Die Corrillo Ultras haben zum Heimspiel des SC Freiburg gegen den 1. FSV Mainz 05 auf das Thema „Sexualisierte Gewalt im Kontext Fußball“ aufmerksam gemacht. Seit dem DFB-Pokalfinale am 21. Mai 2022 sei es beim Sport-Club zu mindestens sechs Vorfällen sexualisierter Gewalt gekommen.
Die Ultragruppe des SC Freiburg klärte deshalb gestern auf, was sexualisierte Gewalt ist, richtete einen Appell an männliche Sport-Club-Fans und rief das gesamte Fanlager auf, betroffenen Personen Hilfe anzubieten.
In Richtung des SC Freiburg wurde die Aufforderung untermauert, dass man ein lokales Handlungskonzept zum Thema sexualisierte Gewalt für das Mooswaldstadion brauche. Neben Informationsplakaten zeigten die SC Freiburg-Fans gestern Spruchbänder zu diesem Thema. „Seit dem Pokalfinale mind. 6 Übergriffe – mind. 6 zu viel.“, „Es reicht! Schluss mit sexuellen Übergriffen! Hinschauen – Eingreifen – Hilfe holen“, „SCF eure Untätigkeit kotzt uns an! Haltung zeigen gegen sexualisierte Gewalt! Ausarbeitung eines Handlungskonzepts jetzt!“, „Maul auf gegen Sexismus – Sexisten auf’s Maul“ und „An die Männer, die es nicht checken: Haltet die Klappe und lasst eure Finger bei euch!“, war darauf zu lesen.
Die Fans des 1. FSV Mainz 05 zeigten bei der gestrigen Bundesliga-Partie eine „Immer unterwegs mit dir – samstags um halb Vier“-Choreografie. (Faszination Fankurve, 02.10.2022)
Faszination Fankurve dokumentiert den Aufruf der Corrillo Ultras:
Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt – beim Fußball und anderswo!
Sexualisierte Gewalt im Kontext Fußball
Seit dem Pokalfinale kam es bei Heim- und Auswärtsspielen des Sport-Club in verschiedenen Bereichen des Stadions zu mindestens sechs Vorfällen sexualisierter Gewalt, von denen wir Kenntnis erlangt haben. Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle und dies dürfte nur ein Bruchteil dessen sein, was vor allem Frauen Spieltag für Spieltag im Stadion und drumherum erleben müssen. Das ist unerträglich.
Was ist sexualisierte Gewalt?
Zu sexualisierter Gewalt zählen etwa verbale Übergriffe oder Gesten, zum Beispiel unerwünschte Berührungen oder körperliche Annäherungen, anzügliche Äußerungen über das Aussehen, Reduzieren auf Geschlecht und sexuelle Attraktivität, anhaltendes Anstarren oder Hinterherpfeifen, das Zeigen pornografischer Inhalte, aber auch Entblößen, versuchte oder erfolgte Penetration, bis hin zu Vergewaltigung.
Was können wir machen?
Keine Arschlöcher sein! Das geht vor allem an die Männer: Lasst eure Finger bei euch und haltet eure Schnauze! Aber das reicht nicht: Wir alle müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sexualisierte Gewalt am Spieltag ein Problem ist und gemeinsam daran arbeiten. Wenn ihr Übergriffe beobachtet, solidarisiert euch mit den Betroffenen, bietet eure Hilfe an oder holt euch Unterstützung bei umstehenden Fans oder dem Ordnungsdienst.
Von den Verantwortlichen beim Sport-Club Freiburg e.V. erwarten wir, dass sie dieses Problem endlich ernst nehmen und anerkennen. Sie müssen umgehend ein lokales Handlungskonzept ausarbeiten. Bereits vor Jahren wurde ein auf den Sport-Club Freiburg e.V. abgestimmtes Konzept zur Prävention und Intervention öffentlich vorgestellt. Passiert ist seitdem nichts.
Der Verein muss ein Netzwerk zum Umgang mit sexualisierter Gewalt aufbauen und Mitarbeiter:innen und Fans für das Thema sensibilisieren. Es braucht ein funktionierendes Beschwerdemanagement, für das geschulte Ansprechpartner:innen mit einem Rückzugsraum am Spieltag unerlässlich sind.
Falls ihr betroffen seid und Unterstützung braucht, könnt ihr euch beispielsweise an die Beratungsstelle Frauenhorizonte [0761/2858585] wenden.
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