„Nicht antreten – die einzig richtige Entscheidung“: Lecce-Ultras protestieren gegen Serie A

Faszination Fankurve 07.05.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

Der italienische Fußball sorgt erneut für Unverständnis: Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Physiotherapeuten Graziano Fiorita wollte der US Lecce sein Spiel gegen Atalanta verschieben lassen – doch die Liga blieb hart. Die Fans reagierten deutlich.

Am Donnerstagmorgen, dem 24. April, wurde Graziano Fiorita, seit über 20 Jahren Masseur und Osteopath des US Lecce, tot in einem Hotelzimmer im Trainingslager in Coccaglio aufgefunden. Die Mannschaft bereitete sich dort auf das ursprünglich für Freitag angesetzte Auswärtsspiel bei Atalanta Bergamo vor. Der Schock war groß – der Verein beantragte eine Verschiebung des Spiels, um der Mannschaft und dem Betreuerteam Zeit zur Trauer zu geben.

Zwar genehmigte die Serie A eine Verlegung um 48 Stunden auf Sonntag, doch einem weiteren Aufschub wurde nicht stattgegeben. Und das, obwohl weder Atalanta noch Lecce bis Saisonende noch in anderen Wettbewerben gefordert sind. Lecce entschied sich, als Zeichen der Trauer und des Protests, nicht nach Bergamo zu reisen.

Die Konsequenzen sind hart: Laut Artikel 10 des italienischen Sportgerichtskodex drohen eine 0:3-Wertung und ein zusätzlicher Punktabzug. Der Sportjournalist Alfredo Pedullà kritisierte die Entscheidung der Liga scharf und schrieb auf X: „In Lecce haben sie gerade einen Bruder verloren, aber die Herren, die ganze Meisterschaften verfälscht haben, wollen nicht einmal drei Tage Aufschub geben? Gebt Lecce ein paar Tage mehr – und entschuldigt euch wenigstens.“

Auch die Fans von Lecce reagierten unmissverständlich. Bereits am Wochenende hatten sie ein großes Banner vor dem Stadion angebracht:

„NICHT AUFTRETEN – DIE EINZIG RICHTIGE ENTSCHEIDUNG. LIGA OHNE EHRE – LECCE VERACHTET DICH!“

Beim Heimspiel gegen den SSC Neapel (03.05.2025) folgte eine weitere klare Botschaft: Die Ultras von Lecce präsentierten zu Beginn der Partie ein großes Spruchband in der Kurve mit den Worten:

„GRAZIANO SEMPRE CON NOI“ (Graziano – immer bei uns)

Dazu gab es eine Schweigeminute und keinerlei organisierte Unterstützung während der ersten Spielminuten. Die Szene blieb stumm – als Zeichen der Trauer und der Ablehnung gegenüber der Entscheidung der Liga.

Direkt im Anschluss zündeten Fans im Heimblock zahlreiche Fackeln und warfen Feuerwerkskörper auf das Spielfeld, was zu einer Spielunterbrechung von über fünf Minuten führte. Diese Aktionen waren Ausdruck des anhaltenden Unmuts über die Entscheidung der Liga, das Spiel gegen Atalanta trotz des Trauerfalls nicht weiter zu verschieben.

Zudem wurde ein weiteres Spruchband mit der Aufschrift „Lega Calcio: Vergogna!“ (Schande!) präsentiert, das die Kritik an der Liga deutlich machte. Die Ultras forderten damit erneut mehr Respekt und Menschlichkeit im Umgang mit tragischen Ereignissen innerhalb des Fußballbetriebs.

Die Proteste in Lecce sind ein weiteres Beispiel für die wachsende Entfremdung zwischen den Fußballinstitutionen in Italien und den aktiven Fanszenen. Während sich viele Klubs dem kommerziellen Druck beugen, bleiben die Kurven oftmals die letzten Orte, an denen Menschlichkeit und Solidarität eingefordert werden.

(Faszination Fankurve, 07.05.2025)

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