„Enthemmte Gewaltanwendung der Polizei – Als die Südkurve zum Lazarett wurde“

Faszination Fankurve 02.12.2024 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Die Blau-Gelb-Weiße Hilfe Jena hat sich zu den Vorfällen im Nachgang des FC Carl Zeiss Jena-Heimspiels gegen die BSG Chemie Leipzig zu Wort gemeldet. Die Fanhilfe aus Jena erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei und spricht von einem „absolut unverhältnismäßigen und völlig unkoordinierten Einsatz von Reizgas im umzäunten Heimbereich“.

Pfefferspray-Einsatz gegen FCC-Fans hinter der Südkurve.

Bei der von der Polizei veröffentlichten Zahl von 64 verletzten Personen geht die Fanhilfe davon aus, dass der Großteil dieser Personen durch den Pfefferspray-Einsatz der Polizei verletzt wurden. Auch das Rechtshilfekollektiv aus der Fanszene von Chemie Leipzig steht den Zahlen der Polizei skeptisch gegenüber: „Der Behauptung der Jenaer Polizei, es seien 64 verletzte Heim- und Gästefans bekannt gemacht worden, begegnen wir mit Skepsis. Für diese Zahlen liefert die Polizei keinerlei Beleg. Woher diese Zahl nun stammen soll, bleibt weiterhin völlig unklar. Gleichzeitig werden die polizeilichen Zahlen wie meistens völlig unkritisch von sämtlichen Medien übernommen und in reißerische Überschriften gepackt. Der Behauptung der Jenaer Polizei, es seien 64 verletzte Heim- und Gästefans bekannt gemacht worden, begegnen wir mit Skepsis. Für diese Zahlen liefert die Polizei keinerlei Beleg. Woher diese Zahl nun stammen soll, bleibt weiterhin völlig unklar. Gleichzeitig werden die polizeilichen Zahlen wie meistens völlig unkritisch von sämtlichen Medien übernommen und in reißerische Überschriften gepackt. Es stellt sich die Frage, ob die große Anzahl verletzter Fans soweit zutreffend auch hier durch Einsatz von Pfefferspray hervorgerufen wurde. Gezielter Einsatz von Pfeffer ist nur schwer möglich und trifft fast immer auch Unbeteiligte, Herumstehende oder gar die eingesetzten Beamten selbst. Unter anderem deswegen fordert der Dachverband der Fanhilfen schon seit längerem ein Verbot dieses Einsatzmittels in Stadien. Eine Forderung der wir uns natürlich anschließen. Sollte sich herausstellen, dass auch hier eine große Personenanzahl durch den Einsatz von Pfeffer verletzt worden sein sollte, stellt sich abermals die Frage, was dieses Menschenmassen verloren hat.“ (Faszination Fankurve, 02.12.2024)

Verwüstungen nach dem Polizei-Einsatz hinter der Südkurve.

Faszination Fankurve dokumentiert die Stellungnahme der Blau-Gelb-Weiße Hilfe Jena:

[grau]Enthemmte Gewaltanwendung der Polizei – Als die Südkurve zum Lazarett wurde

Die Blau-Gelb-Weiße Hilfe Jena kritisiert die Darstellung der Polizei Jena zu den Vorkommnissen beim Spiel FC Carl Zeiss Jena gegen die BSG Chemie Leipzig.

Während die örtliche Pressestelle der LPI Jena von einer Trennung der beiden Fanlager sprach, mussten wir als Blau-Gelb-Weiße Hilfe e.V. einen absolut unverhältnismäßigen und völlig unkoordinierten Einsatz von Reizgas im umzäunten Heimbereich beobachten. Dieser war offensichtlich in keiner Weise dazu geeignet, die Lager zu trennen sondern durch das eingesetzte Pfefferspray einen möglichst hohen Kollateralschaden bei den im Heimbereich befindlichen Fans zu verursachen. Egal ob junge:r Stadionbesucher:in oder alteingesessener Zeissfan, jeder wurde an diesem Tag zur Zielscheibe der unprovozierten Reizgasattacke. Der leichtfertige Umgang mit Reizgas zeigte sich übrigens auch schon während des Fanmarsches, bei dem teilweise wahllos Personen besprüht wurden, die sich außerhalb von Menschengruppen befanden.

Dass sich die Landespolizei gegenüber Pressevertretern bezüglich der offiziell 64 verletzten Fans äußerst zurückhaltend äußerte, erscheint in diesem Zusammenhang nicht verwunderlich, da ein Großteil der Verletzten eher auf den Einsatz von Reizgas zurückzuführen ist und nicht auf vorgeworfene Gewaltorgien seitens der Fans. Auch die beschriebenen Zerstörungen hinter der Kurve sind zu einem nicht unerheblichen Teil auf das Vorgehen der Polizei zurückzuführen. So wurde u.a. ein Spendenstand des karitativen Projekts „Blau-Gelb-Weiße Weihnachten“, bei dem Spenden für Kinder- und Jugendeinrichtungen gesammelt werden sollten, durch die eingesetzten Polizeieinheiten vollständig verwüstet.

Diese Tatsache sowie die lazarettartigen Zustände hinter der Kurve, wo sich ungläubig dreinblickende Sanitäter:innen um eine Vielzahl von Reizgasverletzten jeden Alters kümmern müssen, lassen die Aussagen mancher Landespolitiker zynisch, wenn nicht gar ein wenig schäbig erscheinen. Vielleicht sollte man als Verantwortlicher in solchen Situationen einfach mal schweigen, anstatt ohne Kenntnis der Sachlage bereitwillig die immer gleichen Floskeln in jedes Mikrofon zu lamentieren.

Weiter zeigt sich, dass Pfefferspray in Fußballstadien angesichts des unüberschaubaren Verletzungsrisikos für Unbeteiligte verboten gehört.

Stürmung des Heimbereichs durch die Polizei

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