Die Fanszene von Cavese steht seit Monaten unter massivem Druck. Repressive Maßnahmen, Stadionverbote und Einschränkungen prägen den Alltag der Curva Sud Catello Mari. Trotz dieser schwierigen Umstände bleibt die Kurve aktiv und erhält Unterstützung aus dem ganzen Land. Zahlreiche Fangruppen, teils sogar rivalisierende, solidarisieren sich mit den Anhängern von Cavese und setzen damit ein starkes Zeichen gegen die zunehmende Repression im italienischen Fußball.
Wir schreiben den 13. Januar 2025. Ein kalter, windiger Montagabend in Cava de’ Tirreni. Im Stadio Simonetta Lamberti feiert Cavese einen wichtigen 1:0-Heimsieg gegen Giugliano und macht damit einen weiteren Schritt in Richtung Klassenerhalt. Auf den Rängen herrscht spätestens nach dem doppelten Flutlichtausfall eine besondere Atmosphäre. Es wird dem historischen Capo Chequevone gedacht, Fackeln erhellen immer wieder den Nachthimmel, die Curva Sud singt sich in Ekstase – und zum Ende des Spiels richtet der charismatische Capo „Maradonna“ emotionale Worte an Mannschaft und Kurve.

Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass dies der vorerst letzte Abend der Normalität für die Curva Sud Catello Mari sein wird. Am nächsten Morgen erreicht Maradonna völlig unerwartet ein Stadionverbot – für die Dauer von fünf Jahren. Was war geschehen?
Schon mit dem Aufstieg in die Serie C im Sommer 2024 sah sich die Fangemeinde von Cavese mit massiven Auflagen konfrontiert. In der laufenden Saison durften sie lediglich die Auswärtsspiele in Messina, Crotone und Avellino besuchen.
Kurz vor Weihnachten, beim Auswärtsspiel in Crotone, zeigt die Curva Sud ein provokantes Spruchband: „Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir nur ein paar mehr Auswärtsfahrten und, dass du die mit den blauen Helmen mitnimmst.“ Eine Spitze gegen die Staatsmacht, die nicht unbeantwortet bleibt. Der Verantwortliche war aus Sicht der Behörden schnell gefunden: Maradonna, der Capo der Kurve.
In der Folge solidarisierten sich zahlreiche Fanszenen, Freunde wie Rivalen, mit Spruchbändern und Botschaften der Unterstützung. Doch die Lage eskalierte weiter: Zwei Wochen später, nach dem Heimspiel gegen Altamura, entlud sich die Wut einiger Ultras in einem Angriff auf die eingesetzten Carabinieri.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Sämtliche Trommeln, große Schwenk- und Zaunfahnen wurden der Curva Sud verboten, ebenso der Einsatz eines Vorsängers auf dem Zaun.
Der nächste Schlag folgte gut zwei Monate später. Vor dem Heimspiel gegen Latina Calcio Ende September 2024 hatten einige Ultras die Gästefans am Ortseingang abgefangen und angegriffen. Im März durchsuchte die Polizei dann, teils vor laufender Kamera, die Wohnungen mehrerer Beschuldigter. Am Ende dieses Tages wurden 12 weitere Mitglieder der Kurve mit fünfjährigen Stadionverboten und Meldeauflagen belegt.
Trotz all dieser Repressionen bleibt die Curva Sud aktiv und zeigt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Präsenz. Kraft schöpft sie dabei nicht zuletzt aus der Welle der Solidarität, die aus vielen Teilen des Landes kommt. Das Ende der Fahnenstange ist jedoch noch nicht erreicht. Die Ermittlungen zum Angriff auf die Polizei nach dem Spiel gegen Altamura dauern weiter an.
Auch die Untersuchungen zu den Auseinandersetzungen mit Catania-Fans auf der Autobahn (Rückweg aus Messina im Oktober 2024) scheinen zwar zunächst ins Stocken geraten zu sein – doch neue Ermittlungen könnten folgen. Ebenso laufen noch Untersuchungen zu den Angriffen einiger Nocerina-Fans auf dem Rückweg aus Avellino Mitte Januar. An jenem Abend gelang es den Cavese-Ultras zwar, ihre Angreifer in die Flucht zu schlagen, doch auch hier könnte die Justiz noch nachlegen.
Im ganzen Land haben nun zahlreiche Ultras-Gruppen ihre Solidarität mit der Curva Sud Catello Mari bekundet. Besonders bemerkenswert: Der Zuspruch kommt nicht nur von befreundeten, sondern auch von rivalisierenden Fangruppen. Über soziale Medien, Spruchbänder und Gesänge senden sie klare Zeichen der Unterstützung. Diese Solidaritätsbekundungen sind weit mehr als freundliche Gesten – sie sind Ausdruck eines gemeinsamen Widerstands gegen Repression und die zunehmende Gleichschaltung der Fankultur.










Mit ihren Aktionen zeigen die Gruppen, dass die Ultras-Bewegung weit über bloße Rivalitäten hinausreicht. Geschlossen stellen sie sich gegen Maßnahmen, die aus ihrer Sicht die Freiheit der Fans bedrohen und die Identität ganzer Kurven unterdrücken sollen. Jedes Transparent, jede Aktion wird damit zu einem politischen Statement für die Bewahrung der Ultras-Kultur in Italien.
Die Unterstützung für Cavese ist damit längst zum Symbol geworden – für eine vereinte Front der Ultras-Szene, die, trotz aller Unterschiede, zusammensteht, wenn es um fundamentale Werte wie Solidarität, Freiheit und den Erhalt der eigenen Kultur geht.
Mehr über die Ansichten und Geschichte der Curva Sud Catello Mari gab es im großen Interview in der Erlebnis Fussball Doppelausgabe 87/88.
(09.04.2025, Faszination Fankurve)
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