junger Talente und Verpflichtung neuer Spieler ganz andere Möglichkeiten zu als anderen Vereinen was dementsprechend zu einer groben Wettbewerbsverzerrung führt.
Faszination Fankurve: Am ersten Spieltag boykottierten Teile der VfR Aalen Fanszene das Auswärtsspiel bei RB Leipzig. Zahlreiche andere Fanszenen zeigten Spruchbänder gegen den Leipziger Verein. Welche weiteren Protest- und Aktionsformen werden in Zukunft angewendet?
Nein-zu-RB: Jede Szene/jederVerein plant für sich selbst weitere Aktionen, die natürlich alle unter dem Namen der Kampagne agieren sollen.
Faszination Fankurve: Gibt es Überlegungen zur Organisation einer bundesweiten Demonstration gegen RB Leipzig?
Nein-zu-RB: Nein, bisher nicht. (Faszination Fankurve, 06.08.2014)
Bild: www.der-betze-brennt.de




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