Fanhilfe aus Frankfurt stellt die Frage der Verhältnismäßigkeit
Faszination Fankurve27.11.20230 Kommentare
Foto: Faszination Fankurve
Nachdem die Polizei Frankfurt sich am gestrigen Abend nochmals zu den Vorfällen am Samstagabend im Waldstadion zu Wort meldete und eine eigene Falschmeldung beim Kurznachrichtendienst X einräumte, gab heute auch die Frankfurter Fanhilfe „Der 13. Mann“ ein Update.
Die Fanhilfe aus der Fanszene der Eintracht betont, dass es keine größere Auseinandersetzung zwischen Fans und Ordnungsdienst gegeben habe und spricht von „schockierenden Schilderungen über Gewalt durch Einsatzkräfte“.
Weiter stellt „Der 13. Mann“ die Frage nach der Verhältnismäßigkeit des Polizei-Einsatzes. Familien würden von „traumatischen Erlebnissen“ schreiben. Die Polizei habe bei ihrem Einsatz die „körperliche Unversehrtheit von tausenden Stadionbesuchern bewusst aufs Spiel“ gesetzt. (Faszination Fankurve, 27.11.2023)
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Faszination Fankurve dokumentiert das Update der Fanhilfe „Der 13. Mann“ aus Frankfurt:
27.11.: Update zum Polizeieinsatz beim Heimspiel gegen Stuttgart
In ihrer Pressemitteilung vom 26.11. schreibt die Polizei Frankfurt, dass, keine Erkenntnisse” über verletzte Fans vorliegen und ruft diese auf, sich dringend […] bei der Polizei zu melden”. Wir können davon nur abraten. Meldet euch stattdessen unter info@der-13te-mann.de und besorgt euch ärztliche Atteste zu euren Verletzungen. Auch die Stellung von Anzeigen gegen die Polizei muss der Erfahrung nach gut überlegt werden und sollte keinesfalls ohne anwaltliche Konsultation geschehen.
Weiterhin bestätigt die Polizei in ihrer Pressemitteilung den vom 13ten Mann geschilderten Auslöser des Polizeieinsatzes und gibt zu, dass über den offiziellen Twitter/X-Kanal der Polizei Frankfurt Falschmeldungen verbreitet wurden. Auch Vertretern der Medien muss spätestens damit klar sein, dass die Polizei Konfliktpartei mit Eigeninteressen ist und keine neutrale Informationsinstanz darstellt.
Nach allen uns vorliegenden Informationen und Berichten möchten wir außerdem herausstellen, dass es abseits des auslösenden Vorfalls zu keinen größeren Auseinandersetzungen zwischen Fans und Ordnungskräften kam. Die von der Polizei genannte Zahl der verletzten Ordner dürfte also mehrheitlich unter die Kategorie der, Augen- und Atemwegsreizungen” fallen, wie das auch bei der Mehrzahl der gemeldeten Verletztenzahlen unter Polizeieinsatzkräften bei vergleichbaren Einsätzen mit massiver polizeilicher Nutzung von Reizstoffen zumeist der Fall ist.
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Schockierende Schilderungen über Gewalt durch Einsatzkräfte
Die Schilderungen, die uns seit dem Samstagabend persönlich und in rund 100 E-Mails erreicht haben, sind schockierend und zeichnen ein deutliches Bild. Flächendeckend beschreiben die Menschen auch, dass ihnen beim Weg zum Stadion aus ganz unterschiedlichen Richtungen ein außergewöhnlich hohes Polizeiaufgebot aufgefallen ist. Gemeinsam mit den bundesweiten Ereignissen der letzten Wochen und der verhängten Urlaubssperre für Einsatzkräfte wegen einer Großlage beim Fußball stützt das unsere Vermutung, dass es sich hierbei um eine vorab geplante Gewalteskalation handelte.
Was ist mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit?
Uns wurde von Fans aller Altersklassen von verschiedenen Orten im Stadion zudem von unkontrollierten und grundlosen Angriffen durch Polizeibeamte berichtet. Sanitäterinnen und Sanitäter sowie Personen die Erste Hilfe leisten wollten, wurden von Polizeikräften daran gehindert und gar selbst durch Beamte bedroht und körperlich angegangen. Familien schreiben von traumatischen Erlebnissen. All das wirft-gerade nach dem nun bestätigten Auslöser des Einsatzes- zwangsläufig die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und der grundsätzlichen Rolle der Polizei auf. Eine (bereits beendete) Straftat, deren Nachverfolgung zweifelsohne durch die umfassenden Videoüberwachungsmaßnahmen möglich gewesen wäre, kann und darf niemals ein Grund sein, die körperliche Unversehrtheit von tausenden Stadionbesuchern bewusst aufs Spiel zu setzen.
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