Angriffe auf Gästefans & was sonst so los war beim Spiel zwischen Borac Banja Luka und Rapid Wien

Faszination Fankurve 07.03.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In Banja Luka kam es im Rahmen des gestrigen Conference League Achtelfinalhinspiels (06.03.2025) zum Aufeinandertreffen zwischen Borac und Rapid Wien. Für die Fans aus der österreichischen Hauptstadt keine entspannte Reise. Bereits vor dem Spiel wurde es erstmals brenzlig. Gegen 19:10 Uhr, als die Busse des Block West noch an der Grenze in intensivere Einreisekontrollen verwickelt waren, tauchten mehrere hundert Lešinari in einer Seitengasse beim Auswärtsparkplatz auf, an dessen sich schon einige wenige Rapidfans befanden. Der größtenteils schwarz gekleidete Mob interessierte sich allerdings nur für die Tifo-Materialien, die aus ihren nahegelegenen Räumlichkeiten geholt wurden, schoss eine Kugelbombe Richtung Gästeparkplatz und zog im Corteo mit viel herumgeworfener Pyrotechnik weiter zur Heimkurve.  

9.500 Zuschauer waren im ausverkauften Gradski Stadion zugegen. Darunter 670 Rapidfans am Rande der Gegengerade sowie nochmal 200 auf der Haupttribüne. Unterstützung bekam der Block West heute von ihren Freunden aus Nürnberg, Parma und Ferencváros Budapest. 

Werbung

In der Heimkurve startete man mit einer Choreo ins Spiel, welche den großen Traum vom Pokalsieg unterstreichen sollte. So sah man auf der Blockfahne in einer Traumblase den Conference League Pokal. Dazu gab es am Zaun ein Spruchband, auf dessen übersetzt „Auch wenn ich schlafe, werde ich auf deiner Nord sein“ stand und eine Anspielung an das Lied „Sanjam“ der Lešinari ist. Der gesamte Text des Liedes ist wie folgt “Ich träume davon, ein Visum zu haben, ich träume von Siegen in Folge, ich träume von Europa, ja, ich träume von Borac in der Champions League. Wach – sie geben mir kein Visum, wach – Niederlagen in Folge, wach– anzeigen treffen ein, wach – Borac spielt in der zweiten Liga.“

Die optische Aktion seitens der Gästefans mit Schwenkfahnen, die das bekannte Farbmuster „grün-weiß-blau-rot-weiß-grün“ ergaben, wurde wegen der verspäteten Ankunft auf Beginn der 2. Halbzeit gelegt.

Nach dem Spiel wurde der Block West zunächst im Stadion festgehalten. Die Lešinari marschierten wiederum im Corteo vorbei und griffen dabei mit Steinen, Pyro und Flaschen an. Der Block West verteidigte sich mit Leuchtstiften und diversen Gegenständen.

Werbung

Mehr Beiträge zum Thema …

Bereits die Wiener Freunde Budapest (29.08.2024) und Athen (03.10.2024) gastierten in dieser Conference League Saison in Banja Luka und durften ebenfalls Zeugen der hiesigen „Gastfreundschaft“ werden. Am Vorabend des Spiels von Borac gegen Ferencváros ging es schon heiß her, als einige schon angereiste Ungarn von einer Überzahl an Heimfans angegriffen wurden. Am Spieltag folgte im Stadion der Austausch von Pyrotechnik. Dabei ist eine Reise nach Banja Luka, Regierungssitz der Republik Srpska, aktuell noch brisanter, spitzt sich die politische Situation innerhalb Bosnien-Herzegowinas extrem zu. So strebt die Republik Srpska nun endgültig nach Autonomie und fordert die Loslösung von Bosnien und Herzegowina.

Die Lešinari, (übers. die Geier) gründeten sich 1987 nach dem Vorbild der damaligen Fankultur in England. Damals bildete sich die Gruppe noch aus mehreren Ethnien des multikulturellen Banja Lukas, durch den Krieg leben in der Hauptstadt der Republika Srpska hauptsächlich Serben, die auch die heutigen Hauptbestand der Lesinari bilden und sich und ihren Verein als Symbol der Teilrepublik sehen. Schon seit vielen Jahren führen die Lešinari eine Freundschaft zu der Firma von FK Vojvodina aus Novi Sad. Im, seit dem Krieg gesellschaftlich gespaltenen Bosnien, sind die Lesinari so gut wie mit jeder Szene verfeindet, durch mehrere harten Auseinandersetzungen sind die Maniacs wohl der größte Rivale der Lešinari. Anders als in allen anderen serbisch bewohnten Städten gibt es in Banja Luka keine gestandenen Delije und Grobari Sektionen, was sich auf eine harte Linie der heimischen Szene zurückführen lässt. Dass die Lešinari viel Wert darauf legen ihre Stadt für andere möglichst unfreundlich zu präsentieren, hat sich diese Saison bereits bei internationalen Duellen bewährt. Als die ungarischen Freunde der Tornados Rapid im Rahmen der EL-Quali in Banja Luka gastierten, wurden sie am Vorabend von einer großen Anzahl an der Lešinari angegriffen und durch die Stadt gejagt.

Werbung

Auf dem Rasen trennten sich beide Mannschaften mit einem 1:1 Unentschieden. Für Borac geht der Traum vom Pokalsieg also wohlmöglich weiter. Das Rückspiel in Wien am 13.03.2025 wird allerdings offiziell ohne Gästefans stattfinden. Aufgrund der Ausschreitungen in der Vorrunde beim Spiel von Borac in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana wird der Gästeblock geschlossen bleiben. (Faszination Fankurve, 07.03.2025)

0 Kommentare

weitere Beiträge