„Ergebnisse der IMK verfehlen das Ziel der Deeskalation in den Stadien“
Faszination Fankurve09.12.20230 Kommentare
Foto: Faszination Fankurve
Im Nachgang der Innenministerkonferenz (IMK), bei der es auch um die Ereignisse in den deutschen Stadien in den vergangenen Wochen ging, meldet sich der Dachverband der Fanhilfen zu Wort. Die Aufarbeitung der Vorfälle sei auf der IMK sehr einseitig von statten gegangen.
Laut Auffassung der Fanhilfen hätte sich die Politik zu sehr von Forderungen der Polizeigewerkschaften leiten lassen, Fanprojekte nicht eingeladen und auch nicht über Polizeigewalt gesprochen.
Die Fanhilfen stellen konkrete Forderungen: Verbot des Einsatzes von Pfefferspray in Stadien, konsequente Verfolgung von Polizeigewalt und flächendeckende Einführung einer Kennzeichnungspflicht für alle Polizeieinheiten. (Faszination Fankurve, 09.12.2023)
Ergebnisse der IMK verfehlen das Ziel der Deeskalation in den Stadien
Die Innenministerkonferenz (IMK) hat sich über die Ereignisse in und um die Fußballstadien der vergangenen Wochen ausgetauscht. Das im Anschluss veröffentlichte Statement zeigt jedoch nur eine sehr eindimensionale Sichtweise auf die Vorkommnisse.
„Die IMK hat wie zu erwarten voreingenommen und einseitig auf die vergangenen Vorfälle rund um die Stadien zurückgeblickt. Eine kritische Aufarbeitung der völlig verfehlten, unverhältnismäßigen und gewalttätigen Polizeieinsätze gegen Fußballfans hat nicht stattgefunden. Vielmehr haben die Innenministerinnen und Innenminister sich von Populismus und den schrillen Tönen der Polizeigewerkschaften leiten lassen”, erklärt Linda Röttig vom Dachverband der Fanhilfen e. V.
Die Innenministerinnen und Innenminister wären gut beraten gewesen, zu ihren Diskussionen beispielsweise Vertreter der Fanprojekte mit hinzuzuziehen, um einen umfassenderen Blick zu erhalten. Dies wäre auch ein deutliches Zeichen, dass diese Institutionen eine wichtige Vermittlungsrolle einnehmen und es inakzeptabel ist, die Mitarbeitenden für ihre Arbeit zu kriminalisieren, wie es kürzlich in Karlsruhe passiert ist.
„Wir fordern die Innenminister auf, mit ganz gezielten Maßnahmen zur Deeskalation beizutragen. Dazu gehören das Verbot des Einsatzes von Pfefferspray in den Stadien, die Schaffung von unabhängigen Strukturen zur konsequenten Verfolgung von Polizeigewalt und die flächendeckende Einführung einer Kennzeichnungspflicht für alle Polizeieinheiten im gesamten Land”, erläutert Linda Röttig abschließend.
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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich wie folgt zur IMK:
Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, begrüßte die intensive Thematisierung der Gewalt von Ultras auf der Innenministerkonferenz (IMK) in Berlin. Aus Sicht des Bundesvorsitzenden sind die Verantwortlichen klar benannt und aufgefordert zu handeln. „Die Vereine sind aufgefordert, viel mehr für die Sicherheit in Stadien und gegen aggressive und hetzende Ultras zu unternehmen“, so Kopelke am Freitag in Potsdam.
Die Innenministerkonferenz zeige sich über das Maß an Gewaltbereitschaft besorgt und fordert die Deutsche Fußballliga auf, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen und die Richtlinien der Deutschen Fußballbundes zur Verbesserung der Sicherheit in Fußballstadien konsequent und umfänglich umzusetzen. Aus Sicht Kopelkes sei dies der richtige Weg: „Projekte wie die Stadionallianz oder Dialogformate mit Sicherheitsbeauftragten, Fans, Ultras, Polizei und GdP gab es in vergleichbaren Phasen der Vergangenheit. Diese Formate müssen wir nun schnell wieder nutzen, um rechtzeitig Friedlichkeit in die Stadien zu bringen, bevor die Europameisterschaft in Deutschland startet.“
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