Faszination Fankurve sprach mit Torsten Schultze, Einsatzleiter bei Heimspielen von RB Leipzig, die als Risikospiel eingestuft wurden. Wir sprachen mit ihm u.a. über Boykotte, gewalttätige Fans bei RB Leipzig und Übergriffe. Uns verrät er welche Partien der Hinrunde Risikospiele sind.
"Diese Spiele stehen bei uns besonders im Fokus"
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Faszination Fankurve: Wie verlief das Spiel zwischen RB Leipzig und Erzgebirge Aue aus Polizeisicht?
Torsten Schultze: Über die Gesamtzuschauerzahl waren wir wenig überrascht. Die Zahl von 5.000 bis 6.000 Aue-Fans war jedoch im Vergleich zum sonstigen Reiseverhalten der Auer Fans sehr hoch. Vor, während und nach dem Spiel kam es zu keinerlei Gewalttaten. Wir sprechen somit von einer äußerst friedlichen Veranstaltung. Vor dem Spiel kam es jedoch zu Verkehrsbehinderungen. Auf der B95 kurz hinter Borna haben Aue-Fans durch langsames Fahren bzw. Stehenbleiben einen sieben Kilometer langen Rückstau verursacht, der bis auf die Autobahn A72 reichte. Mit Hilfe eines Polizeihubschraubers wurden die entsprechenden Autos identifiziert. Für die Fahrer hatte sich damit der Besuch des Spiels erledigt. Wir ermitteln wegen Nötigung. Nach dem Spiel versuchten zwei mitgereiste Fans aus Aue die Fanschals von zwei RB Fans zu klauen. Sie gingen dabei ohne Gewalt vor. Der Diebstahl konnte verhindert werden. Die betroffenen RB Fans stammen ebenfalls aus der Region Aue. Es zeigt wie groß das Einzugsgebiet des Vereins mittlerweile ist.
Aue-Fans beim Gastspiel in Leipzig.
Bild: veilchenpower.de
Faszination Fankurve: Beim kommenden Heimspiel rufen die Fans von Eintracht Braunschweig zum Boykott des Spiels in der Red Bull Arena auf. Wird das ihre Arbeit vor Ort erleichtern?
Schultze: Ja. Unsere Hauptanstrengungen richten sich immer auf die Fantrennung. Im Stadion hat dafür der Veranstalter zu sorgen. Außerhalb des Stadions ist dafür die Polizei zuständig. Erscheint eine Fangruppe erst gar nicht zum Spiel, erübrigen sich auch die diesbezüglichen polizeilichen Maßnahmen.
Faszination Fankurve: Die Fans des Karlsruher SC haben anlässlich des Spiels in Leipzig eine Demonstration angemeldet. Nun wollen die KSC-Fans doch nicht in Leipzig demonstrieren. Welchen Einfluss hätte eine Demonstration auf ihre Aufgaben gehabt?
Schultze: Wenn sich die Fans friedlich verhalten, ist der Einfluss auf unsere Arbeit gering. Wir können die Sicherheitslage jedoch erst dann abschließend beurteilen, wenn uns ausreichend Erkenntnisse vorliegen. Erst dann können durch uns die notwendigen polizeilichen Veranlassungen getroffen werden.
Die Leipziger Zuschauer beim Spiel gegen Aue.
Bild: veilchenpower.de
Faszination Fankurve: Bei vielen Fanszenen gilt RB Leipzig als der neue Hauptfeind in Liga 2. Wie schätzen sie die Sicherheitssituation bei den Heimspielen gegen Aalen, Aue, Braunschweig und Karlsruhe im Vergleich ein?
Schultze: Heimspiele von RB Leipzig sind erstmal Massenveranstaltungen. Dabei kann es zu Verkehrsproblemen kommen, wenn z. B. Fans den Weg zum Stadion noch nicht kennen. Bei RB Leipzig gibt es keine gewalttätigen Fans der Kategorie C, also gewaltbereite und gewaltsuchende Fans. Auch durch die gesteigerten Anfeindungen gegenüber RB Leipzig ist eine Steigerung der Anzahl gewalttätiger Fans bei RB aktuell nicht zu beobachten. Auch im Bereich der Kategorie B gibt es keine besorgniserregende Entwicklung. Der Verein RB Leipzig ist weit davon entfernt Fans in seinen Reihen zu haben, die aktiv die gewalttätige Auseinandersetzung mit anderen Fangruppen suchen. Durch den Verein wird alles dafür getan, dass das auch so bleibt. Das ist sehr vorbildlich. RB Leipzig ist ein verlässlicher Partner im Rahmen der Sicherheit. Aber auch die Arbeit, die der Verein im Jugendbereich mit seinen Trainern leistet, ist sehr löblich. Das nicht nur unter der sportlichen Perspektive. Vereinsarbeit mit Kindern und Jugendlichen leistet immer auch einen Beitrag zur Prävention. Das muss man anerkennen, egal was man für eine Meinung über die erste Mannschaft des Vereins hat.
