Lech Poznan vs. Roter Stern Belgrad – ein Duell zweier Schwergewichte der europäischen Fanwelt

07.08.2025

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Foto: Faszination Fankurve

Königsklasse der Fans in der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League. Lech Poznan gegen Roter Stern Belgrad. Das klingt nach einem Spektakel auf den Rängen und außerhalb des Stadions. Vor dem Spiel wurde in Medienberichten von 2.000 anreisenden Delije gesprochen. Am Ende dürfte es nicht einmal die Hälfte davon gewesen sein. Dennoch wurde dieses Spiel seinen Erwartungen gerecht. Außerdem erwartet euch in diesem Artikel einige Fotos vom gestrigen Abend in Poznan. 

Lech Poznan und Roter Stern Belgrad gehören zweifelsfrei zu den Namen der europäischen Fanwelt, die auch bei internationalen Spielen auf allen Ebenen überzeugen wollen.

2007 spielte Roter Stern Belgrad in Grodzisk Wielkopolski, einem kleinen Ort unweit von Poznan entfernt. Auf dem Rückweg nach Serbien stand damals Lech Poznan parat und forderte die Serben zum Kampf auf, die mit allerhand Waffeneinsatz wiederum massiv dem Gegner entgegentraten.

Legendär für die Kibice von Lech Poznan ist die Fahrt 2015 nach Sarajevo, wo sich am Vorabend eine gigantische Schlacht mit Einheimischen ereignete. Genau zehn Jahre später wartete nun der nächste Big Player vom Balkan.

Aus Belgrad reisten mehrere Busse und viele Autos an, die unter immenser Polizeibegleitung direkt zum Stadion gebracht wurden und nach langer Warterei erst etwa eine Stunde vor Kick-off den Gästeblock erreichten. Zuvor riefen die Delije dazu auf, dass alle sich dem gemeinsamen Konvoi anschließen – der Respekt gegenüber Lech war enorm.

Etwa 900 statt der 1.500 möglichen Gästefans (mehr Karten stellte Lech den Serben gar nicht zur Verfügung) waren angereist. Insgesamt verweilten 39.743 Zuschauer im Stadion.

Eine Gemeinsamkeit besteht übrigens zwischen beiden Fanlagern: Die Hools von Lech und Roter Stern Belgrad pflegen Freundschaften zu Spartak Moskau.

Die Heimseite rief dazu auf, in der Kurve im Unterrang in Weiß und in den anderen beiden Rängen in Blau zu erscheinen, was zu 100 % umgesetzt wurde.

Die Kurve wurde zudem klar auf das Spiel eingestimmt: „Wir werden heute so laut sein, dass unsere Gegner die Namen auf ihren Trikots vergessen werden. Lasst nicht locker, nicht eine Sekunde. (…) Heute müssen wir wirklich der sprichwörtliche zwölfte Mann sein. Dafür muss das ganze Stadion aktiv sein.“

Bereits längere Zeit vor dem Spiel wurde der Choreo-Spruch gezeigt. „Reach for the stars“ zeigte bereits auf, in welche Richtung die Choreo gehen soll. Dazu wurde zum Einlaufen der Mannschaften ein vor sich hin träumendes Kind sowie die typische Champions-League-Optik mit einem Ball mit Sternen dargestellt. Später wurde dieses Bild noch mit einem Feuerwerk aus dem Block ergänzt.

Bereits drei Minuten nach Spielbeginn gab es mit einer kleinen Kolejorz-Blockfahne („Eisenbahner“, Spitzname der Lech Kibice) die zweite optische Aktion.

Die Zaunfahnen in Mittel- und Oberrang wurden erst im Anschluss aufgehängt, sodass diese erst zur Mitte der ersten Halbzeit vollständig hingen.

Die Heimseite bekam heute Unterstützung von Cracovia (zwei Fahnen), Arka Gdynia, ŁKS Łódź (eine Fahne) sowie KSZO Ostrowiec (mit Fahne).

Die Gäste standen lediglich hinter der großen „Delije Sever“-Fahne und hatten – bis auf mehrere gehaltene Fahnen zum Thema Kosovo sowie für den vor wenigen Jahren von türkischen Fans ermordeten Jagoda – keine weitere optische Unterstützung.

Auch Lech Poznan positionierte sich zum Kosovo-Konflikt mit dem Spruchband „Kosovo ist Serbien“.

Gerade die Kurve der Kolejorz konnte über das gesamte Spiel mit nahezu 100-prozentiger Mitmachquote auftrumpfen und erzeugte dabei eine extrem hohe Lautstärke, sodass der Gästeblock im restlichen Stadion kaum zu vernehmen war.

Dennoch war ersichtlich, dass auch dort der gesamte Block durchgängig mitzog und teilweise sehr viel Bewegung vorhanden war. Auch als sich ab Mitte der zweiten Hälfte die Niederlage für Lech abzeichnete, ließ die Lautstärke in der Kurve nicht nach.

Mit dem 3:1-Auswärtssieg stehen die Chancen auf ein Weiterkommen für Roter Stern sehr gut, und so konnten nach Spielende, als sich das Stadion schon weitestgehend geleert hatte, die Gesänge der Delije lautstark durchs Stadion schallen.

Für weitere Infos aus Polen empfehlen wir unsere Artikel zum Superpokalfinale sowie zur Nationalmannschaft, wo es ebenfalls um die Kibice von Lech Poznan geht.

Das Rückspiel findet dann am 12.08. in der serbischen Hauptstadt statt.

(Faszination Fankurve, 07.08.2025)

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