Ultras GE: „Vor allem die Bundespolizei trat sehr aggressiv und provokant“

Faszination Fankurve 03.09.2024 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Nachdem die Königsblaue Hilfe bereits ausführlich zum umstrittenen Polizeieinsatz gegen 560 FC Schalke 04-Fans am Bahnhof Magdeburg-Herrenkurg berichtete, meldeten sich im Spieltagsflyer „Blauer Brief“ zum Heimspiel gegen den 1. FC Köln auch die Ultras Gelsenkirchen zum verpassten Zweitligaspiel in Magdeburg zu Wort.

„Während im letzten Jahr nur ein kleinerer Teil die Anreise mit dem ICE bestritt und etwas früher in der Stadt eintraf, wählten wir in dieser Saison den Intercity Express als Transportmittel für den gesamten Fanszene-Haufen. Die Fahrt startete pünktlich und verlief bis kurz vor Ankunft in Magdeburg absolut reibungslos und stressfrei. Während des letzten Halts vor Magdeburg, genauer gesagt in Helmstedt, wurde es kurzerhand etwas hektischer auf dem Bahnsteig des niedersächsischen Grenzörtchens. Passiert ist jedoch gar nichts und alle 10 Leute warteten nur darauf, dass der Zug wieder los rollt. Als nach gut 20 Minuten die ersten Streifenwagen anrückten, war vielen klar, dass es an dieser Stelle wohl noch etwas länger dauert. Warum auch immer. Nach und nach wuchs die Anzahl der Beamten und auch die Hundertschaft erreichte irgendwann völlig planlos den Bahnhof Helmstedt. Alle Beamten standen sich auf dem Bahnsteig Löcher in den Bauch, schauten sich verwundert um, liefen mehrfach auf und ab und taten schlussendlich gar nichts. Da schließlich keine Straftaten vorlagen, rollte der Zug daraufhin mit gut 50 Minuten Verspätung doch noch Richtung Stadion. Na endlich. Auf dem Weg dorthin bekamen wir zudem die Information, dass uns der Umstieg am Hauptbahnhof in Magdeburg erspart bleibt und der IC außerplanmäßig direkt am Bahnhof Herrenkrug in der Nähe des Stadions hält. Dachte man zu dem Zeitpunkt noch an eine nette Geste der Staatsmacht, da der Zug vorher lange aufgehalten wurde und der Anpfiff immer näher rückte, überwog wenige Minuten später ein eher fragwürdiges Gefühl. Schon beim Einfahren erwartete uns ein riesiges Polizeiaufgebot und sorgte dafür, dass wir den Bahnsteig nicht verlassen durften. Vor allem die Bundespolizei trat sehr aggressiv und provokant auf und hätte wohl nichts dagegen gehabt, wenn die Situation am Bahnsteig eskaliert wäre. Weitergehende Informationen, wann und wie es weitergehen sollte, gab es selbstverständlich nicht. Je mehr Zeit verstrich, umso klarer wurde jedoch, dass man das Stadion an diesem Tage wohl nicht mehr erreichen würde. Es kam also alles wie es kommen musste und der gesamte Zugtross wurde einer kompletten Personenkontrolle unterzogen. Der Grund, den man erst einige Stunden später erfuhr: In Helmstedt sollen laut Polizeiaussagen diverse Straftaten begangen worden sein. Leider befanden sich in “unserem” IC aufgrund der Regelverbindung auch Schalker, die ursprünglich nicht mit unserer Reisegruppe angereist waren. Hier wurden seitens der Polizei jedoch keine Unterschiede gemacht und jeder der Anwesenden musste im Kessel verharren. Nach gut einer Stunde Abwarten ohne Informationen ging es los. Jeder durfte sich einer Körper- und Ausweiskontrolle unterziehen und sich schließlich in der Polizeidatenbank samt Foto verewigen. Während der Zeit versuchten einige Beamte immer und immer wieder aktiv eine Eskalation hervorzurufen, wurden jedoch teilweise von den eigenen Vorgesetzten in die Schranken gewiesen. So vertrieben wir uns die fünfstündige