In einem kritischen Nachruf haben die Horidos 1000 Ultras und Stradevia 907 der SpVgg Fürth die Schattenseiten der Laufbahn des kürzlich verstorbenen Henry Kissingers, Ehrenmitglied der Spielvereinigung und seit mehr als 25 Jahren Ehrenbürger der Stadt Fürth, beleuchtet und den Nachruf des Vereins kritisiert.
Während einer Schweigeminute, in der der Verein dem verstorbenen Kissinger gedachte, zeigten die Fans der SpVgg Fürth vor dem Spiel gegen den 1. FC Magdeburg ein Spruchband mit der Aufschrift: „In Gedenken an die Opfer von Kissingers Kriegspolitik.“ Am vergangenen Sonntag veröffentlichten die beiden Fürther Ultragruppen dann ihren kritischen Nachruf zum Tod von Henry Kissinger, in dem mehrere schlechte Entscheidungen Kissingers in seinen hohen Machtpositionen dargestellt werden, die viele zivile Opfer forderten.
Der wohl bekannteste Vorfall dieser Art sei im Zuge des Vietnamkriegs in Kambodscha passiert, als die USA das Land unter direkter Federführung Kissingers bombardierten, um Lieferwege nach Nordvietnam zu blockieren. Dieser ursprünglich geheime Angriff sei erst durch einen internen Informanten ans Licht gekommen und nicht nur völkerrechtswidrig gewesen, sondern habe auch den Tod von hunderttausenden Zivilisten gefordert. Außerdem hätten die USA durch den Angriff eine Destabilisierung Kambodschas und in deren Folge indirekt einen heftigen Bürgerkrieg ausgelöst, in dem die rote Khmer fast zwei Millionen Menschen ermordet habe. Auch am Militärputsch in Chile, sowie an weiteren Konflikten im Osttimor und in Pakistan soll Kissinger durch Waffenlieferungen oder andere Unterstützung maßgeblich beteiligt gewesen sein. Beide Ultragruppen betiteln das Ehrenmitglied der SpVgg Fürth daher als „knallharten Machtpolitiker, der vor nichts zurückschreckte, um US-amerikanische Interessen im Ausland durchzusetzen.“
Henry Kissinger hatte eine große Verbindung zur Stadt Fürth und zur Spielvereinigung. Im Jahr 1923 wurde er in Fürth als Kind jüdischer Eltern geboren und spielte im jungen Alter für die SpVgg. Zudem besuchte er in seiner Kindheit gerne Spiele der damals sehr erfolgreichen Fürther Mannschaft. Im Sommer 1938 musste er mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen. Dort startete Kissinger eine Karriere als Politiker und war so unteranderem Außenminister des Landes. Im Jahr 1973 erhielt Kissinger für die Verhandlungen zum Ende des Vietnamkriegs, schon damals äußerst umstritten, den Friedensnobelpreis. Am 29. November 2023 starb Kissinger im Alter von 100 Jahren.
In Richtung des Vereins schreiben Horidos und Stradevia: „Dass Kissingers Tod als berühmtes Mitglied natürlich eine gewisse Relevanz für unseren Verein hat und nicht zuletzt auch sein u.a. durch die Flucht vor den Nationalsozialisten beeinflusstes Verhältnis zu Deutschland in der Betrachtung hierzulande eine Rolle spielt, liegt auf der Hand. Somit ist eine ausführlichere Beschäftigung mit seiner Person absolut legitim. Wenn dabei allerdings die zahlreichen Schattenseiten seiner politischen Laufbahn, welche zum Tod von Millionen von Menschen beigetragen haben, dabei so ausgelassen werden, ist das aufs Schärfste zu kritisieren und lässt unseren Verein in einem schlechten Licht erscheinen. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass historische und personenkritische Fakten zu eigenen Promo-Zwecken hinten angestellt werden.“ (Faszination Fankurve, 12.12.2023)
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