„Ein Freund ist der beste Besitz des Lebens“ – Impressionen vom Freundschaftsspiel zwischen Slovan Bratislava und Wisła Kraków

Faszination Fankurve 11.07.2025 0 Kommentare

Foto: Faszination Fankurve

In dieser Woche trafen in der slowakischen Hauptstadt Slovan Bratislava und Wisła Kraków aufeinander. Ein wahres Freundschaftsspiel – pflegen doch Teile beider Anhängerschaften gute Kontakte zueinander und waren für diese Austragung zuständig. Dies spürte man beim Duell auf den Rängen durch unterschiedliche Freundschaftszeremonien deutlich.

Die Fans von Wisła Kraków stehen seit dem Todesfall 2023 im polnischen Radłów unter starker Kritik und werden von vielen Kibice seitdem ignoriert – Faszination Fankurve berichtete.

Doch während sich viele Kibice vom „Weißen Stern“ distanzierten, gab es auch Szenen, die sich weiterhin Wisła annäherten. Wie Faszination Fankurve berichtete, erweiterte sich innerhalb Polens jüngst mit Pogoń Szczecin die „Unerwünschte Koalition“.

Nicht nur innerhalb der polnischen Landesgrenzen, sondern auch international wurden Bündnisse gestärkt.

So auch zu den Fans von Slovan Bratislava. Bereits in den 1990er Jahren, nach dem Ende der Sowjetunion, entstanden erste Kontakte zwischen den Fans aus Krakau und Bratislava.

Seit wenigen Jahren wurde die Beziehung zueinander stark intensiviert. Während Slovan immer weiter nach Polen schaute – zu Ruch Chorzów gibt es seit vielen Jahren schon Kontakte, die ebenfalls neu aufflammten – verabschiedeten sich die Slowaken von den jahrzehntelangen Freunden aus dem tschechischen Brünn. Die Szene dort sei zu schwach, hieß es. Eine Entscheidung, die in Brünn kaum verstanden wurde – und auch viele Slovan-Fans pflegen weiterhin Kontakte dorthin.

Auch die Freundschaft zu Austria Wien ist seit dem Ende der Viola Fanatics recht angespannt. Doch die Kontakte nach Krakau wurden immer stärker und überlebten sogar den Wechsel der führenden Hooligan-Gruppe von Wisła.

Einst waren dies die Sharks. Nach starken Repressionen samt Plauderei bei den Bullen war die Gruppe allerdings Geschichte, und die Devil Fans Hooligans übernahmen das Zepter.

Die führende Hooligan-Gruppe aus Bratislava mit dem leicht verwirrenden Namen Ultras Slovan Pressburg übernahm in den letzten Jahren immer mehr die Eigenschaften einer polnischen Szene und formte die eigene entsprechend um. So verwunderte es nicht, dass im Spiel gegen Wisła Kraków auch Vereine besungen wurden, mit denen man selbst wenig zu tun hat. Doch der Reihe nach.

Beide Seiten mobilisierten vorab wochenlang für dieses Freundschaftsspiel.

Der Spieltag sollte zu einem Festtag gestaltet werden, doch der Wettergott war nicht auf ihrer Seite – es regnete den gesamten Tag kräftig, weshalb das geplante Fanfest vor dem Stadion ausfallen musste.

6.015 Zuschauer waren gekommen, darunter mehrere Hundert Kibice aus Polen. Beide Szenen positionierten sich im Sektor C – dem Fanblock von Slovan – und gaben vorab eine Blockeinteilung vor.

Aufgrund des Regens zogen die Fans jedoch geschlossen in den Oberrang des Heimblocks.

Auch die Vereine selbst trugen zur Freundschaftsfeier bei – so pushten die beiden Stadionsprecher das Ganze zusätzlich.

Die Anhängerschaft des slowakischen Serienmeisters (aktuell allein sieben Meisterschaften in Folge) war vor kurzem zum möglichen Aufstiegsspiel von Wisła gegen Miedź Legnica mit sage und schreibe 150 Leuten in Krakau anwesend – und das an einem Donnerstag.

In dieser Zeit entstand auch eine Wisła-&-Slovan-Freundschafts-Zaunfahne, die heute mittig vor dem Fanblock befestigt wurde. Von beiden Szenen waren außerdem einige bekannte Zaunfahnen zu sehen.

Kurz vor Spielbeginn wurde eine Blockfahne hochgezogen, unter der sich die Leute bereit zum Zünden machten. Dazu wurde ein großes Spruchband mit dem lateinischen Slogan amicus optima vitae possessio („Ein Freund ist der beste Besitz des Lebens“) gezeigt. Dies war der Wahlspruch eines Habsburgers, der im 15. Jahrhundert als Albrecht V. Herzog von Österreich, als Albrecht II. deutscher König und als Albrecht I. ungarischer und böhmischer König war.

Dahinter wurden knapp 200 Rauchdosen gezündet, die eine große Rauchwolke in Rot, Blau und Weiß – den Vereinsfarben – erzeugten.

Zu Wiederanpfiff folgte die nächste große Pyroshow in Form von über 200 Bengalen, die verteilt auf beide Ränge gezündet wurden.

Die Aktivisten dieser Aktion kamen noch im Unterrang für ein gemeinsames Foto zusammen.

Akustisch schafften beide Szenen gemeinsam eine lautstarke Atmosphäre. Durch den Standort im Oberrang wirkten die Gesänge zum Teil brachial laut.

Besungen wurden eben auch sämtliche Freundschaften der Krakauer innerhalb Polens – selbst Szenen, zu denen Slovan keine direkte Verbindung hat, wurden von vielen Slowaken lautstark gefeiert. Und natürlich wurde durch Gesänge auch die Freundschaft zwischen Slovan und Wisła weiter gestärkt.

Auf dem Rasen siegte überraschend der Zweitligist aus Polen mit 1:0. Doch das Ergebnis war an diesem Abend zweitrangig – dieser Tag sollte eine große Demonstration der Freundschaft sein.

(Faszination Fankurve, 11.07.2025)

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