Fanhilfen & Polizei äußern sich zu Auseinandersetzungen

Faszination Fankurve 28.10.2018 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Nachdem es gestern im Gästeblock des Westfalenstadions zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hertha BSC-Fans und der Polizei kam (Faszination Fankurve berichtete), haben sich die Fanhilfen aus Dortmund und von Hertha BSC in einer gemeinsamen Stellungnahme zu den Vorfällen zu Wort gemeldet. 

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Die Pyroaktion zu 15 Jahren Hauptstadtmafia.
Bild: robertliedschulte

Nach Einschätzung der Fanhilfen aus beiden Fanszenen hat die Polizei mit ihrem Verhalten für eine Gewalteskalation gesorgt: „Zum Jubiläum der Gruppe 'Hauptstadtmafia' wurden dort einige Fackeln und Rauchtöpfe gezündet, was die Polizei zum Anlass nahm sinnloserweise den Gästeblock zu betreten und durch eine Beschlagnahmung von Zaunfahnen, dem Wichtigstem jedes Fanclubs, eine Gewalteskalation herbeizuführen. Als einige Fans dies verhindern wollten, sorgte die Polizei mit Pfefferspray und Schlagstock auf einen Schlag für mehr Verletzte, als im Westfalenstadion vermutlich jemals durch Pyrotechnik verursacht wurden. Wenn man sich dann vor Augen führt, dass es sich beim Zünden von zugelassenen pyrotechnischen Gegenständen um eine bloße Ordnungswidrigkeit handelt, wird einem bewusst, dass die Dortmunder Polizeiführung erneut zahlreiche unbeteiligte Betroffene in Kauf nimmt, um den vermeintlich harten Hund zu markieren. Der Einsatz von Pfefferspray in einem voll besetzten Block kann nicht nur auf vermeintliche Störer beschränkt werden, sondern trifft jeden Fan, der sich in der Nähe befindet – diese unverhältnismäßige Maßnahme hätte durchaus zu einer Massenpanik führen können. Deswegen sind Polizeieinsätze wegen Pyrotechnik in anderen Stadien nicht üblich, während in Dortmund eine lange und für alle Beteiligten gefährliche Auseinandersetzung provoziert wird. Statt mögliches Fehlverhalten im Nachgang durch die hochgelobte Kameratechnik zu verfolgen, wird von der Polizeiführung ein vollkommen überzogener Einsatz veranlasst. Wieder einmal stellt sich die Frage, ob die Dortmunder Polizei statt für Sicherheit zu sorgen, nicht vielmehr eine Gefahr für die Sicherheit der Stadionbesucher darstellt“, heißt es dazu in der gemeinsamen Stellungnahme der Fanhilfen.

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Zerstörte Toilette im Gästeblock des Westfalenstadions.
Bild: Polizei Dortmund

Laut Angaben der Fanhilfen aus Dortmund und Berlin wurden bei den Auseinandersetzungen mehrere Hertha-Fans verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. „Bezeichnenderweise wurden viele Hertha-Fans erneut körperlich angegangen, als sie das Westfalenstadion zur Halbzeit verlassen wollten. Zurzeit werden nach unseren Informationen mehrere Gästefans im Krankenhaus behandelt. Die Fanhilfe Dortmund leistete in enger Absprache mit der Fanhilfe Hertha B.S.C. sowie den Mitarbeitern der Fanprojekte und Fanbetreuungen zeitnah Nothilfe und konnte so weitere Gewaltausbrüche verhindern. Es ist zu erwarten, dass im Nachgang zahlreiche Anzeigen getätigt werden, wohlgemerkt gegen die Fans im Gästeblock und nicht gegen die Auslöser der Ausschreitungen. Wir rufen daher alle Zuschauer im Umfeld des Gästeblockes auf uns Gedächtnisprotokolle und möglicherweise wichtige Filmaufnahmen zukommen zu lassen. Die nächsten Tage werden wir Nutzen um den Polizeieinsatz in allen Einzelheiten zu durchleuchten und möglicherweise strafbares Verhalten zu dokumentieren“, erklärten die Fanhilfen dazu weiter. Nach Angaben des Fanprojekts Dortmund sollen auch viele Polizeibeamte gegenüber dem Fanprojekt Unverständnis über den Polizeieinsatz geäußert haben.


Auch die Polizei Dortmund hat sich zu den Vorfällen zu Wort gemeldet und bestätigt, dass ein Teil der Fahne, die von der Hauptstadtmafia zum Intro eingesetzt wurde, beschlagnahmt wurde. „Im Schutz einer genehmigten Choreografie vermummten sich Berliner Straftäter und zündeten massive Pyrotechnik in Form von Rauchtöpfen, Bengalos und Blinkern. Die massive Rauchentwicklung insbesondere im Oberrang der Nordtribüne führte dazu, dass sich in der Verletztensammelstelle insgesamt 10 unbeteiligte Besucher der Veranstaltung mit Verletzungen der Atemwege meldeten die ärztlich versorgt werden mussten. Nachdem die Fahne im Anschluss durch die Berliner vor dem Block abgelegt wurde, sollte diese zur Verhinderung weiterer Straftaten sichergestellt werden. Hierbei wurden die einschreitetenden Polizeikräfte Kräfte massiv mit Tritten und Faustschlägen attackiert und mit teilweise abgebrochenen Fahnenstangen angegangen. Dieses Verhalten wurde konsequent durch den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock unterbunden. Ein Teil der Fahne ist sichergestellt worden. Eine Polizistin wurde dabei leicht verletzt“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei Dortmund, die weiter öffentlich machte, dass Hertha BSC-Fans die Toiletten im Gästeblock des Westfalenstadions zerstörten. „In der Halbzeitpause verließen die Berliner Straftäter ihren Block und zogen sich unter die Tribüne zurück. Hier wurden zwei große Sanitäranlagen komplett zerstört und einschreitende Polizeikräfte mit zerstörter Sanitärkeramik, abgetretenen Toilettentüren und abgebrochenen Fahnenstangen durch vermummte Straftäter erneut angegriffen. Auch Absperrgitter wurden in Richtung von Einsatzkräften geworfen. Bevor die Straftäter festgesetzt werden konnten, zogen sie sich wieder in den Fanblock zurück. Bei den Ausschreitungen unter der Tribüne wurden vier Einsatzkräfte leicht verletzt.“

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Die Pyroaktion zu 15 Jahren Hauptstadtmafia.<br />
<p class=Beschlagnahmte Fackeln und Fahnenstangen.
Bild: Polizei Dortmund

Weiter bestätigte die Polizei, dass der überwiegende Teil der verletzten Personen auf den Pfeffersprayeinsatz zurückzuführen ist. „Insgesamt kam es im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zu 45 verletzten Personen. 35 mussten nach Pfeffersprayeinsatz behandelt werden, 10 Personen auf Grund von Gewaltanwendung. Einige Personen wurden zur weiteren ärztlichen Versorgung dem Krankenhaus zugeführt. Alle verletzten Polizeibeamten verblieben dienstfähig“, heißt es dazu von der Polizei Dortmund. Die Polizeibeamten ermitteln nun wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte, tätlichen Angriffs auf Polizeivollzugsbeamte und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. (Faszination Fankurve, 28.10.2018)