Nach vier Jahren in der sportlichen Bedeutungslosigkeit feierte Delfino Pescara am 7. Juni 2025 die Rückkehr in die Serie B. In einem dramatischen Rückspiel gegen Ternana, das alles bot, was den Fußball so einzigartig macht, setzte sich Pescara schlussendlich im Elfmeterschießen gegen die Gäste aus Terni durch. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Mannschaft, sondern vor allem die Curva Nord, die sich in diesen Wochen eindrucksvoll zurückgemeldet hat.

Der Führungstreffer von Ternana in der zweiten Halbzeit ließ das Hinspieltor von Gaetano Letizia verblassen. Pescara musste über eine Stunde in Unterzahl agieren, inklusive Verlängerung. Der angeschlagene Torhüter Plizzari – bereits seit dem Ende der regulären Spielzeit sichtlich gezeichnet – wuchs im Elfmeterschießen über sich hinaus und parierte gleich drei Versuche der Gäste. Was folgte, war ein emotionaler Ausbruch sondergleichen. Die Curva Nord, längst am Limit der Lautstärke und Emotionalität, explodierte förmlich.
Dass das Stadio Adriatico bis auf den letzten Platz gefüllt war, überraschte niemand: Schon in der Nacht nach dem Hinspiel campierten Fans vor Laptops und Handys, um sich in der freien Verkaufsphase noch Tickets zu sichern. Der organisierte Vorverkauf für Dauerkarteninhaber war bereits zuvor restlos ausgeschöpft.
Doch die Unterstützung der Nord begann lange vor dem Rückspiel. Schon vor dem ersten Duell in Terni riefen die Gruppen zum gemeinsamen Besuch des Abschlusstrainings im nahegelegenen Silvi auf – rund 3.500 Fans folgten dem Aufruf. Ein riesiges Banner mit der Aufschrift „FINO ALLA MORTE“ unterstrich den bedingungslosen Zusammenhalt.
Für das Hinspiel in Terni waren die 750 Auswärtstickets binnen Stunden vergriffen. Dennoch gelang es rund hundert weiteren Pescaresi, sich Zutritt zum Stadion zu verschaffen.
Für das Spiel in Pescara riefen die Gruppen der heimischen Curva Nord zu einer Fahnenaktion auf: Jeder sollte eine blau-weiße Fahne mitbringen – das Resultat war eine imposante, spontane Choreo, begleitet von dem 80er-Jahre-inspirierten Banner: „PESCARA È MAGIA, LA NORD È FOLLIA“. Beim Einlaufen der Mannschaft explodierte die Kurve: Pyrotechnik, Blinker, Rauch und Gesänge, die bis tief in die Verlängerung anhielten. Die Unterstützung riss nicht ab.



Nach dem dramatischen Spielende verlagerten sich die Feierlichkeiten in die Stadt. Höhepunkt war – wie bei allen großen Erfolgen – das Zusammentreffen an der „Nave di Cascella“ wo bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde.
Einziger Wehrmutstropfen: Die Ultras von Ternana blieben aus Protest gegen die Tessera del Tifoso dem Spiel fern. Eine Choreo gab es dennoch.


Der Abend markierte den krönenden Abschluss einer Saison, die mehr als nur Fußball war. Vor fast genau einem Jahr begannen die Proteste gegen Vereinspräsident Daniele Sebastiani. Es folgte der schmerzliche Tod von Marco „Il Tedesco“, einer prägenden Figur der Pescara Rangers. Zwischenzeitlich organisierte sich die Curva neu – inklusive dem temporären Auftreten der „Gruppo Anonimo Pescarese“ kurz GRAPES.
Die Curva Nord wird weiterhin von den Rangers angeführt, welche seit 48 Jahren als Symbol der Bewegung dienen. An ihrer Seite: A Sud del Fiume, GRAPES und die Youth – eine junge Generation mit viel Potenzial. Der Stil der Kurve ist und bleibt unverkennbar: Ultras-Tifo im Stil der 1980er.
Mit der Rückkehr in die Serie B ist Pescara wieder da, wo der Klub hingehört – nicht nur sportlich, sondern auch auf den Tribünen. Die Curva Nord ist bereit für neue Kapitel gegen alte Rivalen wie Bari, Avellino, Cesena oder Palermo.
(Faszination Fankurve, 15.06.2025)
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