Auf der Webseite des DFB beantwortete Fritz Keller gestern häufig gestellte Fragen zum sogenannten 3-Stufen-Plan, der neuerdings auch auf Aktionen angewendet wird, die der Verband als „personifizierte Gewaltandrohung“ versteht. Der DFB-Präsident gab dabei zu, dass am vergangenen Wochenende teilweise zu sensibel reagiert wurde.
Die Kohorte Ultras aus Duisburg zeigten am Sonntag in Meppen ein Plakat, auf dem „Hat der Dietmar genug Kohle – wird zu seinem Schutz und Wohle – von Leuten, deren Wort nichts wert – Mal wieder jemand ausgesperrt“ geschrieben stand. Dieses Spruchband soll sogar angemeldet und genehmigt gewesen sein und enthielt keinerlei Beleidigung und auch keine Gewaltandrohung. Trotzdem wurde das Drittligaspiel, das wegen eines Plakats der SV Meppen-Fans unterbrochen wurde, wegen des Spruchbandes der Duisburger Ultras erst Mal nicht fortgesetzt.
Bildergalerie zu diesem Beitrag
Das Spruchband der Kohorte Ultras in Meppen.
Bild: stimmungsblock.blogspot.de
In Berlin wurde das Bundesliga-Heimspiel von Union gegen den VfL Wolfsburg am gleichen Tag erstmals unterbrochen, als das Wuhlesyndikat auf der Waldseite ein Spruchband präsentierte, auf dem „2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht!“ geschrieben stand. TSG-Mäzen Hopp wurde dabei nicht beleidigt, dennoch kam es zu einer Unterbrechung und damit zur ersten Stufe des Plans. Als die Ultragruppe HammerHearts später Hopp im Fadenkreuz zeigten und eine Beleidigung aussprachen, wurde die zweite Stufe angewendet, obwohl es zu diesem Zeitpunkt eigentlich erst zu ersten Unterbrechung hätte kommen dürfen.
Das Spruchband des Wuhlesyndikats beim Heimspiel von Union Berlin gegen Wolfsburg.
Bild: Hänsch/www.unveu.de
„In den meisten Stadien wurde die Regelung sehr gut umgesetzt. […] Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass bei einzelnen Partien zu sensibel reagiert wurde. Wenn in Berlin Fangruppen ihren Unmut gegenüber Entscheidungen des DFB mit einer harten Wortwahl zum Ausdruck bringen, muss das der DFB selbstverständlich aushalten. Und auch gegen kreative Spruchbänder, wie sie von Fans des MSV Duisburg zu sehen waren, ist nichts einzuwenden“, gesteht DFB-Präsident Keller diese Fehler ein. Auch bei der Bekanntgabe des Treffen der AG Fankulturen hat der DFB bereits Fehler eingeräumt. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.
Faszination Fankurve berichtete).
Während mehrere Ultragruppen zuletzt erklärten, dass die Abbildungen von TSG Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp im Fadenkreuz zu einem Symbol geworden sei, dass man nicht als Gewaltaufruf interpretieren solle, wird dies beim DFB jedoch weiterhin als solche verstanden, wie Keller gestern nochmal deutlich machte. Zudem setzte Keller die Fadenkreuz-Aktionen erneut in einen Zusammenhang mit den rassistischen Morden von Hanau. Aussagen von Vereinsoffiziellen und Journalisten in diese Richtung stießen in den vergangenen Tagen bereits auf deutliche Kritik aus verschiedenen Fanszenen (Faszination Fankurve berichtete). (Faszination Fankurve, 04.03.2020)


