Als die Polizei FCM-Fans stundenlang am Bahnhof festhielt und dabei Selfies im Gleisbett schoss

Faszination Fankurve 11.12.2023 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Im 11. Türchen des diesjährigen Adventskalenders blicken wir zurück auf den 20. August 2023. Einige Fans des 1. FC Magdeburg fuhren mit dem Zug in den Norden nach Kiel, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Auf der Rückfahrt hielt die Polizei 280 FCM-Fans für mehrere Stunden am Kieler Hauptbahnhof fest, kontrollierte sie und schoss nebenbei Selfies im Gleisbett.

Im Vorhinein gab es bereits am Bahnsteig Auseinandersetzungen mit der Polizei, weil die Magdeburger Fans die Türen des Zuges blockierten, um die Abfahrt zu verzögern. „Vorangegangen waren Probleme bei dem Transport der Clubfans vom Stadion zum Bahnhof. Viele Fans konnten, auf Grund der chaotischen Ausgabe der Taschen am Stadion, nicht rechtzeitig zur geplanten Abfahrt des Zugs den Bahnhof erreichen. Der Zug sollte mit der Abfahrt warten“, erklärt die Fanhilfe Magdeburg die Aktion der Fans. Die Polizei jedoch wollte für eine pünktliche Abfahrt des Zuges sorgen und sei daraufhin mit Gewalt gegen Clubfans vorgegangen. Dabei kam auch Pfefferspray zum Einsatz. Nachdem die FCM-Fans sich schließlich wehrten, habe die Polizei alle Zugfahrer einzeln kontrolliert und ihre Personalien aufgenommen. Die gesamte Maßnahme habe über drei Stunden in Anspruch genommen, heißt es von der Fanhilfe Magdeburg. Zudem habe seitens der Polizei keine Begründung für die Maßnahme gegeben, auch die eigentlich verbindliche Rechtsbelehrung der Fans durch die Beamten habe nicht stattgefunden.

Werbung

Laut Aussage der Polizeiinspektion Kiel habe die Polizei die Fans wiederholt zum Einsteigen aufgefordert, woraufhin diese die Beamten geschlagen und beworfen hätten. Dabei seien vier Beamte verletzt worden. „Um die Strafverfolgung zu gewährleisten und um weitere Straftaten zu verhindern, wurde durch die Bundespolizei die Identitätsfeststellung aller Fans angeordnet und bei über 280 Identitäten wurden festgestellt. Dabei wurden erste Tatverdächtige festgestellt, einer von ihnen war stark alkoholisiert. Diese werden sich nun wegen des Verdachtes des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und weiteren Straftaten verantworten müssen“, so die Polizeiinspektion Kiel.

https://twitter.com/fanhilfe_md/status/1693312119930814878

Umstrittene Polizei-Einsätze im Jahr 2023 im Rückblick:

Im kommenden Sommer steht die Europameisterschaft 2024 in Deutschland an. Wie schon bei der Weltmeisterschaft 2006 beobachten Fußballfans im Ligaalltag eine Zunahme von Repressionen und überharten Einsätzen der Polizei in und um die Stadien. Im diesjährigen Adventskalender von Faszination Fankurve schauen wir auf die umstrittenen Polizei-Einsätze im Kalenderjahr 2023.

Werbung

Zuletzt häuften sich Einsätze an Spieltagen, die von betroffenen Ultras, aber auch von anderen Fans in den Stadien als überhart, überzogen oder völlig daneben eingestuft werden. Bundesweit fanden solche Vorfälle zuletzt medial Beachtung. Weil, anders als im Jahr 2006, mittlerweile in vielen Fanszenen sogenannte Fanhilfen entstanden sind, findet die Sicht von aktiven Fußballfans in der Berichterstattung regelmäßiger Aufmerksamkeit. Wie schon beim letzten Großturnier in Deutschland vor über 17 Jahren sind von umstrittenen Einsätzen vor allem Fußballfans betroffen, die ihre Mannschaft zu Auswärtsspielen begleiten. Dieser Adventskalender zeigt, dass solch umstrittene Einsätze der Exekutive keine Einzelfälle sind. (Faszination Fankurve, 11.12.2023)

Faszination Fankurve dokumentiert die Pressemitteilung der Fanhilfe Magdeburg zum Thema:

Polizei in Kiel nimmt Clubfans in Sippenhaft – Fanhilfe fordert Aufarbeitung

Werbung

Der gestrige Einsatz der Polizei am Kieler Hauptbahnhof war vollkommen überzogen. Stundenlang wurden über 250 1. FCM-Fans festgehalten und wie Schwerkriminelle behandelt. Die Fanhilfe prüft rechtliche Schritte gegen die Polizeimaßnahme.

Am gestrigen Sonntag wurden knapp 250 Fans des 1. FC Magdeburg über drei Stunden lang am Kieler Hauptbahnhof festgehalten. Vorangegangen waren Probleme bei dem Transport der Clubfans vom Stadion zum Bahnhof. Viele Fans konnten, auf Grund der chaotischen Ausgabe der Taschen am Stadion, nicht rechtzeitig zur geplanten Abfahrt des Zugs den Bahnhof erreichen. Der Zug sollte mit der Abfahrt warten. Die Polizei sah das anders und wollte die Clubfans mit Gewalt in den Zug bringen. Als Folge des daraufhin entstandenen Konflikts zwischen Fans und Polizei wurden alle Zugfahrer einzeln kontrolliert und deren Personalien festgehalten, was vollkommen unverhältnismäßig ist.

Die Fanhilfe kritisiert diese Maßnahme. Obwohl Polizeieinsätze bei jedem Fußballspiel stabsmäßig geplant werden, setzt die Polizei bei aufkommenden Problemen auf Gewalt und Eskalation statt Kommunikation und Rücksichtnahme. Clubfans wurden wie Schwerkriminelle behandelt, ohne jede Begründung und Rechtsbelehrung festgehalten und kontrolliert. Das grenzt an Sippenhaft.

Ein entspannter Fußballnachmittag mit friedlicher Anreise und Auswärtssieg wurde so zu einem überzogenen Polizeieinsatz gegen Clubfans. Dem nicht genug, machten sich einige der Polizisten vor Ort einen Spaß aus der vollkommen überzogenen Maßnahme und fertigten Selfies im Gleisbett an, um dann den Clubfans die Schuld an der Sperrung des Bahnhofs zu geben. Mehr Kommunikation und Verständnis für Fankultur hätten diesen Einsatz und die Sperrung der Gleise im Vorhinein verhindert.

0 Kommentare

weitere Beiträge