„Unser SSV steht über dem Einzelnen“: Szene E gibt Statement zur Saison 2022/23 ab

Faszination Fankurve 03.07.2023 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Die Szene E meldet sich in einem Statement zur abgelaufenen Saison 2022/2023 zu Wort, die für den SSV Reutlingen mit dem knappen Klassenerhalt endete. Die Ultras stellten am Ende des letzten Spiels der Oberliga den Support ein, erklärten nun, warum dieses symptomatisch für die Saison war und stellten Forderungen auf, wie es mit dem SSV 05 weiter gehen könnte.

Außerdem übt die Szene E in der Stellungnahme Kritik an der Mannschaft und Vereinsführung des SSV Reutlingen, findet aber auch lobende Worte für positive Entwicklungen. Weiter wird aber auch das Umfeld des Vereins, speziell die Auswüchse der Kritik auf Social Media, und die lokale Presse kritisiert.

Die Ultragruppe stellte Eckpunkte mit konkreten Vorschlägen zur Zukunft des Vereins zusammen. (Faszination Fankurve, 03.07.2023)

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Faszination Fankurve dokumentiert das Statement der Szene E:

Statement zur Saison 2022/23

Der Ball ruht nun. Seit gut vier Wochen ist die Saison mit dem Minimalziel Klassenerhalt abgeschlossen. Viel wurde in den vergangenen Wochen geschrieben, gepostet und gesagt. Wir sind der Meinung, dass es an der Zeit ist, das Geschehene etwas geradezurücken und unsere Sicht darzustellen.

Das letzte Spiel in Nöttingen war in vielerlei Hinsicht symptomatisch. Wir konnten trotz allem einen nahezu voll besetzten Bus zum Auswärtsspiel schicken. Im Stadion wartete gleich die erste Farce auf uns: Während der groß inszenierten Verabschiedung von Nöttinger Spielern, die im Vorfeld der letzten Partie stattfand und über 15 Minuten andauerte, beschlossen wir nach einigen Minuten, uns das nicht länger anhören zu wollen, und fingen an zu singen. Irritierte Blicke unserer Spieler sowie die Aufforderung, den Support einzustellen, waren die Folge. Ausgerechnet von den Spielern, die unseren Verein so nah an den nicht abschätzbaren Abgrund gebracht hatten, wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Das Spiel begann und wir gerieten immer mehr unter die Räder. Nach dem vierten Gegentreffer war für einige von uns genug gute Miene zum bösen Spiel gemacht und einzelne Gruppenmitglieder stellten sich nach oben in den Block. Um die 85. Minute zogen dann auch die restlichen Unerschütterlichen die Reißleine und stellten den Support ein. Eine Mannschaft mit dieser Leistung ist es nicht wert, unterstützt zu werden. Nach dem Abpfiff entlud sich der geballte Frust, als sich unsere Spieler weigerten, sich zur Rede zu stellen und sich zunächst direkt in Richtung Kabinen verkrochen. Erst nach mehrfachen und deutlichsten Aufforderungen kamen sie zurück an den Block und hörten sich unsere Ansage an. Das Spiel zeigt, wie groß die Frustration und auch die Entfremdung zwischen Fans und Mannschaft geworden ist.

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Um es klar zu sagen: Wir fühlen uns verarscht. Wir stellen auch nach 13 Jahren Woche für Woche die bestmögliche Unterstützung auf die Beine, sorgen für Kulissen, wie es sie nirgends in der Oberliga zu finden gibt und singen selbst in den ausweglosesten Situationen noch weiter. Dennoch bekommen wir Woche für Woche elf Spieler auf dem Feld zu sehen, denen es zu großen Teilen völlig egal ist, was mit unserem Verein passiert. Wir wollen daran erinnern, dass jeder Spieler einen Vertrag unterschrieben und sich zum Einsatz für unseren Verein verpflichtet hat. Zu oft war das Gegenteil der Fall und unsere Mannschaft spielte lustlos und desinteressiert. Das ist weit mehr vereinsschädigend als vieles, was uns in der Vergangenheit alles schon angekreidet wurde!

Natürlich muss die Frage nach der Ursache und der Verantwortung gestellt werden. Wir sehen durchaus respektable Ergebnisse der Gremien in der Vereinsarbeit. Die Schulden wurden enorm verringert, infrastrukturell steht der SSV so gut da wie lange nicht mehr und die Außendarstellung, auch gegenüber Sponsoren, wurde endlich auf ein seriöses Fundament gestellt – um nur drei Beispiele zu nennen. In und um den Verein wird Großes geleistet und das gehört anerkannt! Von allen!