Kontrolle bei knallender Sonne auf der Parkanlage neben den Bahngleisen und beschäftigten sehr intensiv die örtlichen Pizza-Lieferdienste. Gepaart mit der ständigen Hoffnung, den gebuchten Zug für den Rückweg noch zu erreichen. Da die Zeit bis dahin jedoch immer knapper wurde, die Bullen uns aber doch irgendwie loswerden wollten, wurde das Durchsuchungs- und Kontrollprozedere zum Ende hin beschleunigt und die Personen in der letzten Stunde dann doch nicht mehr so gründlich und ausgiebig kontrolliert wie noch zuvor. Den Zug für die Rückreise schickte die Staatsmacht netterweise zum angrenzenden Bahnhof. Doch ganz so nett und harmonisch wollten die Behelmten den Tag dann aber doch nicht beenden, fuhren im Großaufgebot im Zug mit und achteten penibel darauf, dass niemand seinen zugewiesenen Waggon verließ. In Hannover sollten wir daraufhin einen planmäßigen Aufenthalt von 40 Minuten haben. Ideal, um sich nach diesem endlosen und kräftezehrenden Tag und mittlerweile sechs Stunden ohne richtige Verpflegung nochmal einzudecken oder die Toilette aufzusuchen. Doch auch hier hatten wir offensichtlich den Plan ohne die Bullen gemacht. Diese versperrten in Vollausrüstung alle Treppen und nur ein paar Einzelne schafften es über Umwege in die Bahnhofshalle. Nach dem Sinn und Zweck dieser Eskalationstaktik braucht man hier nicht fragen. Gegen 22 Uhr erreichten wir endlich unseren Zielbahnhof, mit der immer noch vorherrschenden Frage, was 11 dieser Einsatz sollte. Im veröffentlichten Polizeibericht las man im Nachgang von einer hohen Anzahl gefundener Zahnschutze und Sturmhauben. Diese Zahlen scheinen jedoch fernab jeglicher Realität, da der Großteil der gefundenen Utensilien normale Schlauchschals waren. Straftaten wurden im Zuge des Berichts bis heute keine benannt. Der Bericht beschreibt ausschließlich, dass in Helmstedt vermummte Leute ausgestiegen und kurz darauf wieder eingestiegen seien. Von Straftaten keine Rede. Es sollte an dieser Stelle wohl eindeutig sein, dass dieser Verdacht in keinster Weise rechtfertigt, gut 560 Personen über fünf Stunden fest- und vom Stadionbesuch abzuhalten. Eine Verhältnismäßigkeit ist an dieser Stelle definitiv nicht gegeben und es drängt sich der Eindruck auf, dass die Vorfälle vom letzten Jahr in Magdeburg eine große Rolle gespielt haben. Ein Zeichen hat die Polizei nun gesetzt, wie nachhaltig und rechtens dieses war bleibt abzuwarten. Wir werden prüfen, inwieweit juristische Schritte möglich sind. Ein Dank geht an die Fanhilfe Magdeburg, die schnell mit einem Anwalt vor Ort war. Außerdem bedanken wir uns bei den Fanbetreuungen, den Fanprojekten und den Vereinen, die sich um die Wasserversorgung gekümmert haben. Und schlussendlich bei allen Schalkern die sich mit uns im Stadion solidarisierten und beispielsweise auf jegliche Zaunfahnen verzichteten“, heißt es im Spielbericht der Ultras Gelsenkirchen.

Spruchbänder in der Nordkurve Gelsenkirchen beim Heimspiel gegen Köln.

Auf Spruchbändern in der Nordkurve Gelsenkirchen wurde der Polizeieinsatz von Magdeburg ebenfalls kritisch thematisiert.“ Nichts passiert – 560 Identitäten festgestellt. Fickt euch Polizei MD!“, „Die Logik der Bullen: Überzogene Maßnahmen erfinden – Die Einsatzkosten beklagen!“, „Das Einzige, was ihr erwirkt ist grenzenloser Hass auf euch! ACAB!“ und „Gefahrenabwehr?! Wer kontrolliert euch?“ stand auf Sprüchen verschiedener Gruppen in der Nordkurve geschrieben. (Faszination Fankurve, 03.09.2024)

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