Laut Recherchen des Sport-Kompetenzcenter der Axel Springer Verlagsgruppe soll die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Legalisierung von Pyrotechnik in der Bundeliga prüfen. Laut der Berichterstattung seien die Legalisierungs-Modelle in Österreich und Norwegen ein mögliches Vorbild für deutsche Stadien.
Die norwegischen Behörden haben Ende Juni 2024 eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die es erlaubt, Pyrotechnik in der höchsten Spielklasse des norwegischen unter bestimmten Bedingungen zu nutzen. Diese Entscheidung wurde nach intensiven Diskussionen zwischen Fußballfunktionären und den zuständigen Ministerien getroffen. Die Ausnahmegenehmigung gilt zunächst für die Saisons 2024 und 2025. Die Ausnahmegenehmigung stelle einen bedeutenden Schritt dar, um die Balance zwischen lebendiger Fankultur und Sicherheit im norwegischen Spitzenfußball zu wahren. Die effektive Umsetzung der Richtlinien und die Zusammenarbeit aller Beteiligten sei entscheidend, um die neuen Regelungen erfolgreich in die Praxis umzusetzen.
Laut der Berichterstattung aus dem Hause Axel Springer soll sich die Geschäftsführung der DFL bereits im Austausch mit dem norwegischen Ligaverband befinden. In Deutschland gab es in der Vergangenheit schon öfters die Idee zur Legalisierung von Pyrotechnik. Aktive Fanszenen und der DFB verhandelten über mögliche Pilotprojekte. Im November 2011 hatte der DFB die Diskussion um das Thema Legalisierung von Pyrotechnik jedoch abrupt für beendet erklärt (Faszination Fankurve berichtete). Die bundesweite Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ kämpfte damals mit vielen Ressourcen aus den aktiven Fanszenen für eine Legalisierung und ein entsprechendes Pilotprojekt. Laut Aussagen von Vertretern der Kampagne sollen damals mehrere Vereine für die Durchführung eines Pilotprojekts zur Legalisierung von Pyrotechnik bereit gewesen sein. Doch von den Verbänden wurde die Debatte für beendet erklärt. In den aktiven Fanszenen setzte daraufhin eine Müdigkeit bei dem Thema Pyrotechnik ein. Viele Fanszenen versuchten gar nicht mehr, mit viel Aufklärungsarbeit die Verbände von einer Legalisierung zu überzeugen und ständig Kompromisse bei dem Thema einzugehen, ohne Fortschritte zu erzielen. Schließlich lief es weiter und es wurde sogar noch mehr Pyrotechnik gezündet wie zuvor. Fast alle Fanszenen in Deutschland zünden bis heute mehrfach in der Saison Pyrotechnik und das DFB-Sportgericht bzw. bei Europapokal-Spielen die UEFA belegen die Vereine anschließend mit hohen Geldstrafen. Die Strafzahlungen laut Strafenkatalog des DFB können Vereine zum Teil für sicherheitsrelevante Maßnahmen verwenden. Der überwiegende Teil der Summen fließt in Deutschland jedoch in die Stiftungen von DFB und DFL. Vorbild der deutschen „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“-Kampagne war die in Österreich erfolgreiche „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“-Bewegung, die bei der Legalisierung in der Alpenrepublik Erfolge erzielte.
Der Hamburger SV erhielt für den 08. Februar 2020 eine einmalige Ausnahmegenehmigung zum legalen Zünden von Rauch. Beim Heimspiel gegen den KSC wurden zehn legal gezündete Rauchfackeln in eine Choreografie der Ultras vom Hamburger SV eingebettet (Faszination Fankurve berichtete). (Faszination Fankurve, 17.07.2024)
Vorgaben und Sicherheitsmaßnahmen zum legalen Zünden Pyrotechnik in Norwegen im Überblick:
Vor der Saison:
- Überprüfung und Anpassung der Stadien: Clubs müssen ihre Stadien überprüfen und sicherstellen, dass sie den Anforderungen für den Einsatz von Pyrotechnik entsprechen.
- Risikobewertung: Eine detaillierte Risikoanalyse muss erstellt und den lokalen Behörden sowie dem NFF vorgelegt werden.
- Schulung: Relevante Personen müssen im sicheren Umgang mit Pyrotechnik geschult werden.
- Zoneneinteilung: Klubs müssen in ihren Stadien Bereiche für erwachsene, stehende, singende Fans klar definieren und markieren, wo Pyrotechnik sicher eingesetzt werden kann.
Während der Testphase:
- Zertifizierte Pyrotechnik: Die eingesetzten Pyrotechnikprodukte müssen sicher sein und den von der Norwegian Supporter Alliance definierten Standards entsprechen.
- Abstandsregelungen: Pyrotechnik muss mit sicherem Abstand zu anderen Fans gezündet werden und es muss bei der Nutzung von Fackeln mindestens ein Meter Abstand nach vorne eingehalten werden.
- Verteilung: Die Fanbeauftragten sind für die Verteilung und Überwachung der erlaubten Anzahl von Pyrotechnikartikeln verantwortlich.
- Löschvorrichtungen: Der Veranstalter muss ausreichende Löschvorrichtungen wie Eimer und Löschdecken bereitstellen.
- Information und Sicherheit: Alle Beteiligten, einschließlich Sicherheitskräfte und Fotografen, müssen über den Einsatz von Pyrotechnik informiert werden, um einen sicheren Abstand zu gewährleisten.
- Ordner: Der Fanbereich muss mit mindestens zwei Ordnern pro 500 Zuschauer besetzt sein.
- Bedingungen für Pyrozünder: Die Personen, die Pyrotechnik zünden, müssen nüchtern, identifizierbar, vom Verein geschult und über 18 Jahre alt sein.
Nach der Testphase:
- Auswertung: Nach der Saison soll eine gemeinsame Bewertung durch die Klubs, den Ligaverband und den NFF erfolgen.
Was passiert bei Verstößen?
- Sanktionen: Bei unerlaubtem Einsatz von Pyrotechnik müssen die Vereine gemäß einem gemeinsamen Reaktionsregelwerk handeln.
- Anwendungsbereich: Die Regeln gelten für alle Veranstaltungen des Vereine, sowohl bei Heim- als auch Auswärtsspielen und anderen Aktivitäten.
- Kooperation: Vereine sollen mit anderen Vereinen, der Polizei und Fanorganisationen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Regeln eingehalten werden.
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