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Nichtsdestotrotz darf man auch die Vereinsführung hinterfragen. Am drängendsten ist sicherlich das Thema Trainerwechsel in der Winterpause. Wohingegen man in der Regel einen frischen Wind nach einem Trainerwechsel spürt, versank unsere Mannschaft danach immer tiefer im Sumpf. Es gibt sicherlich gute Gründe für den Rausschmiss, aber zum einen war die Kommunikation für Außenstehende unverständlich und warf bei manchen noch mehr Fragen auf, zum anderen blieb eine sportliche Bestätigung dieser Entscheidung komplett aus.

Es gibt also durchaus berechtigten Grund zur Kritik. Absolut unberechtigt dagegen ist die „Kritik“, wie sie in fataler Weise in den sozialen Medien und von den altbekannten „Bruddlern“ geäußert wird. Hier meinen Leute, sich äußern zu müssen, die das Stadion, wenn überhaupt, dann nur zu den Derbys von innen gesehen haben und seit Jahren nur dadurch auffallen, die Stimmung um den Verein herum zu vergiften. Leider sind auch genügend bekannte Leute, die sich selbst teilweise sogar zu unserer Fanszene zählen, dabei. Die Lust am Destruktiven scheint das Einzige zu sein, was diese Leute antreibt. Wir sind der Meinung, dass jemand, der auf keiner Ebene auch nur einen Finger für den Verein krumm macht, keine Berechtigung zu dieser Form der Kritik hat.

Doch wie soll es nun weitergehen? Dazu haben wir die folgenden Forderungen:

Unser SSV steht über dem Einzelnen – dieser Satz aus dem Leitbild unseres Vereins wird in vielen Bereichen bereits gelebt. Es ist nun an der Zeit, ihn auch auf die erste Mannschaft zu übertragen. Jeder Spieler steht in der Pflicht für unseren Verein und kein einziger Spieler steht über ihm. Lassen wir uns nicht weiter verarschen von Spielern, denen ihr Ego wichtiger ist als der sportliche Erfolg!

Unser SSV steht über dem Einzelnen, das gilt genauso für das Umfeld des Vereins. Kein Zeitungsredakteur, Online-Kommentarschreiber und auch sonst niemand hat sich zu profilieren, in dem er über den SSV herzieht. Der SSV ist unsere gemeinsame Sache. Das gilt nicht nur für die Vereinsarbeit oder die Stimmung auf den Rängen, sondern genauso auch für sein Bild in der Öffentlichkeit.

Der Verein wurde seit Gründung des damaligen Unterstützerteams in zahlreichen Bereichen umgekrempelt und von Grund auf neu aufgestellt. Und dies teils mit beachtlichem Erfolg, wir hatten es oben ausgeführt. Es ist nun an der Zeit, den Fokus auf die erste Mannschaft zu legen und „den neuen SSV“ endlich auch hier umzusetzen. Der Leistungsgedanke, der sportliche Biss und der Erfolgshunger müssen nicht nur im sportlichen Konzept, sondern auch im Kopf jedes einzelnen Spielers zementiert werden.

Und zu guter Letzt: Wir waren bereits in der vorletzten Saison tief im Abstiegskampf, haben es aber gemeinsam als Einheit dort herausgeschafft. In dieser Saison war es deutlich brenzliger und von einer Einheit kann keine Rede sein. Wir wollen durch ehrlichen Fußball und durch Kampf und Einsatz wieder als Fans und Mannschaft zusammenrücken. Eine Saison wie diese darf sich nie mehr wiederholen!

Mit diesen Forderungen ist die Saison 2022/2023 für uns abgeschlossen. Sie stehen als Schlussstrich für die vergangene Spielzeit und sollen einen Weg in die kommende Saison aufzeigen, wie wir ihn uns vorstellen. Zusammen mit der Mannschaft wollen wir bei Null beginnen und im Verein und seinem Umfeld wieder zusammenfinden. Lasst uns gemeinsam diese Forderungen umsetzen, wieder zu einer Einheit zusammenwachsen und unseren SSV weiter aufbauen. Wir sehen uns im Stadion!
 

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