Faszination Fankurve: Auch die Fans von Eintracht Braunschweig wollen eine Demonstration in Leipzig anmelden, sollte das von den Eintracht-Fans geplante Public Viewing in Braunschweig nicht stattfinden. Ist es der Polizei nicht lieber, wenn die Eintracht-Fans in Braunschweig bleiben?
Schultze: Die eben angesprochene Fantrennung wäre dann sicherlich einfacher. Aber die Stadt Leipzig ist eine weltoffene und gastfreundliche Stadt. Polizei und Stadtverwaltung Leipzig sind dafür da, die Grundrechte zu gewährleisten. Dazu zählt, dass Fans demonstrieren dürfen, aber auch, dass die Bürger der Stadt Leipzig und ihre Gäste vor Gewalttätern geschützt werden.
Aue-Fans mit diesem T-Shirt wurden in Leipzig nicht ins Stadion gelassen.
Bild: veilchenpower.de
Faszination Fankurve: Ist zu befürchten, dass Fans anderer Leipziger Vereine Auseinandersetzungen mit Fans von Zweitligavereinen suchen werden, die in Leipzig demonstrieren wollen oder Spiele in der Red Bull Arena besuchen wollen?
Schultze: Bisher gab es solche Vorfälle bei Heimspielen von RB Leipzig nicht. Sie ist aber auch nicht auszuschließen. Wir berücksichtigen dies in unserer Gefahrenprognose. Zu den Fans von Lokomotive Leipzig und Chemie Leipzig kann man sagen, dass manche auch zu den Heimspielen von RB Leipzig ins Stadion gehen. Auch dort gibt es Leute, die an dem Fußball der zweiten Liga interessiert sind.
Faszination Fankurve: Welche Spiele in der Hinrunde stuft die Polizei als Sicherheitsspiele ein?
Schultze: Letztlich hängt es wie gesagt davon ab, wie viele und welche Fans anreisen. In der Hinrunde haben wir von der Polizei Leipzig die Spiele gegen Eintracht Braunschweig, den Karlsruher SC und das Heimspiel gegen den FC St. Pauli als Sicherheitsspiel eingestuft. Unsere Erfahrungen im Zweitligafußball liegen aber schon eine Weile zurück. Hierbei handelt es sich um eine grobe Planung, die sich noch ändern kann. Diese genannten Spiele stehen bei uns jedenfalls besonders im Fokus und wir werden uns intensiv darauf vorbereiten.
Faszination Fankurve: Ihre Einordnung einer Partie als Sicherheitsspiel hat möglicherweise Einfluss darauf, wie viele Fans nach Leipzig reisen. Fans, die z.B. wie die Fans von Eintracht Braunschweig ein Public Viewing organisieren wollen, erhalten dazu von dem Rechteinhaber, der DFL, nur in Ausnahmefällen die Genehmigung. Eine Einstufung des Spiels als Sicherheitsspiel ist dabei obligatorisch. Ist es nicht absurd, dass somit Spiele, die Sie als Sicherheitsspiel einstufen nachher die friedlichsten Spiele sein könnten, da womöglich gar keine Gästefans anreisen?
Schultze: Wenn nur die Fans von RB Leipzig im Stadion sind ist unsere Arbeit eine ganz andere. Dann wird es sicherlich ein eher ruhiger Tag für mich und meine Kollegen, denn ein Gewaltpotenzial gibt es bei RB, wie eben beschrieben, nicht.
RB Leipzig Fans beim Auswärtsspiel in München am 2. Spieltag.
Bild: Claude Rapp – www.cr-fotos.de
Faszination Fankurve: Wurden Fans von RB Leipzig in letzter Zeit verstärkt von Fans anderer Vereine angegriffen?
Schultze: Nein. Ich kann jedoch nur zu den Heimspielen von RB Leipzig Aussagen treffen. Dass es zu Versuchen kommt Schals und Zaunfahnen von gegnerischen Fußballfans zu stehlen, ist bundesweit zu beobachten. Das ist kein spezifisch Leipziger Problem. Wir versuchen solche Übergriffe, besonders nach den Heimspielen von RB Leipzig, zu verhindern. Das haben wir in der Vergangenheit gemacht und werden es auch in Zukunft tun. (Faszination Fankurve, 10.09.2014)
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Bild: Claude Rapp – www.cr-fotos.de




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